Medikamente subkutan verabreichen

Medikamente subkutan verabreichen: kostenloses Lern-Audio (27 Min.) für die Pflegeausbildung – als Gespräch zwischen Lehrkraft und Azubis, mit vollständigem Transkript und passender Übung.

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Transkript

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Frau WeberHallo und herzlich willkommen! Ich bin Frau Weber. Heute lernt ihr, wie man Medikamente subkutan verabreicht, also unter die Haut spritzt. Das ist eine der Tätigkeiten, die ihr in der Praxis sehr oft machen werdet, zum Beispiel beim Heparin zur Thromboseprophylaxe oder beim Insulin. Ein kurzer Hinweis vorab: Dieser Podcast ist Teil eurer Ausbildung. Er ersetzt nicht das praktische Üben unter Anleitung und nicht die Standards eurer Einrichtung.

Frau WeberWir gehen so vor: Zuerst klären wir die rechtliche Seite. Dann definieren wir, was eine Injektion ist, und schauen uns die Injektionsarten, die Vorteile und die Risiken an. Danach geht es um die Vorbereitung: die sechs R, die Spritzen und Kanülen und das Aufziehen aus verschiedenen Ampullen. Dann kommen Hygiene und Arbeitsschutz. Und zum Schluss die Durchführung der subkutanen Injektion Schritt für Schritt, die Dokumentation und der Umgang mit Fehlern.

Frau WeberFangen wir mit Recht und Ethik an. Eine Injektion ist ein Eingriff in den Körper. Deshalb gilt: Jede Injektion muss von einem Arzt oder einer Ärztin angeordnet werden. Die Durchführung kann bei einem Teil der Injektionen an Pflegende übertragen werden. Das nennt man Delegation. Die subkutane Injektion gehört zu den Tätigkeiten, die typischerweise an Pflegefachpersonen delegiert werden.

Frau WeberBei der Delegation ist die Verantwortung geteilt. Der Arzt haftet für die Anordnung und für die Kontrolle. Die Pflegekraft haftet für die richtige Durchführung. Man spricht von Anordnungsverantwortung und Durchführungsverantwortung.

Frau WeberEine Delegation ist nur dann rechtmäßig, wenn fünf Voraussetzungen erfüllt sind. Erstens: Die Tätigkeit darf überhaupt delegiert werden. Das nennt man Delegationszulässigkeit. Zweitens: Es gibt eine ärztliche Anordnung, am besten schriftlich. Drittens: Die Pflegekraft ist bereit und fachlich in der Lage, die Tätigkeit auszuführen. Viertens: Die Delegation ist arbeitsrechtlich zulässig, sie gehört also zu den Aufgaben, die im Arbeitsvertrag und in den Regeln des Hauses vorgesehen sind. Und fünftens: Der Patient ist einverstanden.

Frau WeberWenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, ist die Pflegekraft verpflichtet, die Injektion durchzuführen. In Ausnahmefällen hat sie aber ein Weigerungsrecht. Zum Beispiel, wenn sie sich fachlich nicht sicher fühlt oder die Tätigkeit noch nie geübt hat. Dann muss sie das sagen, und das ist auch richtig so. Für euch als Auszubildende gilt: Ihr führt Injektionen nur unter Anleitung und Aufsicht einer Pflegefachkraft durch, bis ihr sie sicher beherrscht.

Frau WeberJetzt zur Definition. Eine Injektion ist das Einspritzen von sterilen Arzneimitteln in den Körper mit einer Spritze und einer Hohlnadel. Im Gegensatz zu einer Infusion wird das Medikament dabei innerhalb von Sekunden bis wenigen Minuten verabreicht. Bei einer Infusion läuft die Flüssigkeit dagegen über längere Zeit, zum Beispiel über eine halbe Stunde oder mehrere Stunden.

Frau WeberDie Indikation für eine Injektion ist eine Behandlung oder Nachsorge, die der Arzt angeordnet hat. Das Ziel lautet: das richtige Arzneimittel in der richtigen Form, der richtigen Stärke und der richtigen Dosis auf die richtige Weise zur richtigen Zeit dem richtigen Patienten geben.

