Kommunikation mit Menschen mit Demenz – Validation nach Naomi Feil

Kommunikation mit Menschen mit Demenz – Validation nach Naomi Feil: kostenloses Lern-Audio (22 Min.) für die Pflegeausbildung – als Gespräch zwischen Lehrkraft und Azubis, mit vollständigem Transkript und passender Übung.

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Transkript

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Frau WeberHallo und herzlich willkommen! Ich bin Frau Weber, und bei mir ist Lena, eine Auszubildende. Heute geht es darum, wie ihr die Kommunikation mit Menschen mit Demenz gestaltet, und zwar vor allem mit der Methode der Validation nach Naomi Feil. Ein kurzer Hinweis vorab: Dieser Podcast ist Teil eurer Ausbildung und ersetzt nicht die Standards eurer Einrichtung.

LenaHallo! Ich finde es manchmal schwer, mit Menschen mit Demenz zu reden. Oft weiß ich nicht, was ich sagen soll.

Frau WeberDas geht vielen so. Fangen wir deshalb mit einer kleinen Übung an. Stellt euch vor: Ihr fahrt in den Urlaub. Euer Zug zum Flughafen hat Verspätung, und ihr befürchtet, dass ihr euer Flugzeug in Frankfurt verpasst. Ihr habt viel Gepäck und kennt euch nicht aus. Panik steigt in euch hoch. Oder: Ihr wollt euch in einem fremden Krankenhaus vorstellen. Ihr habt nur noch wenige Minuten, und plötzlich merkt ihr, dass ihr euch verlaufen habt. Ein Gang sieht aus wie der andere, und niemand ist da, den ihr fragen könnt. Wie fühlt ihr euch? … Wahrscheinlich unsicher, ängstlich und hilflos.

Frau WeberGenau so fühlen sich viele Menschen mit Demenz, und zwar nicht nur einmal, sondern jeden Tag. Sie verstehen ihre Umgebung nicht mehr, wissen nicht, wo sie sind, und können sich nicht mehr richtig mitteilen. Wenn ihr euch das bewusst macht, versteht ihr viel besser, warum sie manchmal unruhig, ängstlich oder abweisend reagieren.

Frau WeberWir gehen heute so vor: Zuerst klären wir, was Validation ist und welche Grundannahmen und Ziele sie hat. Dann lernt ihr die vier Stadien der Desorientierung nach Naomi Feil kennen. Danach geht es um die Schritte und Techniken der Validation mit Beispielen. Und zum Schluss um die Biografiearbeit und die Veränderungen der Sprache bei Demenz.

Frau WeberDas englische Wort „validation“ bedeutet Bestätigung oder Gültigkeitserklärung. Validation ist eine Gesprächsform, die von der amerikanischen Sozialarbeiterin Naomi Feil entwickelt wurde. Sie ist eine Methode, um wertschätzend und bestätigend mit älteren, desorientierten oder demenziell erkrankten Menschen zu kommunizieren. Im Mittelpunkt steht das persönliche Erleben des Menschen. Die Kommunikation läuft vor allem über die Beziehungsebene, also über Gefühle, und nicht über die Inhaltsebene, also über Fakten.

LenaWas heißt das genau?

Frau WeberEin Beispiel: Eine Bewohnerin sagt: „Ich muss jetzt nach Hause, meine Kinder kommen aus der Schule.“ Ihre Kinder sind aber längst erwachsen. Auf der Inhaltsebene würdet ihr sie korrigieren: „Ihre Kinder sind doch schon fünfzig.“ Das hilft ihr nicht. Sie fühlt sich nicht verstanden und wird vielleicht noch unruhiger. Auf der Beziehungsebene sprecht ihr das Gefühl an, das hinter ihrer Aussage steckt: „Sie machen sich Sorgen um Ihre Kinder. Sie waren immer eine fürsorgliche Mutter.“ Das bestätigt sie in ihrem Erleben. Genau das ist Validation.

