Koordination von Notfallsituationen und Defibrillation

Koordination von Notfallsituationen und Defibrillation: kostenloses Lern-Audio (30 Min.) für die Pflegeausbildung – als Gespräch zwischen Lehrkraft und Azubis, mit vollständigem Transkript.

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Frau WeberHallo und herzlich willkommen! Ich bin Frau Weber. Heute geht es um zwei Dinge, die im Notfall eng zusammengehören: den Defibrillator und die Koordination einer Notfallsituation. Ein kurzer Hinweis vorab: Dieser Podcast ist Teil eurer Ausbildung. Er ersetzt kein praktisches Training und nicht die Standards eurer Einrichtung. Was ihr heute hört, müsst ihr auch praktisch üben.

Frau WeberUnsere Stunde hat drei Teile. Im ersten Teil geht es um Defibrillatoren. Wir klären, bei welchen Herzrhythmusstörungen ein Stromstoß hilft und bei welchen nicht, wie eine Defibrillation abläuft und wo ihr in der Öffentlichkeit Defibrillatoren findet. Im zweiten Teil geht es um die Koordination eines Notfalls. Also: Wer macht was, wie setzt man einen guten Notruf ab, und was dürfen Pflegende tun, bis der Arzt da ist. Und im dritten Teil geht es darum, warum auch Laien Wiederbelebung lernen sollten und warum ihr als Pflegende regelmäßig Pflichtfortbildungen habt.

Frau WeberFangen wir mit dem Wichtigsten an: Warum braucht man überhaupt einen Defibrillator? Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand pumpt das Herz kein Blut mehr. Das kann verschiedene Ursachen haben. Man unterscheidet dabei vier Herzrhythmen, die zu einem Kreislaufstillstand gehören. Ganz wichtig ist aber: Nur zwei davon werden mit einem Stromstoß behandelt. Die anderen zwei nicht. Das schauen wir uns jetzt genau an.

Frau WeberDer erste Rhythmus heißt Kammerflimmern, auf Englisch ventricular fibrillation, kurz V F. Dabei kreisen in den Herzkammern ganz ungeordnete elektrische Erregungen. Die Herzmuskelzellen zucken wild durcheinander, aber nicht mehr gemeinsam. Deshalb zieht sich das Herz nicht mehr richtig zusammen und pumpt kein Blut. Kammerflimmern ist deshalb einem Herzstillstand gleichzusetzen. Kammerflimmern ist die typische Rhythmusstörung beim plötzlichen Herztod von Erwachsenen. Beim Kammerflimmern zählt jede Minute. Ohne Stromstoß wird das Flimmern immer schwächer und geht schließlich in eine Asystolie über. Ohne Herzdruckmassage sinkt die Überlebenschance mit jeder Minute bis zum ersten Schock um etwa sieben bis zehn Prozent. Deshalb muss der Defibrillator so früh wie möglich zum Patienten.

Frau WeberDer zweite Rhythmus ist die Kammertachykardie, kurz V T. „Tachykardie“ heißt: Das Herz schlägt viel zu schnell. Bei der Kammertachykardie geht dieser schnelle Rhythmus von den Herzkammern aus. Das Herz schlägt so schnell, dass es sich zwischen den Schlägen nicht mehr richtig mit Blut füllen kann. Manchmal hat der Patient dabei noch einen Puls, manchmal nicht. Für die Wiederbelebung ist die pulslose Kammertachykardie wichtig. Also eine Kammertachykardie, bei der kein Kreislauf mehr da ist.

Frau WeberDer dritte Rhythmus ist die Asystolie. Asystolie bedeutet: Im E K G sieht man nur noch eine flache Linie, eine Nulllinie. Es gibt keine elektrische Aktivität und keine Pumpbewegung des Herzens mehr. Eine Asystolie geht immer mit Pulslosigkeit einher.

Frau WeberDer vierte Rhythmus ist die P E A. Das steht für pulslose elektrische Aktivität. Hier sieht man im E K G zwar noch elektrische Signale, die manchmal fast normal aussehen. Aber das Herz pumpt trotzdem kein Blut. Der Patient hat keinen Puls.

