Sofortmaßnahmen in lebensbedrohlichen Situationen

Sofortmaßnahmen in lebensbedrohlichen Situationen: kostenloses Lern-Audio (35 Min.) für die Pflegeausbildung – als Gespräch zwischen Lehrkraft und Azubis, mit vollständigem Transkript.

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Transkript

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Frau WeberHallo und herzlich willkommen! Ich bin Frau Weber, und heute geht es um ein Thema, das Leben retten kann: Sofortmaßnahmen in lebensbedrohlichen Situationen. Ein kurzer Hinweis vorab: Dieser Podcast ist Teil eurer Ausbildung. Er ersetzt kein praktisches Reanimationstraining und nicht die Standards eurer Einrichtung. Das, was ihr heute hört, müsst ihr unbedingt auch mit den Händen üben.

Frau WeberGrundlage für die heutige Stunde sind die aktuellen Leitlinien zur Wiederbelebung vom Europäischen Rat für Wiederbelebung. Dieser Rat heißt auf Englisch European Resuscitation Council, abgekürzt E R C. Wir gehen Schritt für Schritt vor. Zuerst klären wir, was ein Notfall überhaupt ist. Dann schauen wir, wie ihr euch auf Notfälle vorbereitet. Danach lernen wir die Basismaßnahmen der Wiederbelebung genau kennen. Und zum Schluss geht es um Patienten, die zwar in Gefahr sind, aber noch keine Wiederbelebung brauchen.

Frau WeberFangen wir mit der ersten Frage an: Was ist ein Notfall? Ein Notfall ist eine Situation, in der die lebenswichtigen Funktionen eines Menschen gestört oder bedroht sind. Oder es ist zu befürchten, dass das bald passiert. Diese lebenswichtigen Funktionen nennen wir Vitalfunktionen. Das sind vor allem drei: das Bewusstsein, die Atmung und der Kreislauf, also Herz und Blutgefäße. Bei einem Notfall muss sofort geholfen werden. Sonst drohen schwere Gesundheitsschäden oder der Tod.

Frau WeberMerkt euch: Ein Notfall ist nicht nur der Moment, in dem ein Mensch schon bewusstlos am Boden liegt. Auch ein Patient mit starker Atemnot oder mit plötzlichem Brustschmerz ist ein Notfall. Denn bei ihm sind die Vitalfunktionen bedroht.

Frau WeberJetzt zur Hauptursache. Bei Erwachsenen und bei Kindern sind die Ursachen sehr unterschiedlich. Bei Erwachsenen kommt ein lebensbedrohlicher Notfall meistens vom Herzen. Das Herz gerät zum Beispiel wegen eines Herzinfarkts aus dem Takt. Es entsteht eine gefährliche Herzrhythmusstörung, und das Herz pumpt kein Blut mehr. Man spricht dann vom plötzlichen Herztod.

Frau WeberBei Kindern ist es meistens umgekehrt. Das Herz ist bei Kindern in der Regel gesund. Die Hauptursache ist hier ein Problem mit der Atmung. Das Kind bekommt zu wenig Sauerstoff, zum Beispiel weil es sich verschluckt hat, weil die Atemwege zugeschwollen sind oder wegen einer schweren Atemwegsinfektion. Erst durch den Sauerstoffmangel bleibt dann auch das Herz stehen. Deshalb ist bei Kindern die Beatmung besonders wichtig.

Frau WeberMerkhilfe: Beim Erwachsenen ist meistens das Herz der Auslöser. Beim Kind ist es meistens die Atmung.

Frau WeberNächster Punkt: Woran merkt ihr, dass die Vitalfunktionen ausfallen? Es gibt drei Möglichkeiten, passend zu den drei Vitalfunktionen. Erstens: Bewusstlosigkeit. Der Mensch reagiert nicht, wenn ihr ihn laut ansprecht und an den Schultern rüttelt. Zweitens: Atemstillstand. Der Mensch atmet nicht oder nicht normal. Drittens: Kreislaufstillstand. Das Herz pumpt kein Blut mehr. Es gibt keine Lebenszeichen mehr.

Frau WeberJetzt kommt ein ganz wichtiger Punkt für die Praxis. Wie erkennt ihr einen Kreislaufstillstand? Früher hat man gelernt: Man fühlt den Puls. Heute weiß man: Das Pulstasten ist in der Aufregung sehr unsicher. Auch Profis irren sich oft, und es kostet wertvolle Zeit. Deshalb gilt heute: Reagiert ein Mensch nicht und atmet er nicht normal, dann müsst ihr von einem Kreislaufstillstand ausgehen. Dann beginnt ihr sofort mit der Wiederbelebung. Ihr müsst dafür keinen Puls suchen.

