Anatomie, Physiologie und Krankheitslehre des Atmungssystems

Anatomie, Physiologie und Krankheitslehre des Atmungssystems: kostenloses Lern-Audio (34 Min.) für die Pflegeausbildung – als Gespräch zwischen Lehrkraft und Azubis, mit vollständigem Transkript.

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Transkript

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Frau WeberHallo und herzlich willkommen! Ich bin Frau Weber, und bei mir ist Lena, eine Auszubildende. Heute geht es um das Atmungssystem: um den Aufbau von der Nase bis zu den Lungenbläschen, um die Atemmechanik und den Gasaustausch und um wichtige Erkrankungen wie Lungenentzündung, Bronchitis und Mukoviszidose. Ein kurzer Hinweis vorab: Dieser Podcast ist Teil eurer Ausbildung und ersetzt keine ärztliche Anordnung.

LenaHallo! Das ist ja ein großes Thema. Wo fangen wir an?

Frau WeberWir folgen einfach dem Weg der Luft. Die Organe des Atmungssystems verteilen sich auf drei Bereiche. Im Kopf liegen die Nase, die Nasenhöhlen und der Rachen. Am Hals liegen der Kehlkopf und der obere Teil der Luftröhre. Und in der Brusthöhle liegen der untere Teil der Luftröhre, die Bronchien, die kleinen Bronchiolen und die Lunge.

Frau WeberMan unterscheidet außerdem die oberen und die unteren Atemwege. Zu den oberen Atemwegen gehören die Nase mit den Nasennebenhöhlen und der Rachen. Zu den unteren Atemwegen gehören die Luftröhre, die Bronchien und die Bronchiolen. Der Kehlkopf liegt an der Grenze. In vielen Lehrbüchern zählt er zu den unteren Atemwegen, manche rechnen ihn noch zu den oberen.

Frau WeberBeginnen wir mit der Nase. Die Nase hat die Aufgabe, die Atemluft zu erwärmen, anzufeuchten und zu reinigen und dann in Richtung Rachen weiterzuleiten. Das ist sehr wichtig. Denn wenn wir durch den Mund atmen, kommt die Luft kalt, trocken und ungefiltert in die Lunge. Außerdem liegt in der Nase das Riechorgan, und die Nase beeinflusst den Klang unserer Stimme, zum Beispiel bei den Lauten m und n.

Frau WeberZum Aufbau: Der Teil der Nase, der aus dem Gesicht herausragt, ist die äußere Nase. Ihr Gerüst besteht nur im oberen Teil aus Knochen, der Rest ist Knorpel. Dahinter liegt die innere Nase. Ihr größter Teil ist die Nasenhöhle. Sie wird durch die Nasenscheidewand, das Septum, in eine linke und eine rechte Hälfte geteilt. Nach unten wird die Nasenhöhle durch den Gaumen von der Mundhöhle getrennt. Und nach hinten steht sie über zwei große Öffnungen, die Choanen, mit dem Rachen in Verbindung.

Frau WeberDas Dach der Nasenhöhle wird von mehreren Schädelknochen gebildet. Dabei ist die Nasenhöhle nur durch eine sehr dünne Knochenplatte, die Siebbeinplatte, von der Schädelhöhle und damit vom Gehirn getrennt. Das ist zum Beispiel wichtig, wenn man eine Magensonde durch die Nase legt. Bei Verletzungen des Schädels kann diese Platte brechen.

Frau WeberDie Nasenhöhle ist mit den Nasennebenhöhlen verbunden. Das sind luftgefüllte Hohlräume in den Schädelknochen. Sie sind nach den Knochen benannt, in denen sie liegen: die Kieferhöhle, die Stirnhöhle, die Siebbeinzellen und die Keilbeinhöhle. Bei einer Entzündung kann die Nasenschleimhaut so stark anschwellen, dass die Öffnungen der Nasennebenhöhlen verschlossen werden. Dann kann das Sekret nicht mehr abfließen, und es sammelt sich in den Nebenhöhlen. Wenn sich darin Erreger vermehren, entsteht eine Nasennebenhöhlenentzündung, die Sinusitis.

LenaUnd der Tränen-Nasen-Gang? Was hat der mit der Atmung zu tun?

