Anatomie und Physiologie des Verdauungstrakts – vom Mund bis zum Enddarm

Anatomie und Physiologie des Verdauungstrakts – vom Mund bis zum Enddarm: kostenloses Lern-Audio (26 Min.) für die Pflegeausbildung – als Gespräch zwischen Lehrkraft und Azubis, mit vollständigem Transkript und passender Übung.

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Frau WeberHallo und herzlich willkommen! Ich bin Frau Weber. Heute begleiten wir unsere Nahrung auf ihrem Weg durch den Körper, vom Mund bis zum Enddarm. Ein kurzer Hinweis vorab: Dieser Podcast ist Teil eurer Ausbildung und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Frau WeberWarum ist das für die Pflege wichtig? Weil ihr jeden Tag mit Essen, Trinken und Ausscheidung zu tun habt: bei der Unterstützung beim Essen, bei Schluckstörungen, bei Verstopfung oder Durchfall, bei Magensonden und bei der Beobachtung des Stuhls. Wer den Aufbau des Verdauungstrakts versteht, versteht auch, was bei Krankheiten passiert.

Frau WeberBeginnen wir mit dem Kopfdarm, also dem ersten Abschnitt des Verdauungstrakts: Mundhöhle, Speicheldrüsen und Rachen. Die Mundhöhle endet nach hinten an der Rachenenge. Das sind die Gaumenbögen mit dem Zäpfchen. Die Mundhöhle dient der Aufnahme der Nahrung, dem Zerkleinern und dem Einspeicheln.

Frau WeberDie Zunge ist ein Muskel, der die Nahrung transportiert und beim Kauen und Saugen hilft. Auf dem Zungenrücken liegen viele kleine Erhebungen, die Papillen. Ein Teil davon dient dem Tastsinn und dem Empfinden von Temperatur und Schmerz. Und ein anderer Teil trägt die Geschmacksknospen. Damit schmecken wir die fünf Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig, bitter und umami. Umami ist der herzhafte Geschmack, den man zum Beispiel von Brühe oder Parmesan kennt.

Frau WeberKommen wir zu den Zähnen. Man unterscheidet das Milchgebiss und das bleibende Gebiss, das Dauergebiss. Das Milchgebiss hat zwanzig Zähne: acht Schneidezähne, vier Eckzähne und acht Milchmahlzähne. Das Dauergebiss hat zweiunddreißig Zähne: acht Schneidezähne zum Abbeißen, vier Eckzähne zum Reißen und Festhalten, acht vordere Backenzähne, die Prämolaren, und zwölf hintere Backenzähne, die Molaren. Die Prämolaren und Molaren dienen dem Kauen und Mahlen. Zu den Molaren gehören auch die Weisheitszähne. Für jede Kieferhälfte gibt es also zwei Schneidezähne, einen Eckzahn, zwei Prämolaren und drei Molaren.

Frau WeberEin Zahn besteht aus der Krone, die über das Zahnfleisch ragt und vom harten Zahnschmelz überzogen ist, aus der Wurzel, die im Kieferknochen steckt und vom Zement überzogen ist, und aus dem Zahnhals dazwischen. Unter Schmelz und Zement liegt das Zahnbein, das Dentin. Und im Inneren liegt die Zahnhöhle mit dem Zahnmark, der Pulpa. Durch den Wurzelkanal ziehen Blutgefäße und Nerven in den Zahn. Deshalb tut es weh, wenn Karies bis zur Pulpa vordringt.

Frau WeberKommen wir zu den Speicheldrüsen. Sie bilden jeden Tag etwa ein bis eineinhalb Liter Speichel. Es gibt viele kleine Speicheldrüsen in der Schleimhaut von Lippen, Wangen, Zunge und Gaumen. Und es gibt drei große, paarige Speicheldrüsen: die Ohrspeicheldrüse, auch Parotis genannt, die Unterkieferspeicheldrüse und die Unterzungenspeicheldrüse. Alle münden in die Mundhöhle.

