Pflegeprozess bei der Körperpflege und beim Kleiden
Pflegeprozess bei der Körperpflege und beim Kleiden: kostenloses Lern-Audio (18 Min.) für die Pflegeausbildung – als Gespräch zwischen Lehrkraft und Azubis, mit vollständigem Transkript und passender Übung.
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Transkript
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Frau WeberHallo und herzlich willkommen! Ich bin Frau Weber. Heute geht es darum, wie ihr den Pflegeprozess bei der Körperpflege und beim Kleiden gestaltet. Wir arbeiten dazu mit einer Lernsituation über einen Patienten namens Herr Gratz. Ein kurzer Hinweis vorab: Dieser Podcast ist Teil eurer Ausbildung und ersetzt nicht die Standards eurer Einrichtung und keine ärztliche Anordnung.
Frau WeberIch erzähle ihn euch zuerst. Danach schauen wir uns an, was der Pflegeprozess ist, und wenden ihn Schritt für Schritt auf Herrn Gratz an. Dabei gehen wir auch auf einige wichtige Details ein, die im Fall stecken.
Frau WeberSusanne Divkovic ist seit zehn Monaten in der Ausbildung zur Pflegefachfrau und arbeitet auf einer Station im Krankenhaus. Zusammen mit der Pflegefachkraft Irmi Gall versorgt sie Herrn Gratz. Er ist achtundsechzig Jahre alt und liegt seit drei Tagen im Krankenhaus, wegen einer rheumatischen Erkrankung und einer Entgleisung seines Blutdrucks. Sein zentrales Problem ist, dass er sich nur eingeschränkt und unter Schmerzen bewegen kann. Das wird durch sein Körpergewicht noch verstärkt. Er ist ein Meter dreiundachtzig groß und wiegt hundertvierundfünfzig Kilogramm. Außerdem trägt er auf beiden Ohren ein Hörgerät.
Frau WeberSusanne soll Herrn Gratz bei der Körperpflege unterstützen. Sie weiß schon, dass das manchmal Überzeugungsarbeit braucht. Herr Gratz ist sehr freundlich und gesprächig, aber die Körperpflege ist ihm nicht wichtig. Er nennt sie ein lästiges Übel, für das viel zu viel Aufwand betrieben wird. Oft lehnt er die morgendliche Körperpflege ab und sagt, seine Schwester, die nachmittags zu Besuch kommt, werde ihm helfen. Besonders bei der Reinigung seiner Zahnprothesen lehnt er Hilfe ab.
Frau WeberAn diesem Morgen willigt er nach etwas Überzeugungsarbeit ein. Susanne bereitet das Bad vor und desinfiziert das Waschbecken und die Pflegemittel. Herr Gratz schüttelt den Kopf: „Was Sie immer alles desinfizieren. Das ist doch nicht nötig. Das Bad benutzen doch nur mein Zimmernachbar Rudi und ich.“ Dann setzt er sich auf einen Hocker vor das Waschbecken und zieht sein Oberteil aus. Er sagt: „Das schäumt ja gar nicht! Machen Sie doch mal ordentlich Duschgel rein.“
Frau WeberDann bittet er: „Könnten Sie mir kurz helfen, die Hose auszuziehen, und mal am Steiß nachsehen, ob da was ist? Das tut irgendwie weh.“ Susanne wechselt ihre Handschuhe, bittet ihn aufzustehen und zieht die Hose etwas nach unten. Die Haut an dieser Stelle ist stark gerötet und wund. Susanne sagt: „Herr Gratz, ich fürchte, hier ist ein Dekubitus entstanden. Wissen Sie, was das ist?“ Herr Gratz antwortet: „Nein, aber am besten cremen Sie es gut ein und machen einfach ein Pflaster drauf. Dann ist die Haut ein bisschen geschützt. Und eine Salbe zur Wundheilung kann ja nicht schaden, oder?“
Frau WeberVielleicht fragt ihr euch jetzt: Darf Susanne einfach eincremen und ein Pflaster draufmachen? Nein, und genau darauf kommen wir gleich ausführlich. Aber zuerst zum Pflegeprozess. Der Pflegeprozess ist eine Methode, mit der Pflegende ihre Arbeit planen, durchführen und überprüfen. Er ist ein Kreislauf. Ein bekanntes Modell mit sechs Schritten stammt von Verena Fiechter und Martha Meier. Erstens: Informationen sammeln. Zweitens: Pflegeprobleme und Ressourcen erkennen. Drittens: Pflegeziele festlegen. Viertens: Pflegemaßnahmen planen. Fünftens: die Maßnahmen durchführen. Und sechstens: die Wirkung der Pflege beurteilen, man sagt auch evaluieren. Danach beginnt der Kreislauf von vorne, wenn nötig mit angepassten Zielen und Maßnahmen.