Frau WeberUnd jetzt kommt der Merksatz, den ihr nie vergessen dürft: Geschockt werden nur Kammerflimmern und pulslose Kammertachykardie. Man nennt sie defibrillierbare oder schockbare Rhythmen. Asystolie und P E A werden nicht geschockt. Man nennt sie nicht schockbare Rhythmen. Bei ihnen hilft ein Stromstoß nicht. Hier sind die Herzdruckmassage, die Beatmung, die Medikamente, die der Arzt gibt, zum Beispiel Adrenalin, und die Suche nach der Ursache entscheidend. Auch beim Kammerflimmern gibt der Arzt später zusätzlich Medikamente, aber dort ist der Stromstoß das Wichtigste.

Frau WeberWarum ist das so? Das versteht ihr, wenn ihr wisst, wie eine Defibrillation wirkt. Der Stromstoß erregt alle Herzmuskelzellen gleichzeitig. Dadurch wird das elektrische Chaos, zum Beispiel beim Kammerflimmern, unterbrochen. Danach hat der körpereigene Taktgeber des Herzens wieder die Chance, einen normalen Rhythmus zu starten. Die Defibrillation ist also wie ein Neustart für ein Herz, das elektrisch durcheinander ist. Bei einer Asystolie ist aber gar keine elektrische Aktivität da, die man neu ordnen könnte. Deshalb bringt dort ein Stromstoß nichts.

Frau WeberMerkhilfe: Schocken, wenn das Herz flimmert oder rast ohne Puls. Nicht schocken, wenn das Herz still ist oder geordnet elektrisch arbeitet, aber nicht pumpt.

Frau WeberEine gute Nachricht für euch: Ihr müsst den Rhythmus als Ersthelfer nicht selbst erkennen. Das macht der A E D für euch. A E D steht für automatisierter externer Defibrillator. Dieses Gerät ist so gebaut, dass auch Laien es bedienen können. Es analysiert den Herzrhythmus selbst. Einen Stromstoß gibt das Gerät nur ab, wenn ein schockbarer Rhythmus vorliegt. Bei einer Asystolie oder einer P E A gibt das Gerät also keinen Schock ab, sondern fordert euch auf, mit der Herzdruckmassage weiterzumachen. Und das Gerät sagt euch mit einer Stimme ganz genau, was ihr tun sollt.

Frau WeberJetzt zur Durchführung der Defibrillation mit einem A E D. Die Voraussetzung ist: Ihr habt einen Kreislaufstillstand erkannt. Der Patient reagiert nicht und atmet nicht normal. Die Herzdruckmassage läuft bereits oder wird sofort begonnen. Sobald der A E D da ist, geht ihr so vor.

Frau WeberErstens: Gerät einschalten. Bei vielen Geräten öffnet man einfach den Deckel, dann startet es. Ab jetzt folgt ihr den Sprachanweisungen.

Frau WeberZweitens: Brustkorb freimachen und die Klebeelektroden aufkleben. Die Herzdruckmassage läuft dabei möglichst weiter, wenn ein zweiter Helfer da ist. Auf den Elektroden ist ein Bild, das zeigt, wo sie hingehören. Eine Elektrode kommt rechts oben auf die Brust, unterhalb des Schlüsselbeins. Die andere kommt links seitlich auf den Brustkorb, unterhalb der Achsel. Ist die Brust nass, trocknet ihr sie kurz ab. Bei starker Brustbehaarung liegt oft ein Rasierer im Set, damit die Elektroden gut kleben. Medikamentenpflaster an der Klebestelle entfernt ihr. Hat der Patient einen Herzschrittmacher, den man als kleine Beule unter der Haut sieht, klebt ihr die Elektrode nicht direkt darauf, sondern mit mindestens acht Zentimetern Abstand.

Frau WeberDrittens: Analyse. Der A E D sagt: „Patient nicht berühren, Herzrhythmus wird analysiert.“ Dann nimmt jeder die Hände vom Patienten. Denn Bewegungen können die Analyse stören.

Frau WeberViertens: Wenn ein Schock empfohlen wird, sagt das Gerät das an. Jetzt ist es ganz wichtig, dass niemand den Patienten berührt. Ihr sagt laut: „Alle weg vom Patienten!“ und schaut, ob wirklich niemand ihn oder das Bett berührt. Eine Sauerstoffmaske oder den Beatmungsbeutel mit Maske nehmt ihr beim Schock mindestens einen Meter vom Brustkorb weg. Bei einem halbautomatischen Gerät drückt ihr dann den blinkenden Schockknopf. Ein vollautomatisches Gerät löst den Schock nach einer Warnung selbst aus.