Frau WeberDer Tränen-Nasen-Gang verbindet das Auge mit der Nase. Die Tränenflüssigkeit fließt vom inneren Augenwinkel über diesen Gang in die Nasenhöhle ab. Deshalb läuft uns die Nase, wenn wir weinen. Und deshalb schmeckt man manchmal Augentropfen im Rachen.

Frau WeberWeiter zum Rachen, der Fachbegriff heißt Pharynx. Der Rachen ist die gemeinsame Strecke von Atemluft und Nahrung. Er leitet die Luft aus Nase und Mund in die Luftröhre und die Nahrung aus dem Mund in die Speiseröhre. Außerdem spielt er eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr, denn hier liegen die Mandeln, die Tonsillen. Der Rachen ist ein etwa zwölf bis fünfzehn Zentimeter langer Muskelschlauch. Er reicht von der Schädelbasis bis zu den Eingängen von Kehlkopf und Speiseröhre.

Frau WeberMan teilt den Rachen in drei Abschnitte. Oben liegt der Nasenrachen, Nasopharynx genannt. Er ist über die Choanen mit der Nasenhöhle verbunden und über die Ohrtrompete mit dem Mittelohr. Deshalb können sich Infekte aus dem Rachen bis ins Ohr ausbreiten, besonders bei Kindern. In der Mitte liegt der Mundrachen, der Oropharynx. Er ist mit der Mundhöhle verbunden. Und unten liegt der Kehlkopfrachen, der Laryngopharynx. Er grenzt an den Kehlkopf und die Speiseröhre.

Frau WeberDurch den Nasenrachen strömt nur Luft. Deshalb ist er mit einer Schleimhaut ausgekleidet, die Flimmerhärchen und schleimbildende Zellen hat. Durch den Mund- und Kehlkopfrachen läuft auch die Nahrung. Deshalb sind sie mit einer stabileren Schleimhaut ausgekleidet, dem unverhornten Plattenepithel, die mechanische Belastungen besser aushält.

Frau WeberIm Rachen wird auch der Würgreflex ausgelöst. Das ist ein Schutzreflex. Er soll verhindern, dass Fremdkörper oder zu große Bissen verschluckt werden oder in die Atemwege geraten. Ausgelöst wird er durch Berührung des Zungengrunds, des weichen Gaumens und vor allem der Gaumenbögen und der hinteren Rachenwand. Bei manchen Untersuchungen, zum Beispiel bei einer Magenspiegelung, wird der Rachen deshalb mit einem Spray örtlich betäubt. Für euch wichtig: Nach so einer Betäubung darf der Patient erst wieder essen und trinken, wenn die Wirkung nachgelassen hat. Sonst kann er sich verschlucken.

Frau WeberKommen wir zum Kehlkopf, der Larynx. Durch ihn gelangt die Luft vom Rachen in die Luftröhre. Er ist für die Stimmbildung zuständig. Und er verhindert beim Schlucken, dass Nahrung in die unteren Atemwege gelangt. Beim Erwachsenen liegt er etwa auf Höhe des vierten bis sechsten Halswirbels. Oben ist er mit dem Zungenbein verbunden, unten geht er in die Luftröhre über.

Frau WeberDas Gerüst des Kehlkopfs besteht aus vier großen Knorpeln. Der Schildknorpel ist der größte. Beim Mann bildet er den sichtbaren Adamsapfel. Darunter liegt der Ringknorpel. Dann gibt es die beiden Stellknorpel, an denen die Stimmbänder befestigt sind. Und der vierte ist der Kehldeckel, die Epiglottis. Er hat die Form eines Löffels.

Frau WeberIm Inneren des Kehlkopfs gibt es Schleimhautfalten. In den Stimmfalten verlaufen die Stimmbänder und der Stimmmuskel. Die Stimmbänder sind zwischen den Stellknorpeln und der Innenseite des Schildknorpels gespannt. Der Spalt zwischen ihnen heißt Stimmritze. Vorne sind die Stimmbänder fest, hinten können sie durch die Stellknorpel bewegt werden. So verändert sich die Spannung, und es entstehen unterschiedliche Töne. Das ist die Stimmbildung.