Frau WeberWas heißt „nicht normal atmen“? Damit ist vor allem die sogenannte Schnappatmung gemeint. Das sind einzelne, langsame, schnappende Atemzüge. Sie sehen aus wie ein Luftschnappen, manchmal mit einem Geräusch. Diese Atmung kommt oft in den ersten Minuten nach einem Herzstillstand vor. Sie ist kein Zeichen von Leben, sondern ein Alarmzeichen. Schnappatmung bedeutet: Wiederbelebung starten!

Frau WeberJetzt eine wichtige Frage: Was ist der Unterschied zwischen einem Notfall und einem Todesfall? Das ist eine sehr wichtige Unterscheidung, und hier passieren leicht Denkfehler. Man spricht auch vom klinischen Tod und vom biologischen Tod. Der klinische Tod ist der Stillstand von Atmung und Kreislauf. Er kann in den ersten Minuten noch umkehrbar sein. Der biologische Tod ist endgültig. Ein Mensch ohne Atmung und ohne Kreislauf ist zunächst immer ein Notfall. Er ist nicht automatisch tot. Mit schneller Wiederbelebung kann er vielleicht gerettet werden.

Frau WeberEin Todesfall liegt erst vor, wenn der Tod sicher ist. Den Tod feststellen darf in Deutschland nur ein Arzt oder eine Ärztin, bei der sogenannten Leichenschau. Sicher erkennt man den Tod an den sicheren Todeszeichen. Dazu gehören die Totenflecken, die Totenstarre, die Fäulnis und Verletzungen, die mit dem Leben nicht vereinbar sind. Totenflecken, Totenstarre und Fäulnis treten aber erst nach einiger Zeit auf, Totenflecken zum Beispiel erst nach etwa zwanzig bis dreißig Minuten.

Frau WeberFür euch in der Praxis heißt das: Findet ihr einen Patienten ohne Atmung und ohne Reaktion und es gibt keine sicheren Todeszeichen, dann startet ihr die Wiederbelebung. Es gibt eine wichtige Ausnahme: wenn vorher gemeinsam mit dem Patienten oder seinem Vertreter und dem Arzt festgelegt wurde, dass keine Wiederbelebung gewünscht ist. Das steht dann in der Patientenakte, oft mit einer Abkürzung wie D N R. Wenn ihr unsicher seid, ob so eine Festlegung besteht, beginnt ihr mit der Wiederbelebung. Deshalb ist es so wichtig, dass ihr zu Schichtbeginn wisst, bei welchen Patienten so eine Festlegung besteht.

Frau WeberKommen wir zur Vorbereitung auf den Notfall. Im Klinikalltag versorgt ihr jeden Tag viele Patienten, die mehrere Krankheiten gleichzeitig haben. Das nennt man multimorbide Patienten. Bei ihnen ist ein Notfall jederzeit möglich. Wer vorbereitet ist, handelt im Ernstfall schneller und ruhiger. Dafür gibt es eine Reihe von Fragen, die ihr euch stellen solltet. Ich stelle euch hier sechs Fragen vor, die in der Praxis besonders wichtig sind.

Frau WeberErstens: Wo steht der Notfallwagen oder der Notfallkoffer, und wo ist der Defibrillator? Zweitens: Wie lautet die interne Notrufnummer im Haus, und wer kommt dann? Drittens: Wie funktionieren die Geräte, zum Beispiel die Absaugung, die Sauerstoffversorgung und der Defibrillator? Viertens: Welche Patienten auf meiner Station sind besonders gefährdet? Fünftens: Gibt es bei einem Patienten eine Patientenverfügung oder eine Festlegung zur Wiederbelebung? Und sechstens: Wer macht im Notfall welche Aufgabe? Überlegt euch diese Fragen am besten gleich an eurem ersten Tag auf einer neuen Station. Fragt eure Praxisanleitung danach.

Frau WeberDamit kommen wir zur Notfallausstattung. Auf jeder Normalstation gibt es Notfallmaterial. Es muss an einem gut zugänglichen Platz stehen, den alle kennen. Meistens ist es in einem Notfallwagen oder in einem Notfallkoffer. Was gehört hinein? Ich teile es für euch in Gruppen ein. Die Reihenfolge ist ungefähr wie beim A B C D E-Schema, das ihr später noch kennenlernt.