Frau WeberFünftens, und das vergessen viele: Direkt nach dem Schock macht ihr sofort mit der Herzdruckmassage weiter, dreißig zu zwei. Ihr wartet nicht, ob das Herz wieder schlägt. Nach etwa zwei Minuten analysiert der A E D erneut, und ihr folgt wieder den Anweisungen. Ihr macht so weiter, bis das Notfallteam oder der Rettungsdienst übernimmt oder der Patient eindeutig wieder Lebenszeichen zeigt. Die Elektroden bleiben dabei immer auf der Brust.

Frau WeberNoch ein Hinweis zu Kindern: Viele A E D-Geräte haben spezielle Kinderelektroden oder einen Kindermodus. Sie sind für Kinder unter etwa acht Jahren oder unter fünfundzwanzig Kilogramm gedacht. Gibt es sie nicht, verwendet ihr bei Kindern die normalen Elektroden. Bei kleinen Kindern klebt ihr dann eine Elektrode vorne auf die Brust und eine auf den Rücken, damit sich die Elektroden nicht berühren. Kinderelektroden dürft ihr aber nie bei Erwachsenen benutzen, denn dann ist der Stromstoß zu schwach. Ein A E D ist für ein Kind im Kreislaufstillstand immer besser als gar kein A E D. Die Wiederbelebung von Kindern läuft außerdem etwas anders ab als bei Erwachsenen, zum Beispiel beim Verhältnis von Druckmassage und Beatmung. Das lernt ihr in einer eigenen Einheit.

Frau WeberKommen wir zu den Defibrillatoren an öffentlichen Orten. An vielen öffentlichen Orten hängen heute A E D-Geräte. Ihr erkennt sie an einem grünen Schild mit einem weißen Herzen und einem Blitz. Typische Orte sind Bahnhöfe und Flughäfen, Einkaufszentren, Rathäuser und Behörden, Banken, Sporthallen, Schwimmbäder und Fitnessstudios, Schulen und Universitäten, Hotels und große Firmen. Manchmal hängen sie auch in einem Kasten an einer Hauswand.

Frau WeberEin häufig verwendetes Gerät ist zum Beispiel der Lifepak C R Plus. Das ist ein vollautomatisches Gerät. Egal welches Modell ihr vor euch habt: Alle A E D-Geräte funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Einschalten und den Anweisungen folgen.

Frau WeberAchtet in eurem Alltag einmal darauf, wo in eurer Umgebung ein A E D hängt. Auf eurem Weg zur Schule, im Supermarkt, am Bahnhof. Im Notfall zählt jede Minute, und dann ist es gut, wenn ihr schon wisst, wo das nächste Gerät ist.

Frau WeberDamit kommen wir zum zweiten großen Teil: der Koordination einer Notfallsituation. In einem Notfall kommen oft mehrere Menschen zusammen. Wenn jeder einfach irgendetwas macht, entsteht Chaos. Deshalb ist eine gute Koordination genauso wichtig wie eine gute Herzdruckmassage.

Frau WeberWie sieht das allgemeine Vorgehen aus? Die erste Person, die den Notfall bemerkt, bleibt beim Patienten. Sie prüft Bewusstsein und Atmung und ruft laut um Hilfe. Wenn Kollegen kommen, werden die Aufgaben verteilt. Eine Person übernimmt die Leitung, bis das Notfallteam da ist. Das ist meistens die erfahrenste Pflegefachkraft vor Ort.

Frau WeberTypische Aufgaben sind: Eine Person macht die Herzdruckmassage. Eine zweite beatmet mit dem Beatmungsbeutel, wenn sie darin geschult ist. Eine dritte setzt den Notruf ab und holt den Notfallwagen mit dem Defibrillator. Eine vierte Person nimmt das Notfallteam an der Stationstür in Empfang und zeigt den Weg. Und eine Person notiert die wichtigsten Zeiten: Wann wurde der Patient gefunden, wann begann die Herzdruckmassage, wann gab es einen Schock. Außerdem kümmert sich jemand um die Mitpatienten im Zimmer und um die Angehörigen.