Frau WeberWas macht der Speichel? Wichtig ist hier: Der Speichel zerkleinert die Nahrung nicht. Das machen die Zähne. Der Speichel macht den zerkauten Bissen gleitfähig, damit er gut geschluckt werden kann. Und er enthält ein Enzym, die Amylase, die schon im Mund beginnt, Kohlenhydrate wie Stärke zu spalten. Deshalb schmeckt Brot süßlich, wenn man es lange kaut. Außerdem schützt der Speichel die Zähne und die Mundschleimhaut und hilft, Keime abzuwehren. Für die Pflege heißt das: Menschen, die wenig kauen, zum Beispiel weil sie über eine Sonde ernährt werden, bilden weniger Speichel. Dann ist das Risiko für Entzündungen der Mundschleimhaut und der Ohrspeicheldrüse erhöht. Deshalb ist eine gute Mundpflege so wichtig.

Frau WeberKommen wir zum Rachen, dem Pharynx. Er ist der gemeinsame Teil von Luftweg und Speiseweg. Er hat drei Abschnitte: oben den Epipharynx, wo die Nasenhöhle mündet, in der Mitte den Mesopharynx, wo die Mundhöhle mündet und sich Luftweg und Speiseweg kreuzen, und unten den Hypopharynx, wo der Kehlkopfeingang und die Speiseröhre beginnen. Am Übergang von der Nase zum Mund liegen die Mandeln, die zum sogenannten lymphatischen Rachenring gehören und der Abwehr dienen.

Frau WeberJetzt zum Schlucken. Weil sich Luftweg und Speiseweg im Rachen kreuzen, muss beim Schlucken genau gesteuert werden, dass die Nahrung nicht in die Luftröhre gelangt. Der Schluckakt beginnt willkürlich: Wir ziehen den Mundboden zusammen und schieben den Bissen mit der Zunge nach hinten zum weichen Gaumen. Sobald der Bissen den hinteren Rachen berührt, läuft der Rest als unwillkürlicher Reflex ab, gesteuert vom Schluckzentrum im verlängerten Mark, der Medulla oblongata. Dabei hebt sich der weiche Gaumen und verschließt den Weg zur Nase. Das Zungenbein und der Kehlkopf werden angehoben, und der Kehldeckel verschließt den Kehlkopfeingang. Für einen kurzen Moment hören wir also auf zu atmen. Dann wird der Bissen in die Speiseröhre weitergeleitet.

Frau WeberWarum ist das für euch wichtig? Bei vielen Menschen ist dieser Ablauf gestört, zum Beispiel nach einem Schlaganfall, bei Parkinson oder bei Demenz. Man spricht dann von einer Schluckstörung, der Dysphagie. Dann kann Nahrung oder Flüssigkeit in die Luftröhre gelangen. Das nennt man Aspiration, und die Folge kann eine Lungenentzündung sein. Deshalb achtet ihr beim Essen auf eine aufrechte Sitzhaltung und darauf, ob jemand hustet, sich räuspert oder eine gurgelnde Stimme bekommt.

Frau WeberWeiter zur Speiseröhre, dem Ösophagus. Sie ist beim Erwachsenen etwa fünfundzwanzig bis dreißig Zentimeter lang. Im Brustkorb verläuft sie hinter der Luftröhre und vor der Wirbelsäule. Unten tritt sie durch eine Öffnung im Zwerchfell und mündet direkt danach in den Magen. Man teilt sie in einen kurzen Halsteil, einen Brustteil und einen sehr kurzen Bauchteil.

Frau WeberDie Speiseröhre transportiert den Bissen durch wellenförmige Muskelbewegungen in den Magen. Das nennt man Peristaltik. Deshalb kann man sogar im Kopfstand schlucken. Im oberen Drittel besteht die Muskulatur aus quergestreiften Muskeln wie im Rachen, in den unteren zwei Dritteln aus glatter Muskulatur, die unwillkürlich arbeitet.

Frau WeberDie Speiseröhre hat drei natürliche Engstellen. Die oberste Enge liegt auf Höhe des Ringknorpels am Kehlkopf. Sie ist die engste Stelle, mit einem Durchmesser von nur etwa vierzehn Millimetern. Die mittlere Enge entsteht dort, wo der Aortenbogen an der Speiseröhre vorbeiläuft. Und die untere Enge liegt beim Durchtritt durch das Zwerchfell. Welche Bedeutung haben diese Engstellen? Dort können größere Bissen stecken bleiben und starke Schmerzen verursachen. Und die Engstellen sind bevorzugte Orte für die Entstehung von Speiseröhrenkrebs.