Frau WeberDer Kehlkopf hat außerdem eine Schutzfunktion. Beim Atmen steht der Kehldeckel aufrecht, und die Luft strömt in die Luftröhre. Beim Schlucken klappt er nach hinten, legt sich über den Kehlkopfeingang und dichtet ihn ab. So gelangt die Nahrung in die Speiseröhre und nicht in die Luftröhre.

LenaUnd der Hustenreflex, wie funktioniert der?

Frau WeberDer Hustenreflex ist ein unwillkürlicher Schutzreflex. Er befreit die Atemwege von Fremdkörpern, Schleim und anderen Reizen. Die Rezeptoren für den Hustenreiz liegen in der Schleimhaut der Atemwege, vor allem im Kehlkopf, in der Luftröhre und in den größeren Bronchien. Der Reiz wird über den Nervus vagus, einen Hirnnerv, zum Hustenzentrum im verlängerten Mark, der Medulla oblongata, geleitet. Beim Husten wird zuerst tief eingeatmet, dann schließt sich die Stimmritze, und der Druck in der Lunge steigt. Dann öffnet sich die Stimmritze plötzlich, und die Luft wird explosionsartig ausgestoßen. Sie reißt Schleim oder Fremdkörper mit. Bei Menschen mit einer Schluckstörung oder nach einem Schlaganfall kann der Hustenreflex abgeschwächt sein. Dann ist die Gefahr groß, dass sie sich verschlucken und eine Lungenentzündung bekommen.

Frau WeberWeiter zur Luftröhre, der Trachea. Damit sie beim Einatmen nicht zusammenfällt, ist ihre Wand vorne und seitlich durch sechzehn bis zwanzig hufeisenförmige Knorpelspangen verstärkt. Die Spangen sind durch Ringbänder verbunden. So kann sich die Luftröhre beim tiefen Einatmen um bis zu fünf Zentimeter verlängern. In der Hinterwand gibt es keinen Knorpel, sondern einen Muskel. Dadurch ist die Hinterwand elastisch, und die Speiseröhre, die direkt dahinter liegt, kann sich beim Schlucken ausdehnen.

Frau WeberDie Luftröhre teilt sich in die beiden Hauptbronchien. Von dort verzweigen sich die Atemwege immer weiter, wie die Äste eines Baumes. Deshalb spricht man vom Bronchialbaum. Die Hauptbronchien bilden den Stamm. In der Lunge teilt sich der linke Hauptbronchus in zwei Lappenbronchien und der rechte in drei. Jeder Lappenbronchus versorgt einen Lungenlappen. Die Lappenbronchien teilen sich in Segmentbronchien, die jeweils ein Lungensegment versorgen. Diese teilen sich noch mehrfach, bis die kleinen Bronchien nur noch ein bis zwei Millimeter dick sind. Dann folgen die Läppchenbronchien, die jeweils ein Lungenläppchen versorgen, und dann die Bronchioli terminales. Sie sind der letzte Teil des luftleitenden Abschnitts.

Frau WeberDanach kommen die Bronchioli respiratorii. Sie bilden den Teil, in dem schon der Gasaustausch beginnt. Sie teilen sich in die Alveolargänge, an denen wie Weintrauben die Lungenbläschen hängen, die Alveolen. In den Alveolen findet der Gasaustausch statt. Die menschliche Lunge enthält dreihundert bis vierhundert Millionen Lungenbläschen, jedes etwa einen Viertelmillimeter groß. Zusammen ergeben sie eine Fläche von bis zu hundertvierzig Quadratmetern. Das ist ungefähr so groß wie eine große Wohnung. Auf dieser riesigen Fläche wird der Sauerstoff ins Blut aufgenommen.

Frau WeberKommen wir zur Lunge selbst, der Pulmo. Ihre Hauptaufgabe ist der Gasaustausch, also die Aufnahme von Sauerstoff und die Abgabe von Kohlendioxid. Außerdem hilft sie, den Säuregehalt des Blutes, den p H-Wert, konstant zu halten. Die Lunge besteht aus einem rechten und einem linken Lungenflügel. Jeder liegt in einer eigenen Brustfellhöhle und sitzt mit seiner breiten Basis auf dem Zwerchfell. Der rechte Lungenflügel hat drei Lappen, der linke zwei. Der linke ist etwas kleiner, weil dort das Herz Platz braucht. An der Innenseite jedes Lungenflügels liegt der Lungenhilus. Dort treten die Hauptbronchien, die Blutgefäße, die Lymphgefäße und die Nerven in die Lunge ein.