Frau WeberEs gibt verschiedene Injektionsarten. Sie unterscheiden sich danach, in welche Gewebeschicht gespritzt wird. Bei der intrakutanen Injektion, abgekürzt i c, wird in die Haut selbst gespritzt, zum Beispiel bei einem Allergietest. Bei der subkutanen Injektion, abgekürzt s c, wird in das Unterhautfettgewebe gespritzt. Bei der intramuskulären Injektion, abgekürzt i m, wird in einen Muskel gespritzt. Und bei der intravenösen Injektion, abgekürzt i v, wird direkt in eine Vene gespritzt. Daneben gibt es noch Injektionen in Arterien oder Gelenke. Die macht nur der Arzt.

Frau WeberHeute geht es um die subkutane Injektion. Die intramuskuläre Injektion kommt in der nächsten Doppelstunde dran.

Frau WeberWelche Vorteile haben Injektionen allgemein? Dazu gehören: Der Wirkstoff geht nicht verloren, zum Beispiel im Magen-Darm-Trakt. Die Dosis lässt sich genau bemessen. Wirkungseintritt und Wirkdauer lassen sich besser steuern. Beschwerden im Magen und Darm durch das Medikament werden vermieden. Und das Medikament kann auch gegeben werden, wenn der Patient nicht schlucken kann oder bewusstlos ist. Außerdem nennt man einen schnellen Wirkungseintritt und eine hohe Konzentration am Wirkort.

Frau WeberHier müsst ihr aber genau unterscheiden, denn die Vorteile gelten nicht für jede Injektionsart gleich. Am schnellsten wirkt ein Medikament, das direkt in die Vene gespritzt wird. Bei der subkutanen Injektion ist es anders. Das Unterhautfettgewebe ist nicht so stark durchblutet. Das Medikament wird deshalb langsam und gleichmäßig aufgenommen. Die Wirkung tritt also langsamer ein als bei einer Injektion in die Vene oder in den Muskel, hält dafür aber oft länger an. Man spricht von einer Depotwirkung.

Frau WeberUnd noch etwas ist wichtig: Auch ein Medikament, das unter die Haut gespritzt wird, wirkt im ganzen Körper. Heparin zum Beispiel wird aus dem Unterhautgewebe ins Blut aufgenommen und hemmt dann im ganzen Körper die Blutgerinnung. Insulin senkt den Blutzucker im ganzen Körper. Die Injektion ist nur der Weg, auf dem das Medikament in den Körper kommt.

Frau WeberTypische Medikamente, die subkutan gegeben werden, sind also Heparine zur Vorbeugung von Thrombosen und Insulin bei Diabetes. Dazu kommen manche Impfstoffe, Schmerzmittel in der Palliativversorgung und weitere Medikamente, die der Arzt anordnet.

Frau WeberJetzt zu den Risiken. Jede Injektion kann Komplikationen haben. Dazu gehören Schmerzen, blaue Flecken, also Hämatome, Infektionen an der Einstichstelle, Verhärtungen des Gewebes und im schlimmsten Fall eine allergische Reaktion. Bei einer schweren allergischen Reaktion spricht man von einer Anaphylaxie.

Frau WeberWorauf müsst ihr achten? Typische Zeichen sind: Nesselfieber oder ein Hautausschlag, Schwellungen am Hals, am Kehlkopf, an den Lippen oder an der Zunge, Kurzatmigkeit, ein pfeifendes Atemgeräusch, das Keuchen, eine Veränderung des Herzrhythmus, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen und ein Schwächeanfall. Bei Verdacht auf eine Nebenwirkung oder eine schwere allergische Reaktion informiert ihr sofort den Arzt. Eine Anaphylaxie ist ein Notfall. Ihr bleibt beim Patienten und holt Hilfe.