Frau WeberVon den Engstellen muss man den Rückfluss von Magensaft unterscheiden, den Reflux. Er entsteht nicht an den Engstellen, sondern am unteren Ende der Speiseröhre, am Übergang zum Magen. Dort gibt es einen Verschlussmechanismus, der verhindert, dass der saure Magensaft zurück in die Speiseröhre fließt. Wenn dieser Verschluss gestört ist, fließt Magensaft zurück und schädigt die Schleimhaut der Speiseröhre. Das Hauptsymptom ist das Sodbrennen, also ein brennender Schmerz hinter dem Brustbein. Sodbrennen ist also ein Symptom, und der Reflux ist die Ursache dafür. Hält der Reflux lange an, kann sich die Schleimhaut am unteren Ende der Speiseröhre verändern, und das Risiko für eine bösartige Entartung steigt.

Frau WeberDie Wand der Speiseröhre hat die Schichten, die man im ganzen Magen-Darm-Trakt findet. Innen liegt die Schleimhaut, die Mukosa. Darauf folgt eine lockere Bindegewebsschicht mit Blut- und Lymphgefäßen, die Submukosa. Dann die Muskelschicht, die Muskularis, mit einer inneren Ringmuskelschicht und einer äußeren Längsmuskelschicht. Und außen eine Bindegewebsschicht, die die Speiseröhre in ihrer Umgebung verankert. Merkt euch diese Schichten, denn sie kommen immer wieder vor.

Frau WeberKommen wir zum Magen. Er liegt im linken Oberbauch direkt unter dem Zwerchfell, zwischen der Speiseröhre und dem Zwölffingerdarm. Er fasst etwa zwölfhundert bis sechzehnhundert Milliliter. Man unterscheidet den Mageneingang, die Kardia, den Magengrund, den Fundus, der wie eine Kuppel nach oben ragt, den Magenkörper, den Magenausgang und den Magenpförtner, den Pylorus. Der Pylorus ist ein kräftiger ringförmiger Schließmuskel zwischen Magen und Zwölffingerdarm. Im Magengrund sammelt sich oft verschluckte Luft. Die sieht man im Röntgenbild als sogenannte Magenblase.

Frau WeberWas macht der Magen? Er zerkleinert und verflüssigt die Nahrung chemisch mit dem Magensaft und mechanisch durch Knetbewegungen. Dann gibt er den Speisebrei, den Chymus, portionsweise in den Dünndarm ab. Wie lange die Nahrung im Magen bleibt, ist unterschiedlich, etwa ein bis fünf Stunden. Fettes Essen bleibt länger im Magen als zum Beispiel Suppe.

Frau WeberDer Magensaft ist stark sauer, mit einem p H-Wert von etwa eins Komma fünf bis zwei. Der Magen bildet davon zwei bis drei Liter am Tag. Der Magensaft besteht vor allem aus Wasser, Schleim, Salzsäure und einem eiweißspaltenden Enzym, dem Pepsin. Pepsin wird zuerst als Vorstufe gebildet, als Pepsinogen, und erst durch die Salzsäure aktiviert.

Frau WeberDie Salzsäure hat mehrere Aufgaben. Sie aktiviert das Pepsin. Sie lässt die Eiweiße in der Nahrung aufquellen, sodass das Pepsin sie besser spalten kann. Und sie tötet einen großen Teil der Bakterien ab, die wir mit der Nahrung aufnehmen. Warum verdaut sich der Magen dann nicht selbst? Weil die Zellen der Magenschleimhaut einen zähen Schleim bilden, der die Oberfläche schützt.

Frau WeberDie Magenschleimhaut hat längs verlaufende Falten. Darauf liegen viele kleine Grübchen, in die die Magendrüsen münden. In diesen Drüsen gibt es verschiedene Zellen. Die Nebenzellen bilden den schützenden Schleim. Die Hauptzellen bilden das Pepsinogen. Und die Belegzellen bilden die Salzsäure. Die Belegzellen bilden außerdem noch einen besonderen Stoff, den Intrinsic Factor. Er ist nötig, damit der Körper im unteren Dünndarm Vitamin B zwölf aufnehmen kann. Wenn einem Menschen der Magen entfernt wurde, kann er deshalb einen Vitamin-B-zwölf-Mangel bekommen und braucht das Vitamin dann regelmäßig als Spritze.