Frau WeberDie Lunge ist vom Brustfell umgeben, der Pleura. Die Pleura hat zwei Blätter. Das Lungenfell überzieht die Lunge. Das Rippenfell kleidet die Innenseite des Brustkorbs aus. Zwischen den beiden Blättern liegt ein schmaler Spalt, die Pleurahöhle. Darin sind nur etwa fünf Milliliter Flüssigkeit, und es herrscht ein leichter Unterdruck. Die Flüssigkeit sorgt dafür, dass die Blätter reibungsarm aneinander gleiten, und der Unterdruck sorgt dafür, dass die Lunge den Bewegungen des Brustkorbs folgt. An den Rändern bildet die Pleura Aussackungen, sogenannte Recessus. Das sind Reserveräume, in die sich die Lunge beim tiefen Einatmen ausdehnen kann.

LenaUnd was passiert, wenn Luft in diesen Spalt kommt?

Frau WeberDann spricht man von einem Pneumothorax. Der Unterdruck geht verloren, und die Lunge fällt auf dieser Seite zusammen. Das kann zum Beispiel nach einer Verletzung passieren. Der Patient hat dann plötzlich Atemnot und Schmerzen. Das ist ein Notfall.

Frau WeberKommen wir zur Atemmechanik, also dazu, wie die Luft in die Lunge hinein und wieder heraus kommt. Ein Atemzug besteht aus einer Einatmung und einer Ausatmung. Die Zahl der Atemzüge pro Minute ist die Atemfrequenz. Beim Erwachsenen liegt die Atemfrequenz in Ruhe etwa bei zwölf bis achtzehn Atemzügen pro Minute. Bei Kindern ist sie höher, je nach Alter etwa bei zwanzig bis dreißig. Bei Säuglingen liegt sie bei vierzig bis fünfzig Atemzügen pro Minute.

Frau WeberDer wichtigste Atemmuskel ist das Zwerchfell, das Diaphragma. Es trennt die Brusthöhle von der Bauchhöhle. Am Ende der Ausatmung ist es entspannt und wölbt sich wie eine Kuppel in den Brustraum. Bei der Einatmung zieht es sich zusammen, und die Kuppel flacht ab. Dadurch wird der Brustraum größer. Weil Lungenfell und Rippenfell aneinander haften, muss die Lunge dieser Bewegung folgen und wird gedehnt. Dadurch entsteht in der Lunge ein Unterdruck, und die Luft wird über die Atemwege eingesaugt. Weil sich dabei der Bauch hebt, nennt man das auch Bauchatmung.

Frau WeberWenn die Atmung vertieft werden soll, helfen die äußeren Zwischenrippenmuskeln. Sie ziehen sich zusammen und heben die Rippen leicht an. Dadurch wird der Brustkorb weiter. Das nennt man Brustatmung. Und bei großer Anstrengung, zum Beispiel bei starker Belastung oder bei Atemnot, helfen noch weitere Muskeln am Hals und an den Schultern. Das sind die Atemhilfsmuskeln. Wenn ihr seht, dass ein Patient diese Muskeln einsetzt, ist das ein Zeichen für Atemnot. Deshalb hilft zum Beispiel der Kutschersitz: Wenn der Patient die Arme aufstützt, können die Hilfsmuskeln besser arbeiten.

LenaUnd wie funktioniert die Ausatmung? Zieht sich da ein Muskel zusammen, der die Luft rausdrückt?

Frau WeberDas ist ein häufiges Missverständnis. Die normale Ausatmung in Ruhe ist passiv. Es arbeitet also kein Muskel. Das Lungengewebe enthält viele elastische Fasern, und die Lungenbläschen haben eine hohe Oberflächenspannung. Deshalb hat die Lunge immer die Neigung, sich zusammenzuziehen, wie ein gedehnter Luftballon. Man spricht von den Rückstellkräften der Lunge. Wenn das Zwerchfell und die anderen Atemmuskeln am Ende der Einatmung erschlaffen, überwiegen diese Rückstellkräfte. Die Lunge verkleinert sich, und die Luft strömt hinaus. Das Zwerchfell drückt die Luft also nicht aktiv heraus, sondern es entspannt sich und wird von der Lunge wieder nach oben gezogen.