Frau WeberWenden wir das auf Herrn Gratz an. Schritt eins: Informationen sammeln. Was wissen wir über ihn? Er ist achtundsechzig Jahre alt. Er hat eine rheumatische Erkrankung mit schmerzhaft eingeschränkter Beweglichkeit und einen entgleisten Blutdruck. Er ist ein Meter dreiundachtzig groß und wiegt hundertvierundfünfzig Kilogramm. Daraus kann man den Body-Mass-Index berechnen, kurz B M I: Das Gewicht geteilt durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat. Das ergibt etwa sechsundvierzig. Ab einem B M I von dreißig spricht man von Adipositas, ab vierzig von einer Adipositas dritten Grades. Er trägt zwei Hörgeräte. Die Körperpflege ist ihm nicht wichtig, und er lehnt Hilfe oft ab, besonders bei der Zahnprothese. Seine Schwester besucht ihn regelmäßig. Und er hat Schmerzen am Steiß, wo die Haut gerötet und wund ist.
Frau WeberSchritt zwei: Pflegeprobleme und Ressourcen erkennen. Welche Probleme seht ihr? Erstens: Herr Gratz kann sich wegen seiner Schmerzen und seines Gewichts nur eingeschränkt selbst waschen und kleiden. Besonders schwer erreichbar sind wahrscheinlich die Füße, der Rücken und der Intimbereich. Zweitens: Er hat einen Dekubitus am Steiß, also ein Druckgeschwür. Drittens: Wegen seines Gewichts hat er viele Hautfalten, zum Beispiel am Bauch und unter den Achseln. Dort kann sich Feuchtigkeit sammeln, und die Haut kann wund werden. Das nennt man Intertrigo. Viertens: Er hat wenig Interesse an Körperpflege und lehnt Hilfe oft ab. Fünftens: Er hört schlecht und ist auf seine Hörgeräte angewiesen. Und sechstens: Sein Blutdruck ist nicht stabil, was zum Beispiel beim Aufstehen oder bei warmem Wasser Probleme machen kann.
Frau WeberUnd was sind seine Ressourcen? Ressourcen sind die Fähigkeiten und Stärken, die ein Mensch hat und die man nutzen kann. Herr Gratz hat einige. Er ist freundlich und gesprächig, man kann also gut mit ihm reden. Er kann zum Waschbecken gehen, auf einem Hocker sitzen und aufstehen. Er kann sein Oberteil selbst ausziehen. Er meldet selbst, dass ihm etwas weh tut, und fragt nach, ob da etwas ist. Und er hat eine Schwester, die ihn regelmäßig besucht und ihm helfen möchte.
Frau WeberSchritt drei: Pflegeziele festlegen. Ziele sollen konkret, überprüfbar und am besten gemeinsam mit dem Patienten formuliert sein. Beispiele für Herrn Gratz: Herr Gratz führt die Körperpflege am Oberkörper selbstständig am Waschbecken durch und nimmt Unterstützung bei Rücken, Füßen und Intimbereich an. Seine Haut in den Hautfalten ist trocken und intakt. Der Dekubitus am Steiß heilt ab und vergrößert sich nicht, und es entstehen keine weiteren Druckgeschwüre. Und Herr Gratz kennt die Ursachen eines Dekubitus und weiß, wie er selbst vorbeugen kann.
Frau WeberSchritt vier und fünf: Maßnahmen planen und durchführen. Beginnen wir mit dem wichtigsten Punkt, dem Dekubitus. Was hätte Susanne tun sollen? Erstens: nicht einfach eincremen und ein Pflaster draufkleben. Das kann schaden, denn ein normales Pflaster kann die Haut beim Abziehen weiter verletzen, und eine beliebige Creme oder Salbe gehört nicht auf eine offene Wunde. Außerdem würde man damit die eigentliche Ursache gar nicht behandeln.
Frau WeberZweitens: Die eigentliche Ursache eines Dekubitus ist Druck, oft zusammen mit Scherkräften, also wenn die Haut über dem Gewebe verschoben wird, zum Beispiel beim Herunterrutschen im Bett. Entscheidend ist, wie stark und wie lange der Druck wirkt. Das Wichtigste ist deshalb die Druckentlastung. Herr Gratz darf nicht mehr lange auf dieser Stelle liegen oder sitzen. Er braucht regelmäßige Positionswechsel und eventuell eine spezielle Matratze, die den Druck verteilt. Und er sollte sich so viel wie möglich selbst bewegen.