Frau WeberDie Validation beruht auf einigen Grundannahmen von Naomi Feil. Sie geht davon aus, dass Menschen Konflikte aus früheren Lebensphasen oft nicht gelöst haben. Im hohen Alter, in der Zeit des Rückblicks auf das Leben, versuchen sie, diese Konflikte noch aufzuarbeiten. Wer im Laufe seines Lebens schlecht mit Verlusten umgehen konnte, zieht sich im Alter vielleicht nach innen in die Vergangenheit zurück, um die unerträgliche Gegenwart auszuhalten.

Frau WeberEs gibt dazu ein bekanntes Bild: Demenz sei das „Aussortieren von Schmutzwäsche“. Dieses Bild wird oft falsch verstanden. Gemeint ist nicht, dass der Mensch unangenehme Erinnerungen wegdrückt oder vergessen will. Gemeint ist das Gegenteil: So wie man vor einer Reise seine Wäsche sortiert und wäscht, versucht der alte Mensch, vor dem Ende seines Lebens noch aufzuräumen. Er arbeitet unerledigte Dinge und ungelöste Gefühle auf, damit er in Frieden gehen kann. Die Validation hilft ihm dabei, indem sie diese Gefühle ernst nimmt.

Frau WeberEin wichtiger Hinweis: Das ist die Sichtweise von Naomi Feil. Sie hat ihre Methode vor allem für sehr alte, desorientierte Menschen entwickelt. Nicht alle Fachleute teilen jede ihrer Grundannahmen, und die wissenschaftlichen Belege für die Methode sind begrenzt. Es gibt deshalb auch Weiterentwicklungen, zum Beispiel die Integrative Validation nach Nicole Richard. Die wertschätzende Haltung, die hinter der Validation steht, ist aber heute in der Pflege von Menschen mit Demenz allgemein anerkannt.

Frau WeberDie drei Grundpfeiler der Validation sind: Wertschätzung, Akzeptanz und Bestätigung. Und zur Haltung gehören Grundannahmen über desorientierte alte Menschen. Sie haben kein flexibles Verhaltensrepertoire mehr, sie halten an alten Rollen fest, sie ringen mit unbewältigten Gefühlen, sie ziehen sich aus der Gegenwart zurück, ihre geistigen Fähigkeiten sind deutlich eingeschränkt, und sie sind nicht mehr zu einer intellektuellen Einsicht fähig. Das heißt: Es bringt nichts, ihnen mit logischen Argumenten zu kommen.

Frau WeberDie Ziele der Validation sind: das Selbstwertgefühl wiederherstellen, Stress verringern, das gelebte Leben rechtfertigen, also würdigen, ungelöste Konflikte lösen, weniger Beruhigungsmittel und körperliche Zwangsmaßnahmen einsetzen müssen, Angst verringern, einen Rückzug ins Vegetieren vermeiden und den Sinn für Humor zurückbringen.

Frau WeberDas Grundproblem ist: Wenn die Demenz fortschreitet, kann der Mensch seine Bedürfnisse immer weniger gezielt und verständlich mitteilen. Diese Unfähigkeit löst oft ein herausforderndes Verhalten aus, das für Außenstehende schwer nachvollziehbar ist. Zum Beispiel ruft jemand ständig, läuft unruhig herum oder wehrt sich bei der Pflege. Hinter diesem Verhalten steckt aber fast immer ein Bedürfnis oder ein Gefühl.

Frau WeberKommen wir zu den vier Stadien der Desorientierung nach Naomi Feil. Ich stelle euch jetzt die richtige Zuordnung vor. Hört gut zu, das ist ein wichtiger Prüfungsinhalt.

Frau WeberStadium eins heißt mangelhafte Orientierung, manchmal auch unglückliche Orientierung genannt. Der Mensch ist noch weitgehend orientiert, und seine geistigen Fähigkeiten sind noch relativ gut erhalten. Gerade deshalb merkt er, dass er vergesslich wird, und das macht ihm Angst. Er leugnet seine Verwirrtheit und versucht, sie zu überspielen. Seine Muskeln sind angespannt, seine Bewegungen sind noch präzise und zielgerichtet. Sein Blick ist klar und zielgerichtet, seine Stimme klar, oft scharf oder schrill.