Frau WeberNur bei einer stärkeren Anstrengung, zum Beispiel beim kräftigen Ausatmen, Husten oder Pusten, wird die Ausatmung aktiv unterstützt. Dann helfen die inneren Zwischenrippenmuskeln, die die Rippen nach unten ziehen, und die Bauchmuskeln. Beim Anspannen der Bauchmuskeln, man sagt Bauchpresse, steigt der Druck im Bauch, und das Zwerchfell wird nach oben gedrückt.

Frau WeberDie Dehnbarkeit der Lunge nennt man übrigens Compliance. Je größer die Compliance, desto leichter lässt sich die Lunge dehnen.

Frau WeberKommen wir zu den Atemvolumina. Das sind die Luftmengen, die beim Atmen in die Lunge hinein und wieder hinaus strömen. Beim ruhigen Atmen atmet ein Erwachsener pro Atemzug etwa einen halben Liter ein und aus. Das nennt man Atemzugvolumen. Wenn er nach einer normalen Einatmung noch so tief wie möglich weiter einatmet, kann er zusätzlich etwa zwei bis drei Liter aufnehmen. Das ist das inspiratorische Reservevolumen. Wenn er nach einer normalen Ausatmung noch so stark wie möglich weiter ausatmet, kann er zusätzlich etwa einen bis eineinhalb Liter herauspressen. Das ist das exspiratorische Reservevolumen.

Frau WeberAlle drei zusammen ergeben die Vitalkapazität, also die größte Luftmenge, die man nach tiefster Einatmung ausatmen kann. Sie liegt beim Erwachsenen meist bei etwa vier bis fünf Litern, abhängig von Größe, Alter und Geschlecht. Aber auch nach stärkster Ausatmung bleibt immer noch etwa ein bis eineinhalb Liter Luft in der Lunge. Das ist das Residualvolumen. Es verhindert, dass die Lungenbläschen zusammenfallen. Vitalkapazität und Residualvolumen zusammen ergeben die Totalkapazität, etwa sechs Liter.

Frau WeberUnd noch ein wichtiger Begriff: der Totraum. Ein Teil der eingeatmeten Luft, etwa hundertfünfzig Milliliter, bleibt in den luftleitenden Atemwegen wie Nase, Luftröhre und Bronchien und kommt gar nicht bis zu den Lungenbläschen. Dort findet kein Gasaustausch statt. Das hat eine wichtige Folge: Wer sehr flach atmet, bewegt oft nur die Luft im Totraum hin und her, und es kommt kaum frische Luft in die Lungenbläschen. Deshalb ist eine tiefe Atmung so wichtig, zum Beispiel bei der Pneumonieprophylaxe.

Frau WeberDie Atemvolumina und die Geschwindigkeit, mit der die Luft durch die Atemwege strömt, misst man mit der Spirometrie. Der Patient atmet dabei durch ein Mundstück in ein Messgerät. Mit der Spirometrie kann man feststellen, ob eine obstruktive Erkrankung vorliegt, also eine Verengung der Atemwege mit erhöhtem Atemwiderstand, wie beim Asthma oder bei der C O P D. Oder eine restriktive Erkrankung, also eine verminderte Dehnbarkeit der Lunge, zum Beispiel bei einer Lungenfibrose.

Frau WeberKommen wir zum Gasaustausch. Unter Atmung versteht man den Austausch der Atemgase Sauerstoff und Kohlendioxid. In der Lunge wird Sauerstoff ins Blut aufgenommen und Kohlendioxid abgegeben. Das nennt man äußere Atmung oder Lungenatmung. Das Blut transportiert den Sauerstoff zu den Körperzellen. Dort wird er verbraucht, und Kohlendioxid entsteht als Abfallprodukt und wird ins Blut abgegeben. Das nennt man innere Atmung oder Zellatmung.

LenaUnd wie kommt der Sauerstoff aus den Lungenbläschen ins Blut?