Frau WeberWie wird die Bildung des Magensafts gesteuert? Es gibt drei Phasen. In der ersten, der nervösen Phase, wird die Bildung schon durch Sinneseindrücke angeregt, also wenn wir Essen sehen, riechen oder schmecken. Das läuft über den Nervus vagus. Das Wasser läuft uns also nicht nur im Mund zusammen, sondern auch im Magen. In der zweiten, der gastrischen Phase, regt die Nahrung im Magen selbst die Bildung an, vor allem über ein Hormon namens Gastrin. Und in der dritten, der intestinalen Phase, beeinflusst der Zwölffingerdarm die Bildung. Er kann sie über Hormone hemmen, zum Beispiel über das Sekretin, und so dafür sorgen, dass nicht zu viel saurer Speisebrei auf einmal ankommt.

Frau WeberEine Besonderheit des Magens ist seine Muskulatur. Während der übrige Magen-Darm-Trakt zwei Muskelschichten hat, hat der Magen drei: zusätzlich zur Ring- und Längsmuskelschicht noch eine innere, schräg verlaufende Schicht. Sie ermöglicht die kräftigen Knetbewegungen. Bei gefülltem Magen laufen etwa alle drei Minuten Muskelwellen vom Magengrund zum Pförtner.

Frau WeberKommen wir zum Dünndarm. Er beginnt hinter dem Magenpförtner und endet an der Einmündung in den Dickdarm. Er ist je nach Spannung seiner Muskeln etwa drei bis fünf Meter lang. Im Dünndarm findet die eigentliche Verdauung statt, und hier werden die meisten Nährstoffe ins Blut aufgenommen. Das nennt man Resorption.

Frau WeberDer Dünndarm hat drei Abschnitte. Der erste ist der Zwölffingerdarm, das Duodenum. Er ist etwa fünfundzwanzig bis dreißig Zentimeter lang, das sind ungefähr zwölf Fingerbreiten, daher der Name. Er hat die Form eines C und umschließt den Kopf der Bauchspeicheldrüse. In ihn münden der Gallengang und der Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse, oft gemeinsam auf einer kleinen Erhebung. Danach folgen der Leerdarm, das Jejunum, und der Krummdarm, das Ileum. Sie gehen ohne scharfe Grenze ineinander über und sind über ein Aufhängeband, das Mesenterium, an der hinteren Bauchwand befestigt. Durch dieses Band laufen die Blutgefäße und Nerven zum Darm.

Frau WeberIm Dünndarm werden die Nährstoffe mithilfe der Enzyme aus der Bauchspeicheldrüse in ihre kleinsten Bausteine zerlegt. Kohlenhydrate werden zu einfachen Zuckern, Eiweiße zu Aminosäuren und Fette zu Fettsäuren und Glycerin. Für die Verdauung der Fette ist außerdem die Galle nötig. Die Gallensäuren zerteilen das Fett in winzige Tröpfchen, sodass die Enzyme es besser spalten können. Man nennt das emulgieren, so wie Spülmittel das Fett in der Pfanne in kleine Tröpfchen zerteilt.

Frau WeberDie Muskulatur des Dünndarms sorgt für zwei Arten von Bewegungen. Durch Pendel- und Segmentationsbewegungen wird der Darminhalt durchmischt. Und durch peristaltische Wellen wird er weitertransportiert. Diese Wellen werden ausgelöst, wenn die Darmwand durch den Inhalt gedehnt wird.

Frau WeberDamit möglichst viele Nährstoffe aufgenommen werden können, hat die Dünndarmschleimhaut eine riesige Oberfläche. Sie wird dreifach vergrößert. Erstens durch etwa sechshundert ringförmige Falten, die bis zu einen Zentimeter in das Darminnere ragen. Zweitens durch Millionen winzige, fingerförmige Ausstülpungen, die Zotten. Und drittens durch noch viel kleinere Ausstülpungen auf den einzelnen Zellen, die Mikrovilli. So entsteht eine Oberfläche von vielen Dutzend Quadratmetern. Wenn diese Oberfläche geschädigt ist, zum Beispiel bei einer Zöliakie, also einer Unverträglichkeit von Gluten, kann der Körper die Nährstoffe nicht mehr richtig aufnehmen.

Frau WeberKommen wir zum Dickdarm. Er umrahmt den Dünndarm wie ein Bilderrahmen und ist etwa eineinhalb Meter lang. Im Dickdarm werden vor allem Wasser und Salze aus dem Darminhalt zurückgewonnen. So wird aus dem flüssigen Speisebrei nach und nach fester Stuhl. Deshalb führen Störungen im Dickdarm oft zu Durchfall oder Verstopfung.