Frau WeberKommen wir zur Vorbereitung. Die wichtigste Regel dabei ist die Sechs-R-Regel. Sie hilft euch, Fehler bei der Medikamentengabe zu vermeiden. Die sechs R lauten: der richtige Patient, das richtige Arzneimittel, die richtige Dosierung, die richtige Applikationsart, also der richtige Weg, zum Beispiel subkutan, der richtige Zeitpunkt und die richtige Dokumentation.

Frau WeberMerkt euch das so: Bevor ihr eine Spritze aufzieht und bevor ihr sie gebt, prüft ihr jedes Mal alle sechs R. Den Patienten identifiziert ihr sicher, zum Beispiel indem ihr ihn nach seinem Namen und Geburtsdatum fragt und das Patientenarmband kontrolliert. Und ihr vergleicht das Medikament genau mit der ärztlichen Anordnung.

Frau WeberZur Vorbereitung gehört auch die Vorbereitung des Patienten. Erklärt ihm, was ihr tun werdet. Passt die Information an seinen Zustand und seinen Bedarf an. Gebt wachen Patienten Zeit, Fragen zu stellen. Berücksichtigt seine Wünsche, zum Beispiel, wo er gespritzt werden möchte. Und informiert ihn fortlaufend über das, was ihr tut, auch wenn er nur eingeschränkt bei Bewusstsein ist oder die Verständigung schwierig ist. Achtet dabei auf seine Reaktionen und auf seine Intimsphäre.

Frau WeberJetzt zu den Materialien. Eine Spritze besteht aus mehreren Teilen. Da ist der Spritzenzylinder mit der Skala, an der ihr die Menge ablest. Im Zylinder bewegt sich der Kolben, den ihr mit dem Daumen drückt oder zieht. Und vorne ist der Konus. Das ist die Spitze der Spritze, auf die die Kanüle gesteckt wird. Bei einer Luer-Lock-Spritze wird die Kanüle aufgeschraubt, damit sie sich nicht lösen kann.

Frau WeberDie Kanüle, also die Hohlnadel, hat auch mehrere Teile: den Kanülenansatz, der auf die Spritze kommt, den Schaft und die angeschliffene Spitze. Wichtig für die Hygiene ist: Den Konus der Spritze, den Kanülenansatz und die ganze Nadel berührt ihr nicht. Sie müssen steril bleiben. Ihr fasst die Spritze nur am Zylinder und am Ende des Kolbens an.

Frau WeberFür die subkutane Injektion benutzt man kurze und dünne Kanülen. Für Insulin-Pens gibt es heute sehr kurze Nadeln, meist vier bis sechs Millimeter lang. Heparin gibt es meistens als Fertigspritze, bei der die Kanüle schon fest aufgesetzt ist. Welche Kanüle ihr nehmt, hängt vom Medikament, vom Patienten und vom Standard eures Hauses ab.

Frau WeberEin wichtiger Hinweis zu Heparin-Fertigspritzen: Viele haben eine kleine Luftblase in der Spritze. Diese Luftblase wird bei vielen Präparaten nicht herausgedrückt, damit kein Medikament verloren geht und die Dosis genau stimmt. Beachtet hier immer die Angaben des Herstellers.

Frau WeberManchmal müsst ihr ein Medikament selbst aus einer Ampulle aufziehen. Es gibt dabei drei Möglichkeiten. Die erste ist die Brechampulle. Das ist eine kleine Glasampulle, deren Kopf man abbricht. Zuerst klopft ihr leicht gegen den Ampullenkopf, damit die Flüssigkeit nach unten läuft. Dann brecht ihr den Kopf ab, und zwar mit einem Tupfer und vom Körper weg, damit ihr euch nicht an den Glassplittern verletzt. Dann zieht ihr die Flüssigkeit mit einer Aufziehkanüle auf.

Frau WeberDie zweite Möglichkeit ist die Stechampulle. Sie hat einen Gummistopfen. Zuerst desinfiziert ihr den Gummistopfen und lasst das Mittel einwirken. Dann stecht ihr die Kanüle durch den Stopfen. Bei manchen Stechampullen spritzt man vorher so viel Luft hinein, wie man danach an Flüssigkeit herausziehen will. Dann entsteht kein Unterdruck, und das Aufziehen geht leichter.