Frau WeberEin wichtiger Punkt dabei ist die klare Kommunikation. Sprecht Menschen direkt mit Namen an, zum Beispiel: „Anna, hol bitte den Notfallwagen!“ Und die Person bestätigt kurz: „Ich hole den Notfallwagen.“ Wenn die Aufgabe erledigt ist, meldet sie das zurück. So weiß jeder, was schon erledigt ist, und nichts geht verloren.

Frau WeberWenn das Notfallteam oder der Rettungsdienst eintrifft, müsst ihr Informationen weitergeben. Diese Übergabe soll kurz und klar sein. Wichtig sind: Wer ist der Patient, wie alt ist er, und warum ist er bei uns? Was ist passiert, und wann? Was habt ihr bisher gemacht, und seit wann, also zum Beispiel: Herzdruckmassage seit fünf Minuten, ein Schock mit dem A E D? Welche wichtigen Vorerkrankungen, Medikamente und Allergien gibt es? Und gibt es eine Patientenverfügung oder eine Festlegung, ob eine Wiederbelebung gewünscht ist? Legt die Patientenakte bereit. Dann könnt ihr schnell nachschauen.

Frau WeberDie Koordination sieht je nach Einsatzort etwas anders aus. Man spricht von Besonderheiten je nach Setting. Im Krankenhaus ruft ihr über die interne Notrufnummer das Reanimationsteam. Dieses Team ist meist innerhalb weniger Minuten da und übernimmt die erweiterten Maßnahmen. Bis dahin macht ihr die Basismaßnahmen und setzt den Defibrillator ein.

Frau WeberIm Pflegeheim ist in der Regel kein Arzt im Haus. Dort ruft ihr den Rettungsdienst über eins-eins-zwei. Wichtig ist, dass jemand die Haustür öffnet und den Rettungsdienst am Eingang abholt. In einem großen Heim finden die Retter sonst das Zimmer nicht so schnell. Legt die Bewohnerakte mit der Patientenverfügung und dem Medikamentenplan bereit.

Frau WeberIn der ambulanten Pflege seid ihr oft ganz allein beim Patienten zu Hause. Dann setzt ihr selbst den Notruf ab, am besten mit dem Handy auf Lautsprecher, und beginnt sofort mit der Herzdruckmassage. Die Leitstelle kann euch am Telefon anleiten und euch sagen, ob ein A E D in der Nähe ist. Angehörige können helfen, zum Beispiel die Haustür öffnen oder das Licht am Haus anschalten.

Frau WeberJetzt zum Notruf. Beim Notruf ist es wichtig, ruhig und sachlich zu bleiben und nur die nötigen Informationen zu sagen. Vielleicht kennt ihr noch das Fünf-W-Schema: Wo ist es passiert? Was ist passiert? Wie viele Verletzte? Welche Art von Verletzungen? Warten auf Rückfragen. Dieses Schema wird schon seit vielen Jahren gelehrt, damit man sich die Informationen besser merken kann.

Frau WeberDazu ein spannender Punkt. In der Praxis hat sich gezeigt: Beim Notruf kamen zwar meistens fünf W-Fragen zusammen, aber oft nicht die richtigen. Die Anrufer haben zum Beispiel erzählt, wem es wann und warum passiert ist. Das ist für die Leitstelle aber am Anfang gar nicht so wichtig. Deshalb dient das Fünf-W-Schema heute nur noch als grobe Orientierung.

Frau WeberHeute richtet man sich nach diesen Fragen. Erstens: Wo ist es passiert? Das ist die wichtigste Frage. Nennt die genaue Adresse, mit Stockwerk oder mit der Station und dem Zimmer. Zweitens: Was ist passiert? Zum Beispiel: „Ein Mann ist bewusstlos und atmet nicht.“ Drittens: Gibt es Besonderheiten? Also zum Beispiel mehrere Verletzte, eingeklemmte Personen, beteiligte Kinder, ein Brand oder Gefahrgut. Und viertens: Weitere Rückfragen abwarten. Die Leitstelle stellt gezielte Fragen und beendet das Gespräch. Legt also nie selbst einfach auf.

Frau WeberMerkhilfe: Wo, was, Besonderheiten, warten. Das Wichtigste zuerst, und dann zuhören.

Frau WeberJetzt zum nächsten Punkt: Welche ärztlichen Aufgaben dürfen Pflegende übernehmen, bis der Arzt da ist? Ich erkläre euch die Grundsätze.