Frau WeberFür die Atemwege und die Beatmung: ein Beatmungsbeutel mit Masken in verschiedenen Größen, eine Sauerstoffflasche oder ein Sauerstoffanschluss, eine Absaugpumpe mit Absaugkathetern, einfache Atemwegshilfen wie ein Guedel-Tubus, das ist ein gebogenes Röhrchen, das die Zunge vom Rachen fernhält, und Material zur Atemwegssicherung durch den Arzt oder geschultes Personal, zum Beispiel eine Larynxmaske, also eine Maske für den Kehlkopf, oder ein Intubationsbesteck für einen Beatmungsschlauch in die Luftröhre.

Frau WeberFür den Kreislauf: ein Defibrillator oder ein automatisierter externer Defibrillator, kurz A E D, mit passenden Klebeelektroden. Dazu Material für einen venösen Zugang, also Venenverweilkanülen, Stauschlauch, Pflaster, Spritzen und Infusionslösungen. Außerdem die Notfallmedikamente, die der Arzt anordnet, zum Beispiel Adrenalin. Und ein Reanimationsbrett, also eine harte Unterlage für die Herzdruckmassage im Bett.

Frau WeberFür die Überwachung: ein Blutdruckmessgerät, ein Stethoskop, ein Pulsoxymeter für die Sauerstoffsättigung und ein Blutzuckermessgerät. Und natürlich Einmalhandschuhe und Schutzmaterial für euch selbst.

Frau WeberGanz wichtig: Der Notfallwagen muss regelmäßig kontrolliert werden, meistens nach einer Checkliste. Dabei wird geprüft, ob alles da ist, ob Geräte funktionieren, ob Akkus geladen sind und ob Medikamente und Material nicht abgelaufen sind. Nach jedem Einsatz wird der Wagen sofort wieder aufgefüllt. Denn der nächste Notfall kann schon eine Stunde später kommen.

Frau WeberJetzt zu einem Thema, bei dem ihr als Pflegende besonders viel bewirken könnt: die Vorboten eines Notfalls. Die meisten Notfälle kommen nicht aus heiterem Himmel. Oft verschlechtert sich der Zustand eines Patienten schon Stunden vorher. Wer diese Warnzeichen früh erkennt und meldet, kann einen Herzstillstand oft verhindern. Und genau ihr seid diejenigen, die den Patienten am häufigsten sehen.

Frau WeberIch stelle euch hier neun typische Warnzeichen vor, die ihr in der Praxis kennen müsst. Erstens, der Patient atmet deutlich schneller oder viel langsamer als sonst. Zweitens, die Sauerstoffsättigung sinkt. Drittens, der Puls wird sehr schnell oder sehr langsam. Viertens, der Blutdruck fällt stark ab. Fünftens, der Patient wird plötzlich verwirrt, unruhig oder schläfrig. Sechstens, er hat Schmerzen in der Brust. Siebtens, die Haut wird blass, grau oder bläulich, oft mit kaltem Schweiß. Achtens, er scheidet kaum noch Urin aus. Und neuntens, ihr habt das Gefühl: Mit diesem Patienten stimmt etwas nicht. Auch dieses Bauchgefühl solltet ihr ernst nehmen.

Frau WeberBesonders die Atemfrequenz ist ein sehr frühes Warnzeichen. Sie verändert sich oft als Erstes. Deshalb zählt die Atemfrequenz richtig, eine ganze Minute lang, und schätzt sie nicht nur. Viele Kliniken nutzen außerdem Frühwarn-Punktesysteme. Dabei bekommen die gemessenen Vitalwerte Punkte, und ab einer bestimmten Punktzahl muss sofort ein Arzt informiert werden. Fragt auf eurer Station, welches System dort gilt.

Frau WeberUnd merkt euch: Wenn ihr ein Warnzeichen bemerkt, meldet es sofort der zuständigen Pflegefachkraft oder dem Arzt. Lieber einmal zu viel melden als einmal zu wenig.

Frau WeberKommen wir zum Kern der heutigen Stunde: der Wiederbelebung. Der Fachbegriff heißt kardiopulmonale Reanimation. „Kardio“ steht für das Herz, „pulmonal“ für die Lunge, und „Reanimation“ heißt Wiederbelebung. Abgekürzt sagt man oft H L W, das steht für Herz-Lungen-Wiederbelebung.

