Mobilität beobachten und fördern

Mobilität beobachten und fördern: kostenloses Lern-Audio (28 Min.) für die Pflegeausbildung – als Gespräch zwischen Lehrkraft und Azubis, mit vollständigem Transkript und passender Übung.

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Pflegeprüfung Mobilität: Bewegung vs. Mobilität vs. Mobilisation einfach erklärt · 46:57 Min. — Beim Abspielen wird eine Verbindung zu YouTube hergestellt.

Transkript

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Frau WeberHallo und herzlich willkommen! Ich bin Frau Weber, und bei mir ist Lena, eine Auszubildende. Heute geht es um ein Thema, das euch in jeder Schicht begegnet: Mobilität beobachten und fördern. Ein kurzer Hinweis vorab: Dieser Podcast ist Teil eurer Ausbildung. Er ersetzt nicht das praktische Üben und nicht die Standards eurer Einrichtung.

LenaHallo! Mobilität heißt ja Beweglichkeit, oder? Warum ist das ein so großes Thema?

Frau WeberWeil fast alles im Körper davon abhängt, dass wir uns bewegen. Wer sich nicht mehr bewegt, bekommt sehr schnell Probleme mit der Haut, dem Kreislauf, der Atmung, der Verdauung und den Gelenken. Und er verliert Selbstständigkeit. Deshalb lernen wir heute Schritt für Schritt: Was ist Mobilität? Wie beobachtet man Bewegung? Welche Einschränkungen gibt es, und welche Folgen hat Immobilität? Wie fördert man Mobilität? Wie dokumentiert man sie? Welche Möglichkeiten der Mobilisation gibt es? Und zum Schluss die wichtigsten Prophylaxen.

Frau WeberZuerst die Begriffe. Es gibt eine schöne Definition: Optimale Mobilität ist eine Schlüsselkomponente des gesunden Alterns. Sie bedeutet, sicher und zuverlässig dorthin gehen zu können, wo man hin will, und so, wie man dort ankommen möchte. Mobilität meint Bewegung in all ihren Formen: vom einfachen Gehen über den Wechsel vom Bett in den Stuhl bis zum Spazierengehen, zur Hausarbeit, zum Sport, zum Autofahren und zur Nutzung von Bus und Bahn.

Frau WeberDer Begriff Mobilisation kommt vom lateinischen Wort „mobilitas“, das heißt Beweglichkeit. Mobilisation sind alle Maßnahmen, mit denen wir Menschen jeden Alters aktivieren und ihre Bewegung fördern.

Frau WeberWie sieht Bewegung im Normalzustand aus? Gesunde, kraftvolle Bewegungen haben diese Kennzeichen: ein aufrechter und sicherer Gang, eine volle Beweglichkeit der Gelenke, eine normale Muskelspannung, ein koordinierter und flüssiger Bewegungsablauf und die Kontrolle über die Stellung des Körpers im Raum.

Frau WeberWenn ihr Bewegung beobachtet, achtet ihr auf acht Kriterien. Erstens die Körperhaltung, also ob jemand sicher steht und sicher sitzt. Zweitens das Gangbild und die Gangsicherheit. Drittens das Gleichgewicht. Viertens die Beweglichkeit der Gelenke. Fünftens die Muskelkraft. Sechstens die Muskelspannung, das Fachwort ist Muskeltonus. Siebtens die Koordination der Bewegungen. Und achtens auffällige Bewegungen, zum Beispiel ein Zittern oder unwillkürliche Bewegungen.

LenaWie beobachte ich das konkret? Ich kann ja nicht einfach nur hinschauen.

Frau WeberDoch, genau hinschauen ist schon ein großer Teil. Dazu gibt es Leitfragen. Zur Beweglichkeit der Gelenke: Können die Gelenke im vollen Umfang bewegt werden? Sind die Bewegungen mühelos und schmerzfrei? Zur Kraft: Ist die Kraft auf beiden Seiten angemessen und gleich stark? Zur Koordination: Ist der Bewegungsablauf harmonisch und flüssig? Sind die Bewegungen zielgerichtet, und passt der Krafteinsatz? Kann der Mensch eine Bewegung passend beginnen und beenden?