Frau WeberDurch Diffusion. Die Wand der Lungenbläschen und die Wand der feinen Blutgefäße um sie herum, der Kapillaren, sind extrem dünn. In den Lungenbläschen ist viel Sauerstoff, im Blut, das aus dem Körper kommt, wenig. Deshalb wandert der Sauerstoff von selbst dorthin, wo weniger ist, also ins Blut. Beim Kohlendioxid ist es umgekehrt: Im Blut ist viel, in den Lungenbläschen wenig. Deshalb wandert es aus dem Blut in die Lungenbläschen und wird ausgeatmet. Man sagt, die Gase folgen ihrem Druckgefälle, genauer ihrem Partialdruckgefälle.

Frau WeberUnd wie wird der Sauerstoff im Blut transportiert? Nur ein sehr kleiner Teil, etwa ein bis zwei Prozent, ist im Blut gelöst. Fast der gesamte Sauerstoff wird an den roten Blutfarbstoff gebunden, das Hämoglobin in den roten Blutkörperchen. Deshalb ist es wichtig, dass genug Hämoglobin da ist. Bei einer Blutarmut kann ein Mensch trotz normaler Atmung zu wenig Sauerstoff in seinem Gewebe haben. Wie viel Prozent des Hämoglobins mit Sauerstoff beladen sind, misst ihr mit dem Pulsoxymeter. Das ist die Sauerstoffsättigung. Das Kohlendioxid wird dagegen zum größten Teil in umgewandelter Form im Blutplasma transportiert, als sogenanntes Bicarbonat.

Frau WeberZum Gasaustausch gehört auch der Blutkreislauf. Es gibt zwei Kreisläufe. Im Körperkreislauf pumpt die linke Herzkammer das sauerstoffreiche Blut über die Aorta, die Arterien und die kleinen Arteriolen bis in die Kapillaren. Dort gibt es Sauerstoff und Nährstoffe an das Gewebe ab und nimmt Abfallstoffe auf. Dann fließt es über die Venen und die obere und untere Hohlvene zurück zum rechten Vorhof.

Frau WeberIm Lungenkreislauf pumpt die rechte Herzkammer das sauerstoffarme Blut über den Lungenstamm, den Truncus pulmonalis, und die rechte und linke Lungenarterie zur Lunge. Dort nimmt es an den Lungenbläschen Sauerstoff auf und gibt Kohlendioxid ab. Dann fließt das sauerstoffreiche Blut über die vier Lungenvenen zurück zum linken Vorhof und von dort in die linke Kammer und wieder in den Körperkreislauf. Merkt euch die Besonderheit: Im Lungenkreislauf führen die Arterien sauerstoffarmes und die Venen sauerstoffreiches Blut. Arterien heißen so, weil sie vom Herzen wegführen, nicht weil sie immer sauerstoffreiches Blut haben.

Frau WeberKommen wir zu den Erkrankungen. Ich gebe euch einen Überblick. Beginnen wir mit der Lungenentzündung, der Pneumonie. Das ist eine Entzündung des Lungengewebes. Sie wird meistens durch Bakterien verursacht, am häufigsten durch Pneumokokken, seltener durch Viren oder Pilze. Eine Pneumonie kann auch entstehen, wenn jemand Speichel, Nahrung oder Erbrochenes in die Lunge einatmet. Das nennt man eine Aspirationspneumonie.

Frau WeberRisikofaktoren sind zum Beispiel ein hohes Alter, Bettlägerigkeit, flache Atmung, Schluckstörungen, ein geschwächtes Immunsystem, Rauchen und chronische Lungenerkrankungen. Typische Zeichen sind Fieber, oft mit Schüttelfrost, Husten mit Auswurf, Atemnot, eine schnelle Atmung und Schmerzen beim Atmen. Aber Achtung: Bei alten Menschen verläuft eine Pneumonie oft untypisch. Sie haben manchmal kein Fieber und kaum Husten, sondern sind plötzlich verwirrt, schwach oder essen und trinken nicht mehr. Deshalb müsst ihr bei alten Menschen besonders aufmerksam sein.

Frau WeberMan unterscheidet die Lobärpneumonie und die Bronchopneumonie. Bei der Lobärpneumonie ist ein ganzer Lungenlappen betroffen. Sie beginnt oft plötzlich mit hohem Fieber und Schüttelfrost und wird häufig durch Pneumokokken verursacht. Bei der Bronchopneumonie geht die Entzündung von den Bronchien aus und betrifft mehrere kleine, verstreute Herde. Sie beginnt oft schleichender und betrifft häufig ältere, geschwächte oder bettlägerige Menschen.