Frau WeberDie Definition lautet: Die kardiopulmonale Reanimation umfasst alle Maßnahmen, die bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand den Kreislauf und die Atmung ersetzen oder wiederherstellen. Dazu gehören vor allem die Herzdruckmassage, die Beatmung und die Defibrillation, also ein Stromstoß für das Herz.

Frau WeberWarum ist das so eilig? Das Gehirn braucht ständig Sauerstoff. Schon nach wenigen Minuten ohne Kreislauf entstehen Schäden im Gehirn, die nicht mehr heilen. Mit der Herzdruckmassage pumpt ihr von außen Blut durch den Körper. So bekommt das Gehirn wenigstens etwas Sauerstoff, bis das Herz wieder selbst schlägt oder bis das Notfallteam übernimmt.

Frau WeberDie Maßnahmen der Wiederbelebung werden in zwei Stufen unterteilt: B L S und A L S. B L S steht für Basic Life Support. Auf Deutsch: Basismaßnahmen der Reanimation. Das sind die Maßnahmen, die jeder durchführen kann und muss, auch ohne ärztliche Ausbildung: den Stillstand erkennen, Hilfe rufen, Herzdruckmassage, Beatmung und einen A E D einsetzen. Zu den Basismaßnahmen gehört es auch, einen Beatmungsbeutel mit Maske zu benutzen, wenn man darin geschult ist.

Frau WeberA L S steht für Advanced Life Support. Auf Deutsch: erweiterte Maßnahmen der Reanimation. Diese führt das Notfallteam oder der Rettungsdienst durch, also Ärzte und speziell ausgebildetes Personal. Dazu gehören zum Beispiel die Analyse des Herzrhythmus am Monitor, die manuelle Defibrillation, die Sicherung der Atemwege, zum Beispiel durch Intubation, ein venöser Zugang, Notfallmedikamente wie Adrenalin und die Suche nach behandelbaren Ursachen des Herzstillstands.

Frau WeberWichtig für euch: Die erweiterten Maßnahmen bauen auf den Basismaßnahmen auf. Ohne gute Herzdruckmassage nützen auch die besten Medikamente nichts. Deshalb sind die Basismaßnahmen das Fundament.

Frau WeberJetzt gehen wir die Basismaßnahmen Schritt für Schritt durch. Es sind vier Schritte. Schritt eins: den Herz-Kreislauf-Stillstand erkennen. Schritt zwei: Notruf absetzen und einen A E D organisieren. Schritt drei: Herzdruckmassage und Atemspende. Und Schritt vier: Defibrillation.

Frau WeberSchritt eins: Erkennen des Herz-Kreislauf-Stillstandes. Bevor ihr zum Patienten geht, achtet kurz auf eure eigene Sicherheit. Im Krankenhaus ist das meist kein Problem. Draußen, zum Beispiel auf einer Straße, kann das aber sehr wichtig sein.

Frau WeberDann prüft ihr das Bewusstsein. Ihr sprecht den Menschen laut an, zum Beispiel: „Hallo, hören Sie mich?“ Und ihr rüttelt vorsichtig an seinen Schultern. Reagiert er, ist er bei Bewusstsein. Dann schaut ihr nach dem A B C D E-Schema, was ihm fehlt. Das besprechen wir später. Reagiert er nicht, ruft ihr sofort laut um Hilfe, damit Kollegen kommen. Aber ihr bleibt beim Patienten.

Frau WeberDanach prüft ihr die Atmung. Zuerst macht ihr die Atemwege frei. Dazu legt ihr eine Hand auf die Stirn und neigt den Kopf vorsichtig nach hinten. Mit zwei Fingern der anderen Hand hebt ihr das Kinn an. So fällt die Zunge nicht mehr nach hinten in den Rachen. Dann prüft ihr höchstens zehn Sekunden lang, ob der Patient normal atmet. Ihr schaut, ob sich der Brustkorb hebt. Ihr hört am Mund, ob Atemgeräusche da sind. Und ihr fühlt an eurer Wange, ob Luft kommt. Sehen, hören, fühlen.

Frau WeberAtmet der Patient nicht normal, oder seid ihr euch nicht sicher, dann geht ihr von einem Kreislaufstillstand aus. Denkt an die Schnappatmung: Sie zählt als nicht normal. Erfahrene Profis dürfen im Krankenhaus gleichzeitig mit der Atemkontrolle den Puls an der Halsschlagader tasten. Aber auch sie nur maximal zehn Sekunden. Und im Zweifel beginnt man immer mit der Wiederbelebung. Der Puls am Handgelenk ist dafür nicht geeignet.