Frau WeberZum Gleichgewicht: Hält der Mensch das Gleichgewicht sicher? Kann er, passend zu seinem Alter, auch auf einer kleinen Standfläche stehen? Zur Körperhaltung und Muskelspannung: Haben Körper und Muskeln eine angemessene Grundspannung? Und zeigt die Körperhaltung vielleicht ein Gefühl, zum Beispiel Traurigkeit oder Angst? Zum Körperschema: Weiß der Mensch, wo sein Körper im Raum ist? Nimmt er die Grenzen seines Körpers wahr? Und kann er Hindernissen ausweichen?

Frau WeberWichtig ist außerdem, was Pflegende bei der Beobachtung wahrnehmen, und zwar mit mehreren Sinnen. Pflegende hören zum Beispiel Schmerzäußerungen, Geräusche beim Gehen wie Schlurfen oder Stapfen und Gelenkknacken oder Gelenkreiben. Pflegende sehen die Körperhaltung, das Gangbild, die individuellen Bewegungsmuster, Störungen der Koordination und die Lage im Bett. Und Pflegende spüren mit den Händen, zum Beispiel Blockaden und Reibung in den Gelenken, Verhärtungen und Verspannungen der Muskeln oder eine sehr geringe Muskelspannung. Genau diese Punkte gehören auch in die Dokumentation.

Frau WeberKommen wir zu den Bewegungseinschränkungen. Eine Bewegungseinschränkung ist der teilweise oder vollständige Verlust des normalen Bewegungsumfangs. Sie kann vorübergehend oder dauerhaft sein. Mögliche Ursachen sind Erkrankungen wie Rheuma, Arthrose, Osteoporose, ein Schlaganfall oder die Parkinson-Krankheit, Verletzungen wie ein Knochenbruch oder eine Bänderdehnung, und der Alterungsprozess.

Frau WeberMan unterscheidet dabei eine aktive und eine passive Bewegungseinschränkung. Bei einer aktiven Einschränkung kann der Mensch das Gelenk selbst nicht bewegen, zum Beispiel bei einer Lähmung. Wenn ihr das Gelenk aber vorsichtig für ihn bewegt, ist es voll beweglich. Bei einer passiven Einschränkung ist das Gelenk selbst eingeschränkt. Dann lässt es sich auch von euch nicht weiter bewegen, zum Beispiel bei einer Gelenkversteifung.

Frau WeberWenn ihr die Mobilität eines Menschen einschätzt, schaut ihr auf zwei Seiten. Die erste Seite ist der Mensch selbst: Hat er Einschränkungen seiner Fähigkeiten? Sind seine Sinne, seine Bewegungssteuerung oder sein Gleichgewicht gestört? Hat er Schmerzen oder Schwindel? Die zweite Seite ist die Umgebung: Gibt es Hindernisse auf dem Boden, schwache Kontraste, schlechte Beleuchtung, einen rutschigen oder nassen Boden oder im Winter Glätte? Trägt er ungeeignete Schuhe? Und hat er die Hilfsmittel, die er braucht, zum Beispiel einen Rollator, eine Brille oder einen Gehbock? Die Einschätzung muss umfassend sein. Und sie soll das enthalten, was der Mensch selbst sagt, und das, was ihr und andere beobachtet.

Frau WeberJetzt zu den Folgen von Immobilität. Das ist ein sehr wichtiger Teil. Bewegungsmangel hat schwere Folgen, und zwar für fast jedes Organsystem. An der Haut entstehen Druckgeschwüre, die sogenannten Dekubitus, und wunde Hautfalten, die Intertrigo. Am Herz-Kreislauf-System entstehen Thrombosen und Durchblutungsstörungen, und beim Aufstehen sackt der Kreislauf leicht ab. In der Lunge sammelt sich Schleim, die Lunge wird schlechter belüftet und durchblutet, und es droht eine Lungenentzündung.

Frau WeberBei der Verdauung kommt es zu Verstopfung und Blähungen. An Muskeln, Sehnen und Gelenken schwinden die Muskeln, die Kraft geht verloren, die Gelenke werden steifer, und es entstehen Fehlstellungen und Kontrakturen. Bei der Wahrnehmung kann der Mensch sich schlechter orientieren, nimmt Informationen schlechter auf, und sein Körpergefühl verändert sich. Und der Schlaf-Wach-Rhythmus gerät durcheinander. Die Folgen sind Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme.