Frau WeberDrittens: Susanne muss ihre Beobachtung sofort an die verantwortliche Pflegefachkraft Irmi Gall weitergeben. Der Dekubitus muss fachlich eingeschätzt werden. Man teilt ihn in Kategorien ein. Bei Kategorie eins ist die Haut noch intakt, aber es gibt eine Rötung, die beim Drücken mit dem Finger nicht weiß wird. Das prüft man mit dem sogenannten Fingertest. Bei Kategorie zwei ist die obere Hautschicht schon verletzt, es gibt zum Beispiel eine offene, flache Wunde oder eine Blase. Bei den Kategorien drei und vier reicht die Wunde tiefer, bis in das Unterhautgewebe oder bis auf Muskeln und Knochen. Bei Herrn Gratz ist die Haut gerötet und wund. Das spricht mindestens für einen Dekubitus der Kategorie zwei.
Frau WeberViertens: Die Wunde wird fachgerecht dokumentiert, mit Lage, Größe und Aussehen, und der Arzt wird informiert. Die Wundversorgung erfolgt nach dem Standard des Hauses und nach ärztlicher Anordnung, zum Beispiel mit einer geeigneten Wundauflage. Und fünftens: Für die Dekubitusprophylaxe gibt es einen Expertenstandard des D N Q P. Dort ist genau beschrieben, wie man das Risiko einschätzt und vorbeugt. Und dann muss man sich natürlich fragen: Warum ist dieser Dekubitus überhaupt entstanden? Das ist ein wichtiger Anlass, im Team die Prophylaxe zu überprüfen.
Frau WeberUnd wie erklärt ihr Herrn Gratz, was ein Dekubitus ist? Einfach und verständlich. Zum Beispiel: „Ein Dekubitus ist eine Wunde, die entsteht, wenn lange Druck auf eine Stelle wirkt. Dann wird die Haut nicht mehr gut durchblutet und geht kaputt. Deshalb ist es wichtig, dass Sie nicht zu lange auf derselben Stelle liegen oder sitzen und dass wir den Druck wegnehmen. Eine Creme allein hilft leider nicht.“ So versteht er, warum die Maßnahmen wichtig sind, und macht vielleicht besser mit. Das nennt man Beratung und Anleitung.
Frau WeberKommen wir zur Körperpflege. Weil Herr Gratz vieles selbst kann, sollte er auch vieles selbst machen. Das ist aktivierende Pflege. Er wäscht sich zum Beispiel selbst Gesicht, Arme und Oberkörper am Waschbecken. Susanne unterstützt ihn dort, wo er nicht hinkommt, zum Beispiel am Rücken, an den Beinen, an den Füßen und bei Bedarf im Intimbereich. Bei den Hautfalten ist gründliches Abtrocknen besonders wichtig. Man kann die Falten zum Beispiel mit einer Kompresse oder einem Stück Baumwollstoff trennen, damit keine feuchte Kammer entsteht. Das ist Intertrigoprophylaxe.
Frau WeberUnd dann der Kommentar zum Duschgel. Herr Gratz möchte, dass es ordentlich schäumt. Hier kann Susanne ihn freundlich beraten. Viel Schaum heißt nicht sauberer. Zu viel Waschmittel trocknet die Haut aus und kann sie reizen, besonders bei älteren Menschen und in den Hautfalten. Deshalb nimmt man nur wenig, am besten ein hautfreundliches, hautneutrales Mittel, und spült gründlich nach. Susanne könnte also sagen: „Wenig Duschgel ist besser für Ihre Haut. Die wird sonst trocken und kann jucken.“
Frau WeberAuch die Desinfektion des Waschbeckens war richtig. Im Krankenhaus gibt es viele Keime, und Patienten haben oft ein geschwächtes Immunsystem. Susanne kann Herrn Gratz das kurz erklären: „Im Krankenhaus gibt es mehr Keime als zu Hause, und die Desinfektion schützt Sie und Ihren Zimmernachbarn.“ So versteht er es besser, als wenn sie einfach weitermacht.
Frau WeberUnd was ist mit seinen Hörgeräten? Das wird oft vergessen. Wenn ihr mit Herrn Gratz sprecht, müssen seine Hörgeräte drin sein, sonst versteht er euch nicht richtig. Sprecht ihn von vorne an, deutlich und nicht zu schnell, und schaut ihn dabei an. Beim Waschen des Gesichts, beim Haarewaschen oder beim Duschen nehmt ihr die Hörgeräte aber vorher heraus, denn sie dürfen nicht nass werden. Legt sie an einen sicheren Ort, zum Beispiel in ihre Dose, damit sie nicht verloren gehen, und setzt sie danach wieder ein. Kontrolliert auch, ob die Batterien funktionieren. Denkt daran: Während die Hörgeräte draußen sind, hört er euch schlecht. Erklärt deshalb vorher, was ihr tun werdet.