Frau WeberDie dritte Möglichkeit ist die Trockensubstanz. Manche Medikamente liegen als Pulver vor. Sie müssen zuerst mit einer Lösung aufgelöst werden. Dazu gebt ihr die vorgeschriebene Menge des passenden Lösungsmittels in die Ampulle und löst das Pulver auf, meistens durch vorsichtiges Schwenken, nicht durch kräftiges Schütteln. Dann zieht ihr das gelöste Medikament auf. Beachtet dabei immer die Angaben im Beipackzettel.

Frau WeberEgal welche Ampulle: Nach dem Aufziehen drückt ihr die Luft aus der Spritze, wechselt die Aufziehkanüle gegen eine frische Injektionskanüle und beschriftet die Spritze, wenn ihr sie nicht sofort selbst gebt. Das Medikament wird möglichst direkt vor der Gabe aufgezogen. Und die Ampulle legt ihr bis nach der Gabe dazu, damit ihr das Medikament noch einmal kontrollieren könnt.

Frau WeberKommen wir zur Hygiene. Dazu etwas, das viele überrascht: Laut der Weltgesundheitsorganisation und der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut, kurz KRINKO, sind bei subkutanen Injektionen Handschuhe nicht routinemäßig notwendig. Wenn die Haut des Patienten an der Einstichstelle intakt ist und die Hände der Pflegekraft unverletzt sind, kann man auf Handschuhe verzichten.

Frau WeberAber: Die Person, die die Injektion durchführt, muss jedes Mal selbst beurteilen, ob Handschuhe nötig sind, und die Regeln ihres Hauses beachten. In vielen Einrichtungen sind Handschuhe bei Injektionen vorgeschrieben. Und bei einem Kontakt mit Blut oder bei einem Patienten mit einer ansteckenden Erkrankung sind sie immer nötig.

Frau WeberGanz sicher gilt dagegen: Vor jeder Injektion desinfiziert ihr eure Hände. Und die KRINKO empfiehlt, die Einstichstelle vorsorglich zu desinfizieren. Dafür gibt es zwei Methoden. Bei der Wischdesinfektion wischt ihr die Stelle mit einem Desinfektionstuch oder einem Tupfer mit Hautantiseptikum ab. Bei der Sprühdesinfektion sprüht ihr das Mittel auf, wischt die Haut mit einem Tupfer ab, sprüht erneut und lasst es trocknen. Der Tupfer muss dabei nicht steril sein, aber keimarm.

Frau WeberGanz wichtig ist die Einwirkzeit. Lasst die Haut mindestens dreißig Sekunden an der Luft trocknen. Beachtet außerdem die Angaben des Herstellers. Das Desinfektionsmittel muss vor dem Einstich getrocknet sein. Sonst gelangt Alkohol mit der Nadel in das Gewebe, und das tut dem Patienten unnötig weh.

Frau WeberKommen wir zur Arbeitssicherheit. Eine große Gefahr bei Injektionen sind Nadelstichverletzungen. Dabei sticht sich die Pflegekraft mit einer benutzten Nadel. Dadurch können Krankheiten übertragen werden, zum Beispiel Hepatitis B, Hepatitis C oder H I V. Deshalb schreiben die Technischen Regeln für Biologische Arbeitsstoffe, genauer die T R B A zweihundertfünfzig, vor, dass Sicherheitskanülen und sichere Abwurfbehälter verwendet werden.

Frau WeberDie häufigsten Ursachen für Nadelstichverletzungen sind: Stress, zum Beispiel allein im Nachtdienst oder in einem Notfall. Falsches Handling, vor allem das sogenannte Recapping, also das Zurückstecken der Schutzkappe auf die benutzte Nadel, und das Abziehen oder Entsorgen der Kanüle mit der Hand. Fehler bei der Entsorgung, zum Beispiel ein überfüllter Abwurfbehälter. Fremdverschulden, zum Beispiel ein unruhiger Patient, der sich plötzlich bewegt. Und Unwissenheit oder zu wenig Übung, zum Beispiel bei Berufsanfängern oder Wiedereinsteigern.