Frau WeberEr klammert sich an seine gesellschaftliche Rolle, zum Beispiel als Hausfrau, Chef oder Lehrer, und er leugnet seine Gefühle. Berührungen lehnt er häufig ab. Und er zeigt Konflikte aus der Vergangenheit in verschleierter Form, zum Beispiel indem er andere beschuldigt: „Die Pflegerin hat mein Portemonnaie gestohlen!“, wenn er es selbst verlegt hat.

LenaWie gehe ich mit jemandem in diesem Stadium um?

Frau WeberIn diesem Stadium braucht der Mensch vor allem Respekt und eine gewisse Distanz. Weil er Berührungen oft ablehnt, haltet ihr eher Abstand. Ihr stellt sachliche W-Fragen, zum Beispiel: „Was ist passiert? Wann haben Sie es zuletzt gesehen?“ Und ihr nehmt seine Sorgen ernst, ohne ihn zu korrigieren oder bloßzustellen.

Frau WeberStadium zwei heißt Zeitverwirrtheit. Jetzt verschlechtern sich das logische Denken und die Sinne deutlich. Der Mensch nimmt die Wirklichkeit nur noch verschwommen wahr. Er vergisst aktuelle und frühere Ereignisse, und er kann nicht mehr folgerichtig an Gesprächen teilnehmen. Gegenwart und Vergangenheit vermischen sich, daher der Name Zeitverwirrtheit. Angenehme Gefühle aus der Vergangenheit bekommen eine große Bedeutung.

Frau WeberKörperlich ändert sich auch etwas. Die Muskeln sind jetzt entspannt, die Bewegungen werden langsamer. Der Blick ist klar, aber ziellos. Und anders als im ersten Stadium empfindet der Mensch Berührungen jetzt als beruhigend. Er hält nicht mehr an der Realität fest und zieht sich in sich selbst zurück. In diesem Stadium helfen Berührung, Blickkontakt, eine warme Stimme und Gespräche über die Vergangenheit.

Frau WeberStadium drei heißt sich wiederholende Bewegungen. Jetzt ersetzen Bewegungen die Worte. Der Mensch spricht kaum noch, sondern drückt sich durch Bewegungen und Laute aus. Körperteile werden zu Symbolen. Zum Beispiel klopft eine Frau immer wieder rhythmisch auf den Tisch, weil sie früher Teig geknetet hat, oder ein Mann macht Bewegungen wie beim Hämmern. Mit diesen Bewegungen verarbeitet der Mensch unbewältigte Konflikte und Bedürfnisse.

Frau WeberDie Muskeln sind entspannt, und die Bewegungen laufen unbewusst ab. Der Mensch verliert zunehmend das Gefühl für seinen Körper im Raum, und auf direkte Ansprache antwortet er oft nicht mehr. Die wichtigsten Reize sind jetzt Körpernähe, eine fürsorgliche Berührung und Blickkontakt. Man kann zum Beispiel die Bewegungen des Menschen aufnehmen und mitmachen, das nennt man Spiegeln, und so mit ihm in Kontakt kommen.

Frau WeberStadium vier heißt Vegetieren. Jetzt schließt der Mensch die Welt fast vollständig aus. Er erkennt auch nahestehende Personen nicht mehr. Seine Muskeln sind schlaff, er bewegt sich kaum noch und verliert das Bewusstsein für seinen Körper. Die Augen sind oft geschlossen oder der Blick ist leer. Er hat keine Eigeninitiative mehr und gibt das Bemühen auf, sein Leben zu verarbeiten.

LenaKann man in diesem Stadium überhaupt noch etwas tun?