Frau WeberSchritt zwei: Notruf und A E D organisieren. Außerhalb des Krankenhauses wählt ihr die Notrufnummer eins-eins-zwei. Am besten stellt ihr das Handy auf Lautsprecher. Dann habt ihr die Hände frei, und die Leitstelle kann euch Anweisungen geben. Wenn noch jemand da ist, schickt ihr diese Person los, um einen A E D zu holen. Ist niemand da, setzt ihr selbst den Notruf ab und beginnt sofort mit der Herzdruckmassage.

Frau WeberBeim Notruf solltet ihr ruhig bleiben und euch kurz fassen. Viele kennen die fünf W-Fragen: Wo ist es passiert? Was ist passiert? Wie viele Betroffene gibt es? Welche Verletzungen oder Beschwerden haben sie? Und: Warten auf Rückfragen. Die Leitstellen legen heute besonders Wert auf diese Punkte: Wo ist es passiert, was ist passiert, und gibt es Besonderheiten, zum Beispiel mehrere Verletzte oder beteiligte Kinder. Nennt auch euren Namen und eine Rückrufnummer, wenn ihr danach gefragt werdet. Und ganz wichtig: Nicht einfach auflegen, sondern auf Rückfragen warten. Die Leitstelle beendet das Gespräch.

Frau WeberIm Krankenhaus ist es etwas anders. Dort gibt es eine besondere Regel: Ihr ruft über die interne Notrufnummer des Hauses das Notfall- oder Reanimationsteam. Diese Nummer müsst ihr auswendig kennen, sie steht oft auf den Telefonen. Parallel holt ein Kollege den Notfallwagen mit dem Defibrillator. In Pflegeheimen und in der ambulanten Pflege ruft ihr in der Regel den Rettungsdienst über eins-eins-zwei. Welche Nummer in eurer Einrichtung gilt, steht in den Standards des Hauses.

Frau WeberSchritt drei: Herzdruckmassage und Atemspende. Zuerst zur Herzdruckmassage. Es gibt eine wichtige Voraussetzung: Der Patient muss auf dem Rücken auf einer harten Unterlage liegen. Auf einer weichen Matratze gibt der Körper nach, und die Druckmassage wirkt kaum. Im Bett legt ihr deshalb das Reanimationsbrett unter den Oberkörper, stellt das Bett flach und öffnet bei Wechseldruckmatratzen die Schnellentlüftung für die Reanimation. Der Brustkorb wird freigemacht.

Frau WeberDer Druckpunkt liegt in der Mitte des Brustkorbs. Das ist die untere Hälfte des Brustbeins. Ihr setzt den Ballen einer Hand dort auf. Die zweite Hand legt ihr darauf und verschränkt die Finger. So drückt ihr nur mit dem Handballen und nicht mit den Fingern auf die Rippen.

Frau WeberZur Position des Helfers: Ihr kniet oder steht seitlich neben dem Patienten. Eure Schultern sind senkrecht über dem Druckpunkt. Eure Arme sind gestreckt, die Ellenbogen durchgedrückt. Ihr drückt aus der Hüfte und mit dem Gewicht eures Oberkörpers, nicht aus den Armen. So werdet ihr nicht so schnell müde.

Frau WeberDie Drucktiefe beträgt bei Erwachsenen fünf bis sechs Zentimeter. Das ist ziemlich tief, und viele drücken am Anfang zu vorsichtig. Das Tempo liegt bei hundert bis hundertzwanzig Mal pro Minute. Nach jedem Drücken lasst ihr den Brustkorb wieder ganz nach oben kommen, aber ohne die Hände abzuheben. Nur so kann sich das Herz wieder mit Blut füllen. Und ganz wichtig: Unterbrecht die Herzdruckmassage so selten und so kurz wie möglich.

Frau WeberEin Tipp für das Tempo: Viele denken an ein bekanntes Lied mit einem schnellen Takt, zum Beispiel das Lied „Stayin' Alive“ von den Bee Gees. Übt das Tempo im Kurs mit einer Übungspuppe. Dort bekommt ihr oft eine Rückmeldung, ob Tiefe und Tempo stimmen.