Frau WeberDaraus ergeben sich klare Regeln. Erstens: Niemals die Schutzkappe auf eine benutzte Nadel zurückstecken. Zweitens: Die Sicherheitsvorrichtung der Kanüle direkt nach dem Herausziehen aktivieren. Drittens: Die benutzte Nadel sofort selbst in den stichfesten Abwurfbehälter werfen. Den Behälter nehmt ihr dafür mit ans Bett. Viertens: Abwurfbehälter nie überfüllen, sondern rechtzeitig schließen und austauschen, spätestens an der Markierung. Und fünftens: Bei unruhigen Patienten holt ihr euch Unterstützung.

Frau WeberUnd wenn es doch passiert? Nach einer Nadelstichverletzung handelt ihr sofort. Fördert den Blutfluss aus der Wunde, indem ihr auf das umliegende Gewebe drückt. Desinfiziert die Stelle gründlich mit einem Hautantiseptikum. Informiert sofort eure Vorgesetzte und stellt euch beim Betriebsarzt oder beim Durchgangsarzt vor. Eine Nadelstichverletzung ist ein Arbeitsunfall und muss gemeldet und dokumentiert werden. Wenn ein Risiko für H I V besteht, müssen vorbeugende Medikamente möglichst schnell begonnen werden, am besten innerhalb von zwei Stunden. Deshalb zählt hier jede Minute. Wie genau das in eurem Haus abläuft, steht im Hygieneplan.

Frau WeberKommen wir zu den Injektionsorten. Wo spritzt man subkutan? Die erste Wahl ist der Bauch, also der Unterbauch und der Oberbauch. Die zweite Wahl sind die Vorderseite der Oberschenkel, der obere Gesäßbereich und die Außenseite der Oberarme. Beim Bauch haltet ihr Abstand zum Bauchnabel. In der Praxis sind das je nach Standard zwei bis fünf Zentimeter.

Frau WeberDie Einstichstelle muss bestimmte Bedingungen erfüllen. Die Haut muss intakt und unverletzt sein. Es dürfen keine blauen Flecken, keine Ausschläge, keine Tattoos und keine Zeichen einer Entzündung oder Schwellung da sein. Das Gewebe darf sich nicht hart anfühlen. Und in Leberflecke sticht man nicht.

Frau WeberAußerdem gilt: Wechselt die Einstichstellen. Empfohlen wird ein Abstand von mindestens einem Zentimeter zur vorherigen Einstichstelle. Heparin wird am besten abwechselnd in die rechte und die linke Bauchseite gespritzt. Warum ist das so wichtig? Wenn man immer an dieselbe Stelle spritzt, verhärtet das Fettgewebe. Das nennt man Lipohypertrophie. Dann wird das Medikament schlechter und unregelmäßig aufgenommen. Das ist besonders beim Insulin ein Problem, denn dann schwankt der Blutzucker.

Frau WeberNoch ein Hinweis zum Heparin: Niedermolekulares Heparin kann an der Einstichstelle leicht zu einem blauen Fleck führen. Das ist eine bekannte Nebenwirkung, weil Heparin die Blutgerinnung hemmt. Spritzt man in den Bauch, entstehen weniger Schmerzen und weniger blaue Flecken. Und reibt nach einer Heparin-Injektion nicht über die Einstichstelle, sonst entstehen eher blaue Flecken.

Frau WeberJetzt zur Durchführung der subkutanen Injektion, Schritt für Schritt. Erstens: Ihr prüft die ärztliche Anordnung und die sechs R, bereitet das Material vor und nehmt den Abwurfbehälter mit ans Bett. Zweitens: Ihr identifiziert den Patienten, erklärt ihm die Maßnahme und bringt ihn in eine bequeme Position, in der die Einstichstelle gut zugänglich ist. Drittens: Ihr desinfiziert eure Hände und zieht, wenn nötig oder im Standard vorgeschrieben, Handschuhe an. Viertens: Ihr wählt die Einstichstelle, kontrolliert die Haut und desinfiziert die Stelle. Lasst das Mittel trocknen.