Frau WeberJa, auch wenn es nur noch wenig ist, ist es sehr wichtig. Hier geht es vor allem um Nähe und Berührung, eine ruhige, warme Stimme, vertraute Musik und Gerüche und um Methoden wie die Basale Stimulation. Manchmal reagiert ein Mensch auch in diesem Stadium noch auf ein vertrautes Lied oder eine sanfte Berührung, zum Beispiel mit einem Lächeln oder einem Blick.

Frau WeberLasst uns die vier Stadien zusammenfassen. Stadium eins, mangelhafte Orientierung: Der Mensch leugnet seine Verwirrtheit, ist angespannt, klammert sich an seine Rolle und lehnt Berührung ab. Stadium zwei, Zeitverwirrtheit: Er vermischt die Zeiten, ist entspannter und empfindet Berührung als beruhigend. Stadium drei, sich wiederholende Bewegungen: Bewegungen ersetzen die Worte. Stadium vier, Vegetieren: Er zieht sich fast völlig zurück. Merkhilfe: Von angespannt und abwehrend über entspannt und nach innen gewandt bis zum völligen Rückzug.

Frau WeberKommen wir zu den Schritten der Validation. Es gibt drei Schritte. Erstens die Informationssammlung. Ihr macht euch mit der Lebensgeschichte des Menschen vertraut. Zweitens die Bestimmung des Stadiums der Desorientierung durch Beobachtung. Denn je nach Stadium wendet ihr unterschiedliche Techniken an. Und drittens die Anwendung der Validationstechniken im Gespräch.

Frau WeberDazu gibt es einige Grundsätze. Die Techniken, mit Worten und ohne Worte, passt ihr an das Stadium und die Bewegungen des Menschen an. Ihr begegnet ihm mit Empathie. Und ihr zentriert euch vor dem Gespräch. Zentrieren heißt: Ihr atmet kurz tief durch, lasst euren eigenen Stress und eure eigenen Gefühle los und konzentriert euch ganz auf den anderen. Ihr nehmt Vorwürfe nicht persönlich und verteidigt euch nicht. Dazu passt: Wir kommunizieren einfühlsam und ohne Urteil, weil wir wissen, dass jedes Verhalten einen bestimmten Grund hat.

Frau WeberWelche Techniken gibt es im Gespräch? Erstens die W-Fragen: Wer, was, wo, wie, wann. Sie laden zum Erzählen ein. Aber: Keine Warum-Fragen! Eine Warum-Frage verlangt eine logische Erklärung, und dazu sind Menschen mit Demenz oft nicht mehr fähig. Das setzt sie unter Druck. Zweitens die Polarität: Ihr fragt nach dem Extrem, zum Beispiel: „Wann war es am schlimmsten?“ So kann der Mensch seine Gefühle ausdrücken. Drittens: sich das Gegenteil vorstellen lassen, zum Beispiel: „Gab es auch Zeiten, in denen es besser war?“ Viertens: sich erinnern und die Vergangenheit gemeinsam erkunden, zum Beispiel: „Wie war das früher bei Ihnen zu Hause?“ Und fünftens: Schlüsselwörter heraushören und wiederholen. Wenn jemand immer wieder von der „Arbeit“ spricht, greift ihr genau dieses Wort auf.

Frau WeberAußerdem gibt es wichtige Regeln nach Naomi Feil. Man widerspricht einem verwirrten Menschen nie und lässt sich auf seine Welt ein. Auch Angehörige sollen sich von den Bedürfnissen und Gefühlen leiten lassen, die der Mensch zeigt, und nicht von seinen Worten. Gespräche werden ruhig, klar und wertschätzend geführt. Ihr sprecht den Menschen von vorne und auf Augenhöhe an, damit er euch sehen kann und nicht erschrickt. Ihr gebt ihm genug Zeit, das Gesagte zu verstehen. Ihr vermeidet lange, verschachtelte Sätze und macht pro Satz nur eine Aussage. Ihr unterstützt eure Worte mit Gestik, Mimik und Tonfall.