LenaDas ist ja wirklich der ganze Körper.

Frau WeberGenau. Deshalb sagt man: Bewegungsmangel verursacht schwere Folgen, und im schlimmsten Fall endet er in völliger Immobilität. Im Alter kommen noch typische Veränderungen dazu, zum Beispiel die Arthrose und die Osteoporose.

Frau WeberDie Arthrose ist eine Gelenkerkrankung durch Verschleiß. Der Gelenkknorpel wird allmählich zerstört. Im Verlauf kann sich das Gelenk schmerzhaft entzünden, verformen und steif werden. Die Osteoporose ist ein krankhafter Knochenschwund. Die Knochendichte sinkt, und das Risiko für Knochenbrüche steigt. Durch Brüche der Wirbelkörper kann es zu Rückenschmerzen, verformten Wirbeln, einem Verlust an Körpergröße und einem Rundrücken kommen. Beides verändert die Bewegung im Alter.

Frau WeberUmso wichtiger ist eine frühe und individuelle Mobilisation. Sie hat viele positive Wirkungen. Sie mindert das Krankheitsgefühl. Sie stärkt das Selbstwertgefühl und die Selbstständigkeit. Sie beugt Druckgeschwüren, Kontrakturen, Lungenentzündung, Verstopfung und Thrombosen vor. Sie regt den Appetit an. Und sie fördert einen gesunden Schlaf.

Frau WeberKommen wir zur Förderung der Mobilität. Das Vorgehen ist immer gleich. Zuerst erfasst ihr, welche Einschränkungen der Mobilität es gibt. Dann legt ihr gemeinsam mit der Person Ziele fest. Und dann plant ihr die passenden Maßnahmen. Ziele formuliert ihr konkret und überprüfbar, zum Beispiel: „Frau Müller geht mit dem Rollator und Begleitung dreimal täglich bis zum Aufenthaltsraum.“

Frau WeberMaßnahmen können zum Beispiel einfache Übungen sein. Gut sind zum Beispiel Übungen für die Knie im Sitzen. Bei der ersten setzt man im Sitzen die Ferse des rechten Beins vorne auf und gleichzeitig die Fußspitze des linken Beins hinten, dann wechselt man die Beine und wiederholt das mehrmals. Bei der zweiten streckt man im Sitzen ein Bein nach vorne aus, stellt die Ferse auf und neigt den Oberkörper nach vorne, bis man eine deutliche Dehnung an der Rückseite des Oberschenkels spürt. Dann Beinwechsel.

Frau WeberGanz wichtig ist dazu der Expertenstandard. Das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege, kurz D N Q P, hat Expertenstandards zu vielen Themen entwickelt. Dazu gehört auch ein Expertenstandard zur Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege. Er beschreibt, wie Pflegende die Mobilität einschätzen, Maßnahmen planen, Betroffene beraten und die Wirkung überprüfen. Eine Übersicht aller Expertenstandards findet ihr auf der Internetseite des D N Q P.

Frau WeberUnd dann die Dokumentation. Hier notiert ihr, was ihr hört, seht und spürt, wie ich es eben beschrieben habe. Dazu kommen die Ziele, die Maßnahmen und wie der Mensch darauf reagiert hat. Zum Beispiel: „Frau Müller ist heute mit Rollator zwanzig Meter gegangen, danach leicht außer Atem, keine Schmerzen.“ So können alle im Team sehen, ob sich die Mobilität verbessert.

Frau WeberJetzt zu einer wichtigen Frage: Sagt man Lagerung oder Positionierung? Kartoffeln oder Gemüse werden gelagert. Das Wort Lagerung beschreibt eher etwas Passives. Deshalb spricht man heute lieber von Positionierung oder Positionsunterstützung. Dieses Wort macht deutlich, dass wir gemeinsam mit dem Menschen handeln und uns an seinen Bedürfnissen orientieren.

LenaUnd welche Möglichkeiten der Mobilisation gibt es?