Frau WeberUnd sein Blutdruck? Weil sein Blutdruck nicht stabil ist, achtet ihr beim Aufstehen darauf, dass ihm nicht schwindlig wird. Lasst ihn langsam aufstehen, und fragt nach, wie es ihm geht. Beim Sitzen auf dem Hocker ist er sicherer als im Stehen. Wegen seines Gewichts und seiner Schmerzen sollte auch der Hocker stabil genug sein, und ihr nutzt, wenn nötig, geeignete Hilfsmittel. Und denkt an euren eigenen Rücken, arbeitet rückenschonend und holt euch, wenn nötig, eine Kollegin dazu.
Frau WeberKommen wir zu seiner Ablehnung. Herr Gratz lehnt die Körperpflege oft ab und will lieber, dass ihm seine Schwester am Nachmittag hilft. Was macht ihr damit? Zuerst gilt: Herr Gratz entscheidet selbst über seine Körperpflege. Ihr dürft ihn nicht zwingen. Ihr könnt aber versuchen, die Gründe zu verstehen. Vielleicht hat er morgens besonders starke Schmerzen, vielleicht ist es ihm unangenehm, wenn eine junge Pflegerin ihn wäscht, oder er ist einfach andere Gewohnheiten gewohnt. Dann kann man nach Lösungen suchen, zum Beispiel die Körperpflege zu einem anderen Zeitpunkt machen, wenn die Schmerzmittel wirken, oder die Schwester nach Absprache einbeziehen.
Frau WeberBei den Zahnprothesen ist es ähnlich. Herr Gratz möchte sie selbst reinigen. Das ist sein gutes Recht, und es ist sogar eine Ressource, wenn er es selbst kann. Ihr könnt ihm die Materialien bereitlegen und ihm erklären, warum die tägliche Reinigung wichtig ist: Sonst können sich Beläge, Pilzinfektionen und Druckstellen im Mund bilden. Und ihr achtet unauffällig darauf, ob die Prothesen sauber sind und ob die Mundschleimhaut gesund aussieht.
Frau WeberSchritt sechs: die Evaluation. Nach einigen Tagen überprüft ihr, ob die Ziele erreicht sind. Heilt der Dekubitus? Ist die Haut in den Falten intakt? Macht Herr Gratz bei der Körperpflege mit? Kennt er die Ursachen eines Dekubitus? Wenn ein Ziel nicht erreicht ist, passt ihr die Ziele oder die Maßnahmen an. Dann beginnt der Kreislauf von vorne. Und alles, was ihr beobachtet und tut, wird dokumentiert.
Frau WeberWir sind am Ende der Stunde. Hier die wichtigsten Punkte zusammengefasst. Der Pflegeprozess hat sechs Schritte: Informationen sammeln, Probleme und Ressourcen erkennen, Ziele festlegen, Maßnahmen planen, durchführen und evaluieren. Bei Herrn Gratz sind die Probleme die eingeschränkte Beweglichkeit, die Adipositas mit Hautfalten, der Dekubitus, die Schwerhörigkeit und die geringe Bereitschaft zur Körperpflege. Seine Ressourcen sind seine Freundlichkeit, seine Selbstständigkeit am Waschbecken und seine Schwester.
Frau WeberEin Dekubitus entsteht durch Druck und Scherkräfte. Er wird nicht einfach eingecremt und mit einem Pflaster beklebt. Das Wichtigste ist die Druckentlastung. Die Beobachtung wird sofort der Pflegefachkraft gemeldet, der Dekubitus wird eingeschätzt, dokumentiert und nach Standard und ärztlicher Anordnung versorgt. Bei der Körperpflege gilt: so viel wie möglich selbst machen lassen, Hautfalten gut trocknen, wenig und hautfreundliches Waschmittel. Hörgeräte sind beim Sprechen drin und beim Waschen draußen. Und die Ablehnung eines Patienten wird respektiert, aber man sucht gemeinsam nach Lösungen und erklärt, warum etwas wichtig ist.
Frau WeberGenau dafür üben wir solche Fälle. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal!
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- Die Audios sind KI-gestützt erstellte Lerngespräche mit KI-generierten Stimmen – Lehrkraft und Auszubildende sind fiktiv.
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- Namen und Fallbeispiele sind erfunden; Ähnlichkeiten mit realen Personen sind zufällig.
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