Frau WeberFünftens: Ihr hebt mit Daumen und Zeigefinger, eventuell auch mit dem Mittelfinger, eine Hautfalte ab. So hebt ihr das Unterhautfettgewebe vom Muskel ab. Das ist wichtig, damit das Medikament nicht versehentlich in den Muskel gespritzt wird. Diese Gefahr besteht besonders bei sehr schlanken Menschen.

Frau WeberSechstens: Ihr stecht die Nadel zügig in die Hautfalte, meistens in einem Winkel von neunzig Grad, also senkrecht. Alternativ kann man in einem Winkel von fünfundvierzig Grad stechen. Der Winkel richtet sich danach, wie dick das Unterhautfettgewebe ist und wie lang die Kanüle ist. Bei einem sehr schlanken Menschen und einer längeren Kanüle wählt man eher fünfundvierzig Grad.

Frau WeberSiebtens: Eine Aspiration wird nicht empfohlen. Aspiration heißt: Man zieht vor dem Spritzen kurz am Kolben, um zu prüfen, ob man ein Blutgefäß getroffen hat. Bei der subkutanen Injektion ist das nicht nötig, weil es im Unterhautgewebe keine großen Blutgefäße gibt. Bei Heparin kann das Ziehen am Kolben sogar zu mehr blauen Flecken führen.

Frau WeberAchtens: Ihr spritzt das Medikament langsam und gleichmäßig. Die Hautfalte haltet ihr dabei fest. Neuntens: Nach dem Spritzen wartet ihr einige Sekunden, bevor ihr die Nadel herauszieht. So läuft kein Medikament aus dem Stichkanal zurück. Bei Insulin-Pens ist oft angegeben, etwa zehn Sekunden zu warten. Dann lasst ihr die Hautfalte los und zieht die Nadel in dem gleichen Winkel heraus, in dem ihr eingestochen habt.

Frau WeberZehntens: Ihr aktiviert sofort den Sicherheitsmechanismus der Kanüle und werft sie in den Abwurfbehälter. Die Einstichstelle wird nicht massiert. Wenn sie etwas blutet, drückt ihr nur kurz einen Tupfer darauf. Elftens: Ihr fragt den Patienten, wie es ihm geht, und achtet auf Reaktionen. Und zwölftens: Ihr räumt auf, desinfiziert eure Hände und dokumentiert die Injektion.

Frau WeberEin kurzes Wort zu den Insulin-Pens. Hier gibt es einige Besonderheiten. Vor jeder Injektion setzt ihr eine neue Pen-Nadel auf. Dann macht ihr einen kleinen Sicherheitstest, meistens mit zwei Einheiten. Dabei haltet ihr den Pen mit der Nadel nach oben und drückt, bis ein Tropfen Insulin an der Nadelspitze erscheint. So seht ihr, dass die Nadel frei ist. Danach stellt ihr die angeordnete Dosis ein. Trübes Insulin, also Verzögerungsinsulin, müsst ihr vorher vorsichtig schwenken, bis es gleichmäßig trüb ist. Bei den kurzen Pen-Nadeln von vier Millimetern braucht man bei Erwachsenen oft keine Hautfalte. Beachtet hier immer den Standard eures Hauses und die Anleitung des Herstellers.

Frau WeberJetzt ein besonderes Thema: die subkutane Injektion als medikamentöse Thromboseprophylaxe. Der Fachbegriff heißt V T E-Prophylaxe. V T E steht für venöse Thromboembolie. Damit ist eine Thrombose gemeint, also ein Blutgerinnsel in einer Vene, und die mögliche Folge, eine Lungenembolie. Patienten, die nach einer Operation oder wegen einer Krankheit viel liegen, haben ein erhöhtes Risiko. Deshalb bekommen viele von ihnen nach ärztlicher Anordnung täglich eine Heparin-Spritze unter die Haut.