LenaUnd darf man auch mal ein bisschen flunkern, damit sich jemand beruhigt? Zum Beispiel sagen, dass die Mutter gleich kommt?

Frau WeberNach Naomi Feil nicht. Ihre Regel lautet: Niemals lügen. Ein Mensch mit Demenz spürt, wenn ihr Theater spielt, und das zerstört das Vertrauen. Validation heißt nicht, die falsche Aussage zu bestätigen, sondern das Gefühl dahinter. Wenn eine Bewohnerin nach ihrer Mutter ruft, sagt ihr also nicht: „Ihre Mutter kommt gleich.“ Aber ihr korrigiert sie auch nicht mit „Ihre Mutter ist seit vierzig Jahren tot.“ Stattdessen fragt ihr zum Beispiel: „Sie vermissen Ihre Mutter. Wie war sie denn?“ So nehmt ihr ihr Gefühl ernst, ohne zu lügen.

Frau WeberDazu ein schönes Beispiel. Herr Berthold ist nach dem Aufwachen sehr unruhig. Als die Pflegekraft ihm einen Kaffee anbietet, wird er laut: „Jetzt lass mich doch endlich gehen, ich muss zur Arbeit!“ Wie würdet ihr reagieren? … Statt ihn zu korrigieren, spricht die Pflegekraft die Gefühle und Antriebe an, die hinter seiner Aussage stecken. Zum Beispiel: „Sie sind immer sehr pünktlich!“ Oder: „Sie waren schon immer so fleißig!“ Oder: „Auf Sie kann man sich einfach verlassen!“ Danach kann sie mit ihm über seine Arbeit sprechen oder darüber, wie wichtig ihm Pünktlichkeit ist. Wenn sie das richtige Gefühl anspricht, lässt sich Herr Berthold gern auf das Gespräch ein, denn seine Gefühle sind ihm viel wichtiger als der Inhalt seiner Aussage.

Frau WeberUnd was, wenn es nicht klappt? War die Validation gelungen, obwohl die Pflegekraft nicht erreicht hat, was sie wollte? Die Antwort: Lasst euch nicht entmutigen, wenn ein Mensch nicht so reagiert, wie ihr es euch wünscht. Prüft, ob ihr das richtige Gefühl oder den richtigen Antrieb angesprochen habt, und versucht es erneut. Und selbst wenn es keinen sichtbaren Erfolg gibt, sind Wertschätzung und Respekt vor dem Erleben des Menschen wichtiger, als ihn korrigieren zu wollen.

Frau WeberEs gibt außerdem ein bekanntes, berührendes Video mit Naomi Feil und Gladys Wilson. Gladys Wilson ist eine Frau mit Alzheimer, die kaum noch spricht. Naomi Feil nimmt über Berührung, Blickkontakt, Rhythmus und Gesang Kontakt zu ihr auf, und Gladys Wilson reagiert darauf. Das zeigt, wie viel Kommunikation auch ohne Worte möglich ist. Übt die Validation am besten in Rollenspielen zu zweit.

Frau WeberKommen wir zur Biografiearbeit. Sie ist die Grundlage für eine sinnvolle Beschäftigung und Aktivierung von Menschen mit Demenz. Validation ist dann besonders sinnvoll, wenn man die Lebensgeschichte des Menschen kennt. Die Biografie liefert die Ansatzpunkte für eine aktivierende Kommunikation. Dabei geht es um mehr als um Eckdaten wie Name, Geburtsort, Ausbildung und Beruf. Am hilfreichsten sind kleine Lebensgeschichten, denn die sind oft noch lange abrufbar und haben eine positive Wirkung.