Frau WeberDer Dünndarm mündet rechts unten in den Dickdarm. Der Anfang des Dickdarms ist ein blind endender Sack, der Blinddarm, das Zäkum. An ihm hängt der etwa acht Zentimeter lange Wurmfortsatz, die Appendix. Er hat eine wichtige Funktion für die Abwehr im Darm. Wenn er sich entzündet, spricht man umgangssprachlich von einer Blinddarmentzündung, eigentlich ist es aber eine Entzündung des Wurmfortsatzes. Ein typischer Schmerzpunkt dabei ist der sogenannte McBurney-Punkt im rechten Unterbauch.

Frau WeberDann folgt der Grimmdarm, das Kolon. Er beginnt auf der rechten Seite als aufsteigender Teil, biegt unter der Leber nach links um, verläuft als querer Teil nach links, biegt an der linken Seite nach unten und verläuft als absteigender Teil an der linken Bauchwand abwärts. Im linken Unterbauch geht er in einen S-förmigen Abschnitt über, das Sigma. Daran schließt sich der etwa fünfzehn Zentimeter lange Mastdarm an, das Rektum, der am After endet.

Frau WeberVon außen erkennt man den Dickdarm an drei Merkmalen: an drei Längsmuskelstreifen, den Tänien, an Aussackungen der Darmwand, den Haustren, und an kleinen Fettanhängseln. Die Schleimhaut des Dickdarms hat keine Zotten, aber tiefe Einsenkungen mit vielen schleimbildenden Zellen, den Becherzellen. Der Schleim bildet eine dicke Schicht, die den Darm schützt und den Stuhl gleitfähig macht.

Frau WeberIn dieser Schleimschicht und im Dickdarm leben unzählige Bakterien. Die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die im und auf dem Körper leben, nennt man Mikrobiom. Der größte Teil davon lebt im Dickdarm. Zusammen wiegen die Darmbakterien etwa ein bis zwei Kilogramm, und es sind Hunderte verschiedener Arten. Oft liest man, dass es deutlich mehr Bakterien als Körperzellen gibt. Nach neueren Berechnungen sind es ungefähr gleich viele. Aber so oder so: Es sind gewaltige Zahlen, und die Zusammensetzung ist bei jedem Menschen so einmalig wie ein Fingerabdruck.

Frau WeberDie Darmbakterien haben viele Aufgaben. Eine der wichtigsten ist, die pflanzlichen Ballaststoffe aus unserer Nahrung aufzuschließen. Dabei bilden sie kurzkettige Fettsäuren, die den Dickdarmzellen als Energiequelle dienen. Eine abwechslungsreiche, ballaststoffreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkorn fördert eine große Vielfalt an Bakterien. Eine ballaststoffarme Ernährung verringert die Vielfalt dagegen stark. Eine ballaststoffreiche Ernährung ist mit einem geringeren Risiko für Krankheiten wie die koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Diabetes Typ zwei und Dickdarmkrebs verbunden.

Frau WeberDas neugeborene Kind bekommt seine ersten Darmbakterien bei der Geburt von der Mutter. Kinder, die per Kaiserschnitt geboren werden, haben am Anfang eine andere Bakterienbesiedlung. Es gibt dazu eine Methode, bei der dem Neugeborenen nach dem Kaiserschnitt Scheidensekret der Mutter in den Mund gestrichen wird, das sogenannte Vaginal Seeding. Diese Methode ist aber umstritten, weil dabei auch Krankheitserreger übertragen werden können, und viele Fachgesellschaften empfehlen sie deshalb nicht routinemäßig.

Frau WeberUnd ein wichtiger Hinweis: Antibiotika sollten nur eingesetzt werden, wenn sie wirklich nötig sind. Denn sie greifen nicht nur die krankmachenden Bakterien an, sondern auch die nützlichen Darmbakterien. Deshalb bekommen viele Menschen unter einer Antibiotikatherapie Durchfall.

Frau WeberWie bewegt sich der Dickdarm? Es gibt Mischbewegungen, die den Inhalt durchmischen, und wenige kräftige Transportbewegungen am Tag, die den Inhalt in Richtung Mastdarm schieben. Oft passiert das nach dem Essen oder nach dem Aufstehen. Wenn sich der untere Teil des Mastdarms, die Ampulle, mit Stuhl füllt, spüren wir den Stuhldrang. Die Ampulle liegt etwa acht Zentimeter über dem After. Für die Pflege ist das wichtig: Viele Menschen haben morgens nach dem Frühstück Stuhldrang. Wenn man ihnen dann die Gelegenheit gibt, auf die Toilette zu gehen, kann das einer Verstopfung vorbeugen.