Frau WeberWir schauen uns einige davon an. Die erste ist die Bewegung zum Kopfende. Viele Patienten rutschen im Bett nach unten. Um sie wieder nach oben zu bewegen, gibt es verschiedene Wege: das sogenannte gehende Bewegen, bei dem der Mensch sein Gewicht von einer Seite auf die andere verlagert und sich so Schritt für Schritt nach oben bewegt, das gleitende Bewegen und das Bewegen mit einem Tuch. Wichtig ist: Der Patient hilft so viel mit, wie er kann, zum Beispiel indem er die Beine anstellt und sich mit den Füßen abdrückt. Und ihr zieht ihn nicht einfach unter den Achseln hoch. Das tut weh und kann die Schultern verletzen.

Frau WeberDie zweite Möglichkeit ist das Aufsetzen, im Bett oder an die Bettkante. Beim Aufsetzen an die Bettkante dreht sich der Mensch am besten zuerst auf die Seite. Dann bringt er die Beine über die Bettkante und drückt sich mit dem Arm hoch, während die Beine nach unten gehen. So wird der Rücken geschont.

Frau WeberEine besondere Form ist das sogenannte En-bloc-Aufsetzen. „En bloc“ heißt „als Ganzes“. Manchmal wird es missverständlich beschrieben, nämlich als Aufsetzen „in einem Schwung“. Gemeint ist aber etwas anderes. Beim En-bloc-Aufsetzen bewegt der Mensch Schultern, Rumpf und Becken gemeinsam, wie einen Block, ohne sich in der Wirbelsäule zu verdrehen. Er dreht sich also zuerst als Ganzes auf die Seite und kommt dann aus der Seitenlage heraus langsam an die Bettkante. Das braucht man zum Beispiel nach Operationen an der Wirbelsäule oder am Bauch. Ein schneller Schwung wäre für diese Patienten gerade falsch.

Frau WeberDie dritte Möglichkeit ist das Aufstehen. Der Mensch sitzt sicher an der Bettkante, beide Füße stehen flach auf dem Boden, und die Füße stehen etwas hinter den Knien. Dann beugt er den Oberkörper nach vorne, die Nase geht über die Knie, und er drückt sich hoch. Vor dem Aufstehen, besonders beim ersten Mal nach längerer Bettruhe oder nach einer Operation, achtet ihr auf den Kreislauf. Fragt nach Schwindel, schaut auf die Hautfarbe, und messt, wenn nötig, Puls und Blutdruck. Lasst den Menschen erst eine Weile an der Bettkante sitzen.

Frau WeberDie vierte Möglichkeit ist das Gehen. Wenn ihr einen Patienten beim Gehen begleitet, geht ihr meist auf seiner schwächeren Seite, etwas seitlich hinter ihm. Er trägt feste, rutschfeste Schuhe, und seine Hilfsmittel wie Rollator oder Brille sind da. Und auch das Hochnehmen und Hinlegen eines Säuglings zählt zur Mobilisation. Dabei stützt ihr immer den Kopf und den Nacken.

Frau WeberBeim Einsatz von Hilfsmitteln, zum Beispiel einem Lifter, einem Rollstuhl oder einem Rollator, müsst ihr mehrere Dinge beachten. Erstens die Regeln für Medizinprodukte. Früher galt hier das Medizinproduktegesetz. Es wurde zweitausendeinundzwanzig durch das Medizinprodukterecht-Durchführungsgesetz ersetzt. Wichtig für euch ist vor allem die Betreiberverordnung für Medizinprodukte. Sie besagt, dass ihr ein Gerät nur benutzen dürft, wenn ihr darin eingewiesen seid, und dass ihr es vor der Benutzung auf seinen Zustand prüft.

Frau WeberZweitens die Sicherheit des Patienten, drittens eure eigene Arbeitssicherheit und viertens die Unfallverhütung. Konkret heißt das: Bremsen feststellen, das Bett auf Arbeitshöhe bringen, damit ihr rückenschonend arbeiten könnt, und nach der Tätigkeit die Ausgangsposition wiederherstellen, also zum Beispiel das Bett wieder tief stellen und die Klingel in Reichweite legen.