Frau WeberJetzt zur Atemspende. Nach dreißig Kompressionen, also dreißig Mal Drücken, folgen zwei Beatmungen. Man sagt: dreißig zu zwei. Für die Beatmung macht ihr die Atemwege wieder frei: Kopf nach hinten neigen, Kinn anheben. Dann beatmet ihr etwa eine Sekunde lang, so dass sich der Brustkorb sichtbar hebt. Dann lasst ihr die Luft wieder entweichen und beatmet ein zweites Mal. Die Pause für beide Beatmungen soll nicht länger als etwa zehn Sekunden dauern. Danach geht es sofort mit dreißig Kompressionen weiter. Achtung: Das gilt für Erwachsene. Bei Kindern beginnt man mit fünf Beatmungen, und geschulte Helfer drücken dann im Verhältnis fünfzehn zu zwei. Das lernt ihr in einer eigenen Einheit.

Frau WeberIm Krankenhaus beatmet ihr nicht mit dem Mund, sondern mit dem Beatmungsbeutel und einer Maske, wenn ihr darin geschult seid. Außerhalb des Krankenhauses gibt es die Mund-zu-Mund- oder die Mund-zu-Nase-Beatmung. Und wenn ihr als Ersthelfer nicht beatmen könnt oder wollt, dann macht ihr nur die Herzdruckmassage, und zwar ohne Pause. Das ist viel besser als gar nichts zu tun.

Frau WeberWenn mehrere Helfer da sind, wechselt ihr euch etwa alle zwei Minuten bei der Herzdruckmassage ab. Denn die Kraft lässt schnell nach, und dann wird die Massage schlechter. Der Wechsel soll möglichst schnell gehen.

Frau WeberSchritt vier: Defibrillation. Sobald ein A E D da ist, schaltet ihr ihn ein und folgt den Sprachanweisungen des Geräts. Die Herzdruckmassage läuft weiter, während die Elektroden aufgeklebt werden. Während das Gerät den Herzrhythmus analysiert und während des Schocks berührt niemand den Patienten. Die Defibrillation ist ein eigenes Thema und wird ausführlich in einer anderen Lerneinheit behandelt. Hier merkt ihr euch nur: Sie ist der vierte Schritt der Basismaßnahmen, und ein früher Stromstoß kann bei bestimmten Herzrhythmusstörungen das Leben retten.

Frau WeberUnd wie lange macht ihr weiter? Ihr macht so lange weiter, bis das Notfallteam oder der Rettungsdienst übernimmt, bis der Patient eindeutig Lebenszeichen zeigt, also zum Beispiel aufwacht, sich bewegt oder normal atmet, oder bis ihr körperlich nicht mehr könnt.

Frau WeberLasst uns die vier Schritte einmal zusammenfassen, damit ihr sie euch gut merkt. Erstens: Erkennen. Ansprechen, rütteln, um Hilfe rufen, Atemwege freimachen, höchstens zehn Sekunden Atmung prüfen. Zweitens: Notruf. Außerhalb eins-eins-zwei, im Haus die interne Notrufnummer, und einen A E D holen lassen. Drittens: Herzdruckmassage und Beatmung. Mitte des Brustkorbs, fünf bis sechs Zentimeter tief, hundert bis hundertzwanzig Mal pro Minute, dreißig zu zwei. Viertens: Defibrillation mit dem A E D, sobald er da ist.

Frau WeberJetzt kommen wir zum letzten großen Teil: dem Patienten, der keine Wiederbelebung braucht, dem es aber schlecht geht. Man spricht vom nicht reanimationspflichtigen Patienten. Das heißt: Der Patient ist ansprechbar oder atmet normal, aber er zeigt zum Beispiel Atemnot, Brustschmerz oder ist verwirrt. Was macht ihr dann? Hier hilft das A B C D E-Schema.

Frau WeberDas A B C D E-Schema ist eine feste Reihenfolge, um einen Notfallpatienten zu untersuchen und zu versorgen. Es hilft euch, in der Aufregung nichts zu vergessen. Die Grundidee ist: Das, was am schnellsten tödlich ist, wird zuerst behandelt. Ihr untersucht einen Buchstaben nach dem anderen. Wenn ihr ein Problem findet, ergreift ihr sofort die Maßnahmen, für die ihr geschult seid, oder holt Hilfe, bevor ihr zum nächsten Buchstaben geht. Und nach jeder Maßnahme schaut ihr erneut, ob es dem Patienten besser geht. Viele Rettungsdienste und Kliniken arbeiten mit diesem Schema. So sprechen alle die gleiche Sprache.