Frau WeberBehandelt wird eine bakterielle Pneumonie mit Antibiotika nach ärztlicher Anordnung. Dazu kommen ausreichend Flüssigkeit, Atemtherapie und, wenn nötig, Sauerstoff nach Anordnung. Und die Vorbeugung ist eine Kernaufgabe der Pflege: die Pneumonieprophylaxe mit früher Mobilisation, Atemübungen, atemunterstützenden Positionen, Sekretmanagement und guter Mundpflege. Außerdem gibt es Impfungen, zum Beispiel gegen Pneumokokken für Menschen ab sechzig Jahren und gegen Grippe.

LenaUnd was ist der Unterschied zwischen einer chronischen Bronchitis und einer chronisch obstruktiven Bronchitis?

Frau WeberGute Frage, das verwechseln viele. Bei einer Bronchitis ist die Schleimhaut der Bronchien entzündet. Eine akute Bronchitis ist meist ein Virusinfekt und heilt nach einigen Wochen aus. Von einer chronischen Bronchitis spricht man nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation, wenn ein Mensch an den meisten Tagen mindestens drei Monate lang Husten mit Auswurf hat, und zwar in zwei aufeinanderfolgenden Jahren. Die mit Abstand wichtigste Ursache ist das Rauchen. Weitere Ursachen sind Staub und Schadstoffe, zum Beispiel am Arbeitsplatz.

Frau WeberBei der chronisch obstruktiven Bronchitis kommt zu Husten und Auswurf noch eine dauerhafte Verengung der Atemwege dazu. Obstruktiv heißt verengt. Die Betroffenen haben deshalb zusätzlich Atemnot, zuerst bei Belastung, später auch in Ruhe. Oft hört man beim Ausatmen ein Pfeifen oder Brummen. Die chronisch obstruktive Bronchitis gehört zusammen mit dem Lungenemphysem, bei dem die Lungenbläschen zerstört und überbläht sind, zur C O P D. Das steht für chronisch obstruktive Lungenerkrankung. Die Verengung ist im Gegensatz zum Asthma nicht mehr vollständig rückgängig zu machen. Festgestellt wird sie mit der Spirometrie.

Frau WeberDas Wichtigste bei der Behandlung ist der Rauchstopp. Dazu kommen Medikamente zum Inhalieren, die die Bronchien erweitern, Atemphysiotherapie, körperliches Training, Impfungen und in fortgeschrittenen Stadien eine Sauerstofftherapie nach ärztlicher Anordnung. Pflegerisch sind atemerleichternde Positionen wie der Kutschersitz, die Lippenbremse und das richtige Abhusten wichtig.

Frau WeberKommen wir zur Mukoviszidose, auch zystische Fibrose genannt, abgekürzt C F. Das ist eine angeborene Stoffwechselerkrankung. Sie wird autosomal-rezessiv vererbt. Das heißt, ein Kind erkrankt nur, wenn es von beiden Eltern ein verändertes Gen bekommt. Durch einen Gendefekt funktioniert ein bestimmter Kanal in der Wand vieler Körperzellen nicht richtig, der für den Transport von Salz, genauer von Chlorid, zuständig ist. Man nennt ihn C F T R-Kanal. Die Folge ist, dass die Sekrete in vielen Organen zu zäh sind.

Frau WeberIn der Lunge verstopft der zähe Schleim die Bronchien. Es kommt immer wieder zu Infektionen, und die Lunge wird nach und nach geschädigt. In der Bauchspeicheldrüse verstopfen die Ausführungsgänge, und die Verdauungsenzyme gelangen nicht mehr in den Darm. Die Betroffenen können die Nahrung schlecht verwerten und nehmen schlecht zu. Und der Schweiß ist sehr salzig. Darauf beruht auch ein wichtiger Test, der Schweißtest. Heute wird Mukoviszidose in Deutschland schon beim Neugeborenenscreening gesucht.

Frau WeberDie Behandlung ist aufwendig und lebenslang: tägliches Inhalieren, Atemphysiotherapie zur Lösung des Schleims, Verdauungsenzyme zu jeder Mahlzeit, eine sehr kalorienreiche Ernährung und die Behandlung von Infektionen. Seit einigen Jahren gibt es außerdem neue Medikamente, die direkt an dem defekten Kanal ansetzen. Dadurch hat sich die Lebenserwartung von Menschen mit Mukoviszidose deutlich verbessert.