Frau WeberKommen wir zu den Prophylaxen. Eine Prophylaxe ist eine vorbeugende Maßnahme. Es gibt eine ganze Reihe, die in der Akutpflege, in der ambulanten Pflege und in der stationären Langzeitpflege wichtig sind: Dekubitusprophylaxe, Prophylaxe der Bettlägerigkeit, Prophylaxe der Mangelernährung, Pneumonieprophylaxe, Thromboseprophylaxe, Kontrakturenprophylaxe, Obstipationsprophylaxe, Soor- und Parotitisprophylaxe, Deprivationsprophylaxe und Sturzprophylaxe. Die meisten davon haben viel mit Bewegung zu tun.

Frau WeberBeginnen wir mit der Kontraktur. Eine Kontraktur ist eine dauerhafte Bewegungseinschränkung eines Gelenks. Sie entsteht, weil sich Muskeln, Sehnen, Bänder oder die Gelenkkapsel verkürzen. Das Gelenk lässt sich dann nicht mehr voll bewegen, es kann sich verformen, und es setzt einer passiven Dehnung einen erhöhten Widerstand entgegen. Die Folgen sind Funktionsstörungen an Armen und Beinen. Ein bekanntes Beispiel ist der Spitzfuß.

LenaUnd wer ist besonders gefährdet?

Frau WeberDie Gefahr steigt, sobald sich der gewohnte Bewegungsradius eines Menschen verkleinert und die Muskeln abbauen. Weitere Risikofaktoren sind eine fehlende oder falsche Positionierung, Schmerzen mit Schonhaltungen und Medikamente, die ruhigstellen. Was hilft? Ein möglichst normaler Tagesablauf mit verschiedenen Positionen und Aktivitäten. Den Menschen so aktivieren, dass er möglichst viel selbst übernimmt. Auf Schmerzen und Schonhaltungen achten, damit die Schmerztherapie, wenn nötig, vom Arzt angepasst werden kann. Und bei Menschen mit einer Halbseitenlähmung immer auf eine korrekte Positionierung achten. Dazu kommen Bewegungsübungen, am besten solche, die Alltagsbewegungen nachahmen, zum Beispiel die Bewegung des Kämmens. Das oberste Gebot heißt: Bewegung!

Frau WeberJetzt zur Thrombose. Eine Thrombose ist ein Blutgerinnsel, ein sogenannter Thrombus, im Inneren eines Blutgefäßes. Betroffen sein können Arterien und Venen. Bei den Venen sind besonders die Becken- und die tiefen Beinvenen betroffen. Man spricht dann von einer tiefen Beinvenenthrombose. Seltener sind Thrombosen im Arm- und Schulterbereich. Die größte Gefahr ist, dass sich ein Teil des Gerinnsels löst und in die Lunge wandert. Das nennt man Lungenembolie.

Frau WeberWarum entsteht eine Thrombose? Das erklärt die Virchow-Trias. Sie nennt drei Faktoren. Erstens der Kreislauffaktor: Das Blut fließt langsamer, zum Beispiel bei Bettruhe. Zweitens der Wandfaktor: Die Gefäßwand ist geschädigt, zum Beispiel durch eine Operation oder eine Verletzung. Und drittens der Blutfaktor: Das Blut gerinnt leichter, zum Beispiel bei Flüssigkeitsmangel, bei manchen Medikamenten oder bei bestimmten Krankheiten. Um das Thromboserisiko einzuschätzen, gibt es zum Beispiel die Frowein-Skala. Über die Thromboseprophylaxe mit Medikamenten entscheidet der Arzt.

Frau WeberWelche Maßnahmen gibt es? Frühes Aufstehen nach Operationen, die sogenannte Frühmobilisation, ist die wichtigste Maßnahme. Dazu kommen aktive und passive Bewegungsübungen, zum Beispiel Fußkreisen, Füße anziehen und strecken. Ausreichend trinken, damit das Blut nicht eindickt. Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe, wenn sie angeordnet sind. Aber Achtung: Bei einer arteriellen Durchblutungsstörung der Beine dürfen sie nicht angezogen werden. Und blutgerinnungshemmende Medikamente, die sogenannten Antikoagulanzien, nach ärztlicher Anordnung, zum Beispiel Heparin als Spritze unter die Haut. Umgangssprachlich sagt man oft „Blutverdünner“, aber sie verdünnen das Blut nicht wirklich, sondern hemmen die Gerinnung.