Frau WeberKommen wir zum Verschluss des Afters. Daran sind drei Muskeln beteiligt. Erstens ein innerer Schließmuskel aus glatter Muskulatur, der unwillkürlich arbeitet. Zweitens ein äußerer Schließmuskel aus quergestreifter Muskulatur, den wir willkürlich anspannen können. Und drittens ein Muskel des Beckenbodens, der wie eine Schlinge um den Mastdarm zieht. Er ist der wichtigste Muskel für den Verschluss. Wenn er verletzt ist, zum Beispiel bei einer schweren Geburt, kommt es besonders leicht zu einer Stuhlinkontinenz. Dazu kommt ein Gefäßpolster im Analkanal, das den Verschluss abdichtet. Wenn es krankhaft vergrößert ist, spricht man von Hämorrhoiden.

Frau WeberZum Schluss noch ein Wort zur Bauchfellhöhle. Die Bauchhöhle ist innen von einer dünnen Haut ausgekleidet, dem Bauchfell, dem Peritoneum. Es hat zwei Blätter: Eines kleidet die Bauchwand aus, das andere überzieht die Organe. Dazwischen liegt ein schmaler Spalt mit etwas Flüssigkeit, damit die Organe reibungsarm gleiten können. Organe, die in der Bauchfellhöhle liegen und vom Bauchfell überzogen sind, nennt man intraperitoneal. Dazu gehören zum Beispiel der Magen, die Leber, der Dünndarm, der Blinddarm mit dem Wurmfortsatz, der quere Dickdarm und das Sigma.

Frau WeberOrgane, die hinter der Bauchfellhöhle liegen, nennt man retroperitoneal. Dazu gehören zum Beispiel die Nieren, die Bauchspeicheldrüse, Teile des Zwölffingerdarms und der aufsteigende und der absteigende Dickdarm. Und Organe, die unterhalb der Bauchfellhöhle im kleinen Becken liegen, nennt man extraperitoneal, zum Beispiel der Mastdarm, die Harnblase, die Gebärmutter und die Prostata. Warum ist das wichtig? Eine Entzündung des Bauchfells, die Peritonitis, ist lebensgefährlich. Sie entsteht zum Beispiel, wenn ein entzündeter Wurmfortsatz durchbricht. Zeichen sind starke Bauchschmerzen und ein bretthart gespannter Bauch. Das ist ein Notfall, den ihr sofort dem Arzt meldet.

Frau WeberWir sind am Ende der Stunde. Hier die wichtigsten Punkte zusammengefasst. In der Mundhöhle wird die Nahrung von den Zähnen zerkleinert und vom Speichel gleitfähig gemacht. Der Speichel beginnt mit der Amylase die Verdauung der Kohlenhydrate. Das Dauergebiss hat zweiunddreißig Zähne, das Milchgebiss zwanzig. Im Rachen kreuzen sich Luft- und Speiseweg, und beim Schlucken verschließt der Kehldeckel den Kehlkopf. Die Speiseröhre ist fünfundzwanzig bis dreißig Zentimeter lang und hat drei Engstellen, an denen Bissen stecken bleiben und Krebs entstehen kann. Reflux entsteht dagegen am unteren Ende der Speiseröhre, und Sodbrennen ist sein Symptom.

Frau WeberDer Magen verflüssigt die Nahrung mit dem sauren Magensaft aus Salzsäure, Pepsin, Schleim und Wasser. Die Belegzellen bilden die Salzsäure und den Intrinsic Factor für die Aufnahme von Vitamin B zwölf. Im Dünndarm werden die Nährstoffe gespalten und über eine riesige Oberfläche aus Falten, Zotten und Mikrovilli aufgenommen. Der Dickdarm entzieht dem Darminhalt Wasser und beherbergt das Mikrobiom, das von einer ballaststoffreichen Ernährung profitiert. Der Verschluss des Afters wird von drei Muskeln und einem Gefäßpolster gesichert. Und die Organe liegen innerhalb, hinter oder unterhalb der Bauchfellhöhle.

Frau WeberVielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal!

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