Frau WeberA steht für Airway, also die Atemwege. Sind die Atemwege frei? Kann der Patient sprechen? Wer normal spricht, hat freie Atemwege. Gibt es Geräusche wie Gurgeln oder Pfeifen? Ist etwas im Mund, zum Beispiel Erbrochenes oder ein Fremdkörper?

Frau WeberB steht für Breathing, also die Atmung. Wie schnell atmet der Patient? Wie tief? Hat er Atemnot? Ist die Haut oder sind die Lippen bläulich? Wie hoch ist die Sauerstoffsättigung? Setzt er die Atemhilfsmuskulatur ein?

Frau WeberC steht für Circulation, also den Kreislauf. Wie ist der Puls? Wie ist der Blutdruck? Ist die Haut blass, kalt oder feucht? Ein einfacher Test ist die Rekapillarisierungszeit: Ihr drückt kurz auf den Fingernagel, bis er weiß wird, und lasst los. Wird er innerhalb von etwa zwei Sekunden wieder rosig, ist das normal. Dauert es länger, ist die Durchblutung schlecht. Und ihr achtet auf Blutungen.

Frau WeberD steht für Disability. Hier geht es um das Nervensystem und das Bewusstsein. Ist der Patient wach, reagiert er nur auf Ansprache, nur auf Schmerz oder gar nicht? Sind die Pupillen gleich groß und reagieren sie auf Licht? Und ganz wichtig: Messt den Blutzucker. Denn ein zu niedriger Blutzucker kann aussehen wie ein Schlaganfall oder eine Verwirrtheit, und er ist gut behandelbar.

Frau WeberE steht für Exposure oder Environment. Damit ist gemeint: den Patienten entkleiden, von Kopf bis Fuß anschauen und die Umgebung beachten. Gibt es Verletzungen, Hautausschläge, Schwellungen? Wie ist die Körpertemperatur? Dabei achtet ihr auf die Würde des Patienten und deckt ihn danach wieder zu, damit er nicht auskühlt.

Frau WeberMerkhilfe: A wie Atemwege, B wie Atmung, C wie Circulation, also Kreislauf, D wie Defizit im Nervensystem, und E wie Entkleiden und Umgebung. Die eigentliche Behandlung, zum Beispiel Medikamente, ordnet der Arzt an. Eure Aufgabe ist es, die Situation richtig einzuschätzen, Hilfe zu holen, zu überwachen und die Maßnahmen durchzuführen, für die ihr geschult seid.

Frau WeberZum Schluss geht es um die Frage: Wie positioniert man einen Patienten, der nicht wiederbelebt werden muss? Das hängt davon ab, was er hat.

Frau WeberErstens: Der Patient ist bewusstlos, atmet aber normal. Dann bringt ihr ihn in die stabile Seitenlage. So kann Speichel oder Erbrochenes aus dem Mund laufen, und die Zunge verlegt die Atemwege nicht. Dabei wird das obere Bein in Hüfte und Knie angewinkelt, damit der Körper nicht zurückrollt. Der Kopf wird leicht überstreckt, und der Mund zeigt nach unten. Ganz wichtig: Holt Hilfe, falls noch nicht geschehen, und kontrolliert die Atmung regelmäßig weiter. Hört der Patient auf, normal zu atmen, dreht ihr ihn auf den Rücken und beginnt mit der Wiederbelebung.

Frau WeberZweitens: Der Patient hat Atemnot und ist wach. Dann lagert ihr den Oberkörper hoch. Viele Patienten mit Atemnot möchten sitzen. Oft hilft es auch, wenn sie die Arme abstützen können. Kommt die Atemnot vom Herzen, zum Beispiel bei einer Herzschwäche mit Wasser in der Lunge, dann gilt die sogenannte Herzbettlagerung: Oberkörper hoch und Beine tief. So kommt weniger Blut zum Herzen zurück, und das Herz wird entlastet. Das macht man aber nur, wenn der Blutdruck nicht zu niedrig ist.