Frau WeberDazu gilt: Bei Kindern und Jugendlichen und bei kurzen Operationen unter dreißig Minuten wird in der Regel auf eine medikamentöse Thromboseprophylaxe verzichtet. Der Grund ist, dass das Risiko für eine Thrombose dort meistens gering ist. Gibt es aber zusätzliche Risikofaktoren, kann der Arzt anders entscheiden. Das ist immer eine ärztliche Entscheidung.

Frau WeberUnd merkt euch: Die Heparin-Spritze ersetzt nicht die anderen Maßnahmen der Thromboseprophylaxe. Frühes Aufstehen, Bewegungsübungen, ausreichend Trinken und, wenn angeordnet, Kompressionsstrümpfe bleiben genauso wichtig. Und die Low-Dose-Heparinisierung, also die Gabe von Heparin in niedriger Dosis, birgt die Gefahr von blauen Flecken. Achtet deshalb auf die Einstichstellen und auf Zeichen von Blutungen, zum Beispiel Nasenbluten, Zahnfleischbluten oder Blut im Urin, und meldet sie dem Arzt.

Frau WeberKommen wir zur Dokumentation. Die Dokumentation aller Maßnahmen in der Patientenakte ist gesetzlich vorgeschrieben. Ihr dokumentiert, was durchgeführt wurde und zu welchem Ergebnis die Maßnahme geführt hat. Also zum Beispiel: welches Medikament, welche Dosis, wann, wo gespritzt, von wem, und ob es Besonderheiten oder Reaktionen gab. Das sichert die richtige Behandlung und die Verlaufskontrolle. Und es schützt auch euch selbst. Denn was nicht dokumentiert ist, gilt als nicht gemacht.

Frau WeberZum Schluss das Fehlermanagement. Trotz aller Sorgfalt können Fehler passieren. Zum Beispiel wurde das falsche Medikament gegeben, die falsche Dosis, zur falschen Zeit oder dem falschen Patienten. Dann gilt: Den Fehler niemals verschweigen! Informiert sofort den Arzt, damit er entscheiden kann, was zu tun ist. Beobachtet den Patienten genau, dokumentiert den Fehler ehrlich und sachlich und informiert eure Vorgesetzte. Viele Häuser haben außerdem ein anonymes Fehlermeldesystem, zum Beispiel ein C I R S. Dort können Fehler und Beinahe-Fehler gemeldet werden, damit alle daraus lernen und sie in Zukunft vermieden werden. Es geht dabei nicht um Schuld, sondern um die Sicherheit der Patienten.

Frau WeberWir sind am Ende der Stunde. Hier die wichtigsten Punkte zusammengefasst. Jede Injektion braucht eine ärztliche Anordnung. Die subkutane Injektion kann an Pflegende delegiert werden. Der Arzt trägt die Anordnungsverantwortung, die Pflegekraft die Durchführungsverantwortung. Vor jeder Gabe prüft ihr die sechs R: Patient, Arzneimittel, Dosierung, Applikationsart, Zeitpunkt und Dokumentation.

Frau WeberSubkutan gespritzte Medikamente werden langsam aufgenommen und wirken im ganzen Körper. Erste Wahl als Einstichstelle ist der Bauch, mit Abstand zum Nabel. Wechselt die Einstichstellen. Die Haut wird desinfiziert, und das Mittel muss trocknen. Ihr hebt eine Hautfalte ab, stecht meist im Winkel von neunzig Grad ein, aspiriert nicht, spritzt langsam und wartet einige Sekunden vor dem Herausziehen. Bei Heparin nicht reiben. Niemals Recapping, die Nadel kommt sofort in den Abwurfbehälter. Nach einer Nadelstichverletzung handelt ihr sofort und meldet sie. Und jeder Fehler wird sofort gemeldet.

Frau WeberIn der nächsten Doppelstunde geht es um die intramuskuläre Injektion. Übt bis dahin die subkutane Injektion unter Anleitung. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal!

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