Frau WeberAuch dazu ein Beispiel. Die fünfundachtzigjährige Frau Müller hat eine fortgeschrittene Demenz und spricht nur noch sehr selten. Sie reagiert weder auf ihren Nachnamen noch auf ihren Vornamen, und auch nicht auf ihren Geburtsnamen. Von ihrer Tochter erfährt die Pflegekraft, dass Frau Müller bis zu ihrem siebzigsten Lebensjahr in einem Kiosk Lottoscheine verkauft hat und von allen nur „Lottofee“ genannt wurde. Also kann die Pflegekraft sie mit diesem vertrauten Spitznamen ansprechen. So erreicht sie Frau Müller vielleicht, wo ihr eigener Name nichts mehr auslöst.

LenaDas ist ein schönes Beispiel. Man muss also die Angehörigen gut einbeziehen.

Frau WeberGenau, Lena. Angehörige sind oft die wichtigste Quelle für die Biografie. Und damit kommen wir zum letzten Punkt: den Veränderungen der Sprache bei Demenz. Mit fortschreitender Demenz verändert sich die Sprache typischerweise so: Zuerst fehlen dem Menschen immer öfter Wörter, er sucht nach Begriffen oder umschreibt sie. Das nennt man Wortfindungsstörungen. Er nutzt häufiger Floskeln und allgemeine Wörter wie „das Ding“. Die Sätze werden kürzer und einfacher. Er versteht lange oder komplizierte Sätze schlechter. Später wiederholt er oft dieselben Aussagen oder Fragen. Und im späten Stadium geht die Sprache fast ganz verloren.

Frau WeberDazu gibt es zwei Fachbegriffe. Der erste ist die leiblich-affektive Interaktion. Das bedeutet: Die Kommunikation eines Menschen mit Demenz ist stark an Gefühle und an den Körper gebunden. Er nimmt vor allem wahr, wie ihr mit ihm sprecht, also eure Stimme, euren Blick und eure Berührung, und weniger, was ihr sagt. Der zweite ist die sprachlich-prozedurale Kommunikation. Das bedeutet: Menschen mit Demenz sprechen oft in festen Mustern und sich wiederholenden Aussagen, zum Beispiel alte Sprichwörter, Redewendungen oder Gebete. Diese sind im Gedächtnis sehr tief verankert.

Frau WeberWas bedeutet das für euch? Achtet auf eure Körpersprache, eure Stimme und euren Gesichtsausdruck, denn sie sind oft wichtiger als eure Worte. Bleibt ruhig und freundlich, auch wenn ihr in Eile seid, denn der Mensch spürt eure Anspannung. Nutzt vertraute Redewendungen, Lieder oder Gebete, um Kontakt aufzubauen. Und seid geduldig mit Wiederholungen. Für den Menschen ist jede Frage neu.

Frau WeberWir sind am Ende der Stunde. Hier die wichtigsten Punkte zusammengefasst. Validation heißt Bestätigung. Sie ist eine wertschätzende Gesprächsform nach Naomi Feil, bei der man die Gefühle hinter einer Aussage anspricht und nicht den Inhalt korrigiert. Die Grundpfeiler sind Wertschätzung, Akzeptanz und Bestätigung. Das Bild vom Aussortieren der Schmutzwäsche meint das Aufarbeiten unerledigter Gefühle am Lebensende.

Frau WeberFeil beschreibt vier Stadien. Mangelhafte Orientierung: leugnet, angespannt, klammert sich an Rollen, lehnt Berührung ab. Zeitverwirrtheit: vermischt die Zeiten, entspannter, Berührung beruhigt. Sich wiederholende Bewegungen: Bewegungen ersetzen Worte. Vegetieren: fast völliger Rückzug. Die Schritte sind: Biografie kennen, Stadium bestimmen, Techniken anwenden. Nutzt W-Fragen, keine Warum-Fragen, sprecht von vorne und auf Augenhöhe, in kurzen Sätzen, widersprecht nicht und lügt nicht. Und nutzt die Biografie und eure Körpersprache, denn Menschen mit Demenz kommunizieren vor allem über Gefühle.

LenaDanke, Frau Weber! Das hilft mir wirklich für die Praxis.

Frau WeberDas freut mich, Lena. Und euch allen: Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal!

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