Frau WeberDrittens: Der Patient hat einen Schock durch Flüssigkeitsverlust, zum Beispiel durch eine starke Blutung, und ist ansprechbar. Eine starke Blutung stillt ihr zuerst, zum Beispiel mit Druck auf die Wunde oder einem Druckverband. Dann kann man ihn flach hinlegen und die Beine anheben. So fließt mehr Blut zum Herzen und zum Gehirn. Aber Vorsicht: Bei Atemnot, bei einem Schock, der vom Herzen kommt, und bei Verletzungen an Kopf, Wirbelsäule oder Becken macht man das nicht. Denn dann kann sich der Zustand verschlechtern.

Frau WeberViertens: Hat der Patient Brustschmerzen, zum Beispiel bei Verdacht auf einen Herzinfarkt, dann lagert ihr ihn mit leicht erhöhtem Oberkörper. Er soll sich nicht anstrengen und nicht selbst aufstehen.

Frau WeberUnd bei allen gilt: Bleibt beim Patienten, beruhigt ihn, überwacht ihn weiter nach dem A B C D E-Schema und sorgt dafür, dass ein Arzt kommt.

Frau WeberBevor wir zusammenfassen, macht bitte einen kleinen Selbsttest. Ich stelle eine Frage, ihr überlegt kurz, und dann kommt die Antwort. Frage eins: Was ist bei Erwachsenen die häufigste Ursache für einen lebensbedrohlichen Notfall, und was bei Kindern? … Bei Erwachsenen meistens das Herz, bei Kindern meistens die Atmung.

Frau WeberFrage zwei: Ein Patient reagiert nicht und macht nur einzelne, schnappende Atemzüge. Was bedeutet das? … Das ist Schnappatmung. Sie gilt als nicht normale Atmung. Ihr geht von einem Kreislaufstillstand aus und beginnt sofort mit der Wiederbelebung.

Frau WeberFrage drei: Wie lange prüft ihr die Atmung höchstens? … Höchstens zehn Sekunden.

Frau WeberFrage vier: Wie tief und wie schnell drückt ihr bei der Herzdruckmassage eines Erwachsenen? … Fünf bis sechs Zentimeter tief, hundert bis hundertzwanzig Mal pro Minute.

Frau WeberFrage fünf: In welchem Verhältnis wechseln sich Herzdruckmassage und Beatmung ab? … Dreißig Kompressionen, dann zwei Beatmungen. Dreißig zu zwei.

Frau WeberFrage sechs: Wofür steht A B C D E? … A für die Atemwege, B für die Atmung, C für den Kreislauf, D für das Nervensystem und das Bewusstsein, und E für das Entkleiden und die Umgebung.

Frau WeberFrage sieben: Ein bewusstloser Patient atmet normal. Wie lagert ihr ihn? … In der stabilen Seitenlage, und ihr kontrolliert die Atmung regelmäßig weiter.

Frau WeberFrage acht: Ihr findet einen Patienten ohne Atmung. Es gibt keine sicheren Todeszeichen und keine Festlegung gegen eine Wiederbelebung. Was tut ihr? … Ihr ruft Hilfe und beginnt sofort mit der Wiederbelebung.

Frau WeberWie viele Fragen konntet ihr beantworten? Wenn es noch nicht alle waren, hört euch die entsprechenden Teile gern noch einmal an.

Frau WeberWir sind am Ende der heutigen Stunde. Lasst uns die wichtigsten Punkte noch einmal zusammenfassen. Ein Notfall ist eine Störung oder Bedrohung der Vitalfunktionen Bewusstsein, Atmung und Kreislauf. Bei Erwachsenen ist die Ursache meist das Herz, bei Kindern meist die Atmung.

Frau WeberReagiert ein Mensch nicht und atmet er nicht normal, geht ihr von einem Kreislaufstillstand aus. Auch Schnappatmung ist nicht normal. Ihr müsst dafür keinen Puls tasten. Ohne sichere Todeszeichen und ohne vorherige Festlegung gegen eine Wiederbelebung wird immer reanimiert.

Frau WeberDie Basismaßnahmen haben vier Schritte: Erkennen, Notruf und A E D, Herzdruckmassage mit Beatmung im Verhältnis dreißig zu zwei, und Defibrillation. Bei Patienten, die nicht wiederbelebt werden müssen, hilft euch das A B C D E-Schema. Und die meisten Notfälle haben Vorboten. Wer sie früh erkennt und meldet, rettet Leben.

Frau WeberMein Tipp zum Schluss: Übt die Herzdruckmassage in jedem Reanimationstraining, das euch angeboten wird. Im Ernstfall habt ihr keine Zeit zum Nachdenken. Dann müssen die Hände wissen, was zu tun ist. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal!

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