Frau WeberZum Schluss geht es um die Medikamente bei Atemwegserkrankungen. Wichtige Gruppen sind: Medikamente, die die Bronchien erweitern, zum Beispiel die sogenannten Beta-zwei-Sympathomimetika. Es gibt kurz wirksame für den akuten Anfall und lang wirksame für die Dauertherapie. Dann entzündungshemmende Medikamente, vor allem Kortison zum Inhalieren. Dann schleimlösende Mittel. Dann hustenstillende Mittel, die man aber nicht bei einem produktiven Husten mit Auswurf gibt, weil der Schleim sonst in der Lunge bleibt. Dann Antibiotika bei bakteriellen Infektionen. Und Sauerstoff. Alle diese Medikamente gibt es nur nach ärztlicher Anordnung.

Frau WeberViele Medikamente werden inhaliert. Das hat den Vorteil, dass sie direkt in der Lunge wirken und der übrige Körper weniger belastet wird. Aber sie wirken nur, wenn die Technik stimmt. Eure Aufgabe ist es, die Patienten dabei anzuleiten und die Technik zu überprüfen. Nach dem Inhalieren von Kortison sollen die Patienten den Mund ausspülen oder etwas essen, um einer Pilzinfektion im Mund, dem Soor, vorzubeugen.

LenaUnd gibt es Unterschiede zwischen Kindern und alten Menschen?

Frau WeberJa, darauf muss man ausdrücklich hinweisen. Bei Kindern wird die Dosis nicht einfach verkleinert, sondern der Arzt berechnet sie nach dem Körpergewicht oder der Körperoberfläche. Und kleine Kinder können ein Spray oft noch nicht richtig einatmen. Deshalb nutzt man bei ihnen eine Inhalierhilfe, einen sogenannten Spacer, oft mit einer Maske, oder ein Inhaliergerät. Bei alten Menschen ist dagegen oft die Handhabung schwierig. Sie haben vielleicht nicht genug Kraft, um tief genug einzuatmen, oder Probleme mit der Koordination oder mit den Händen. Außerdem nehmen sie oft viele Medikamente gleichzeitig, und Nebenwirkungen treten eher auf. Deshalb ist bei beiden Gruppen eine gute Anleitung und Beobachtung besonders wichtig. Die Auswahl des Medikaments und des Geräts und die Dosis legt immer der Arzt fest.

Frau WeberWir sind am Ende der Stunde. Hier die wichtigsten Punkte zusammengefasst. Die Nase erwärmt, befeuchtet und reinigt die Atemluft. Der Rachen ist die gemeinsame Strecke für Luft und Nahrung. Der Kehlkopf bildet die Stimme und schützt beim Schlucken mit dem Kehldeckel die Luftröhre. Die Luftröhre teilt sich in die Bronchien, die sich bis zu den Lungenbläschen verzweigen. In den Lungenbläschen findet auf einer riesigen Fläche der Gasaustausch statt. Die rechte Lunge hat drei Lappen, die linke zwei.

Frau WeberDer wichtigste Atemmuskel ist das Zwerchfell. Die Einatmung ist aktiv, die Ausatmung in Ruhe passiv durch die Rückstellkräfte der Lunge. Die Atemfrequenz beim Erwachsenen liegt etwa bei zwölf bis achtzehn pro Minute. Der Sauerstoff gelangt durch Diffusion ins Blut und wird fast vollständig am Hämoglobin transportiert. Eine Pneumonie zeigt sich bei alten Menschen oft untypisch. Eine chronische Bronchitis bedeutet Husten mit Auswurf über mindestens drei Monate in zwei aufeinanderfolgenden Jahren, und die wichtigste Ursache ist das Rauchen. Mukoviszidose ist eine angeborene Erkrankung mit zähen Sekreten. Und Medikamente gibt es nur nach ärztlicher Anordnung, wobei ihr bei der Inhalationstechnik anleitet.

LenaDanke, Frau Weber! Das mit der passiven Ausatmung wusste ich wirklich nicht.

Frau WeberDas freut mich, Lena. Und euch allen: Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal!

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