Frau WeberUnd ein Punkt, den ihr euch merken solltet: Die Beine nicht ausstreichen. Denn wenn schon ein Gerinnsel da ist, könnte es sich dadurch lösen.

Frau WeberKommen wir zum Sturz. Die Definition stammt aus dem Expertenstandard Sturzprophylaxe des D N Q P: Ein Sturz ist ein Ereignis, bei dem eine Person unbeabsichtigt auf dem Boden oder auf einer tieferen Ebene aufkommt. Der Mensch muss dabei nicht unbedingt liegen. Er kann auch sitzen oder hocken. Auch wenn jemand zum Beispiel vom Bett auf den Stuhl rutscht, ist das ein Sturz.

Frau WeberDie Risikofaktoren teilt man in drei Gruppen ein. Die erste Gruppe sind personenbezogene Risikofaktoren. Dazu gehören Gang- und Gleichgewichtsstörungen, Gefühlsstörungen oder Lähmungen, ein Unterzucker, Herzrhythmusstörungen, Epilepsie, Depression, Demenz und Delir, Probleme mit der Kontinenz, vor allem mit dem Urin, Sehstörungen und die Angst vor einem Sturz oder ein früherer Sturz.

Frau WeberDie zweite Gruppe sind medikamentenbezogene Risikofaktoren. Dazu gehören die Einnahme vieler Medikamente gleichzeitig, das nennt man Polypharmazie, Medikamente, die auf die Psyche wirken, wie Schlaf- und Beruhigungsmittel, und blutdrucksenkende Medikamente. Die dritte Gruppe sind umgebungsbezogene Risikofaktoren: Gefahren in der Umgebung, falsches Schuhwerk, neue oder kurzfristige Veränderungen der Umgebung und freiheitsentziehende Maßnahmen.

LenaFreiheitsentziehende Maßnahmen? Ich dachte, ein Bettgitter schützt vor Stürzen.

Frau WeberDas denken viele, Lena. Aber es ist ein Irrtum. Ein Bettgitter verhindert Stürze nicht zuverlässig. Viele Menschen, besonders mit Demenz, versuchen trotzdem aufzustehen und klettern über das Gitter. Dann fallen sie aus größerer Höhe und verletzen sich schwerer. Außerdem ist ein Bettgitter bei Erwachsenen eine freiheitsentziehende Maßnahme. Sie braucht die Einwilligung des Menschen, oder, wenn er nicht selbst entscheiden kann, eine Genehmigung durch das Betreuungsgericht. Besser sind Alternativen wie ein Niederflurbett, eine Matte vor dem Bett oder ein Sensor, der meldet, wenn der Mensch aufsteht.

Frau WeberWelche Maßnahmen helfen bei der Sturzprophylaxe? Dazu gehören: ein Training für Aufmerksamkeit und Gleichgewicht, ausreichend trinken und Bewegungsabläufe möglichst immer gleich durchführen, damit der Mensch Sicherheit bekommt. Dazu kommt Orientierung, zum Beispiel durch Erklärungen, Haltegriffe und Bilder an den Türen. Ein Kontinenztraining hilft, weil viele Stürze auf dem eiligen Weg zur Toilette passieren. Achtet darauf, dass Hilfsmittel wie Brille und Hörgerät funktionieren. Entfernt Stolperfallen wie Kabel, Geräte und Teppiche. Leitet die Menschen im Umgang mit Hüftprotektoren an, das sind Polster, die bei einem Sturz die Hüfte schützen. Und achtet auf geeignete Kleidung und gut sitzende, rutschfeste Schuhe.

Frau WeberJetzt noch kurz zu den weiteren Prophylaxen. Die Dekubitusprophylaxe: Ein Dekubitus ist ein Druckgeschwür. Er entsteht durch Druck oder durch Scherkräfte, wenn die Haut über dem Gewebe verschoben wird, oft über Knochenvorsprüngen wie dem Kreuzbein oder den Fersen. Entscheidend sind die Stärke und die Dauer des Drucks. Vorbeugend wirken vor allem die Förderung der Eigenbewegung, regelmäßige Positionswechsel, druckverteilende Hilfsmittel und eine tägliche Hautinspektion. Auch hier gibt es einen Expertenstandard des D N Q P. Das Risiko schätzt ihr ein, zum Beispiel mit der Braden-Skala und vor allem mit eurer fachlichen Beobachtung.

Frau WeberDie Prophylaxe der Bettlägerigkeit: Bettlägerigkeit entsteht meistens nicht plötzlich, sondern schleichend. Die Pflegewissenschaftlerin Angelika Zegelin hat beschrieben, dass sie oft über Stufen verläuft: Zuerst wird der Mensch unsicher auf den Beinen. Dann kommt ein Ereignis, zum Beispiel ein Sturz oder ein Krankenhausaufenthalt. Danach bewegt er sich nur noch im Zimmer, später sitzt er fast nur noch auf einem Platz, und am Ende liegt er im Bett. Wer diese Stufen kennt, kann früh gegensteuern, indem er den Menschen jeden Tag bewegt und ihm Gründe gibt aufzustehen.

Frau WeberDie Soor- und Parotitisprophylaxe: Soor ist eine Pilzinfektion der Mundschleimhaut, eine Parotitis ist eine Entzündung der Ohrspeicheldrüse. Beides entsteht leichter, wenn jemand wenig isst, wenig kaut und wenig trinkt und der Mund trocken ist. Vorbeugend wirken eine regelmäßige Mundinspektion, eine gute Mundpflege, ausreichend Flüssigkeit und das Anregen des Kauens, zum Beispiel mit Brotrinde oder Kaugummi, wenn das möglich ist.

Frau WeberDie Deprivationsprophylaxe: Deprivation heißt, dass ein Mensch zu wenig Reize und zu wenig Kontakt bekommt, zum Beispiel wenn er lange allein im Bett liegt. Die Folgen können Rückzug, Orientierungsstörungen und Verwirrtheit sein. Vorbeugend wirken Gespräche, Kontakte zu anderen Menschen, Beschäftigung, ein Blick aus dem Fenster, Musik, eine Tagesstruktur und natürlich Bewegung.

Frau WeberUnd zum Schluss die Assessmentinstrumente. Ein Assessmentinstrument ist ein Hilfsmittel, mit dem man ein Risiko oder eine Fähigkeit strukturiert einschätzt, zum Beispiel eine Skala. Beispiele sind die Braden-Skala für das Dekubitusrisiko oder Tests, bei denen man beobachtet, wie ein Mensch aufsteht, geht und sich wieder setzt. Wichtig ist: Ein Assessmentinstrument ersetzt nie eure fachliche Einschätzung. Es unterstützt sie nur.

Frau WeberWir sind am Ende der Stunde. Hier die wichtigsten Punkte. Mobilität heißt, sicher dorthin zu kommen, wo man hin will. Bewegung beobachtet ihr mit acht Kriterien: Körperhaltung, Gangbild, Gleichgewicht, Beweglichkeit, Kraft, Muskeltonus, Koordination und auffällige Bewegungen. Und ihr beobachtet mit mehreren Sinnen: hören, sehen und spüren. Immobilität schadet fast allen Organsystemen. Deshalb ist eine frühe, individuelle Mobilisation so wichtig.

Frau WeberMan spricht heute lieber von Positionierung als von Lagerung. En bloc heißt: Rumpf und Becken als Ganzes, ohne Verdrehen, nicht in einem Schwung. Vor dem Aufstehen achtet ihr auf den Kreislauf. Bei Hilfsmitteln gilt: nur nach Einweisung, Bremsen fest, Bett auf Arbeitshöhe, danach Ausgangsposition. Die Virchow-Trias erklärt die Thrombose: langsamer Blutfluss, geschädigte Gefäßwand, erhöhte Gerinnung. Gerinnungshemmende Medikamente gibt es nur nach ärztlicher Anordnung. Ein Bettgitter ist keine Sturzprophylaxe, sondern eine freiheitsentziehende Maßnahme. Und das oberste Gebot bei fast allen Prophylaxen lautet: Bewegung!

LenaDanke! Jetzt weiß ich, warum Bewegung so wichtig ist.

Frau WeberSehr gut, Lena. Und euch allen: Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal!

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