Frau WeberErstens: Die Basismaßnahmen der Wiederbelebung und der Einsatz eines A E D sind nicht nur erlaubt, sie sind eure Pflicht. Jeder Mensch ist in Deutschland verpflichtet, im Notfall Hilfe zu leisten, soweit es ihm zumutbar ist. Das steht im Strafgesetzbuch, im Paragrafen dreihundertdreiundzwanzig c, unterlassene Hilfeleistung. Für euch im Dienst gilt sogar eine besondere Pflicht, denn ihr seid für eure Patienten verantwortlich. Von euch als Pflegenden wird erwartet, dass ihr die Basismaßnahmen sicher beherrscht. Nichts zu tun ist der größte Fehler.

Frau WeberZweitens: Was ihr darüber hinaus machen dürft, hängt von eurer Ausbildung, eurem Schulungsstand und den Regeln eures Hauses ab. Viele Einrichtungen haben dafür schriftliche Standards. Darin steht zum Beispiel, ob geschulte Pflegende im Notfall eine Beatmung mit Beutel und Maske machen, Sauerstoff geben, einen manuellen Defibrillator benutzen oder einen venösen Zugang legen dürfen. Solche Maßnahmen dürft ihr nur übernehmen, wenn ihr dafür geschult seid und wenn es der Standard eures Hauses so vorsieht. Als Auszubildende übernehmt ihr erweiterte Maßnahmen nur unter Anleitung und Aufsicht einer Pflegefachkraft.

Frau WeberDrittens: Medikamente gebt ihr grundsätzlich nur nach ärztlicher Anordnung. Das gilt auch im Notfall. Es gibt manchmal schriftliche Notfallstandards, in denen ein Arzt vorab festgelegt hat, was in bestimmten Situationen gegeben werden darf. Wie das in eurem Haus geregelt ist, müsst ihr vor Ort erfragen. Und alles, was ihr gemacht habt, dokumentiert ihr mit Uhrzeit.

Frau WeberKommen wir zum dritten Teil: Warum sollten auch Laien die Wiederbelebung lernen? Die meisten Herzstillstände passieren nicht im Krankenhaus, sondern zu Hause, auf der Arbeit oder auf der Straße. Bis der Rettungsdienst da ist, vergehen oft mehrere Minuten. In dieser Zeit entscheidet sich, ob der Mensch überlebt und ob sein Gehirn gesund bleibt. Denn mit jeder Minute ohne Herzdruckmassage sinken die Überlebenschancen deutlich. Wenn Laien sofort mit der Herzdruckmassage beginnen und einen A E D holen, kann das die Überlebenschance stark erhöhen.

Frau WeberDeshalb werden in vielen Bereichen Fortbildungen zum Notfallmanagement angeboten oder sogar gefordert. Ein Beispiel ist der Führerschein. Wer in Deutschland einen Führerschein machen will, muss einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen. Auch Jugendgruppenleiter, Ehrenamtliche in Vereinen und Trainer in Sportvereinen brauchen oft einen Erste-Hilfe-Kurs. Weitere Beispiele sind Ersthelfer in Betrieben und Menschen, die in Schulen oder Kindergärten arbeiten.

Frau WeberFür euch als Pflegende gibt es dazu Pflichtfortbildungen. Gemeinsame Pflichtfortbildungen dienen der Schulung. Sie dienen aber auch als Nachweis, dass ein Haus etwas für die Qualität tut. Für jeden Mitarbeiter muss festgelegt sein, welche Pflichtfortbildungen er besuchen muss. Typische Themen sind Hygienemanagement, Arbeitsschutz und Notfallmanagement.

Frau WeberDie Anzahl und der Inhalt der Pflichtfortbildungen richten sich nach dem Tätigkeitsgebiet des Mitarbeiters. Wer auf einer Intensivstation arbeitet, braucht zum Beispiel andere Notfallkenntnisse als jemand in der Verwaltung. In vielen Kliniken kann jeder Mitarbeiter seine Pflichtfortbildungen in einem elektronischen Mitarbeiterportal einsehen. Schaut also regelmäßig nach, welche Termine bei euch anstehen.

Frau WeberWarum ist das so wichtig? Reanimation ist etwas, das man zum Glück nicht jeden Tag macht. Aber genau deshalb vergisst man es auch schnell. Wer regelmäßig übt, bleibt im Ernstfall ruhiger, arbeitet schneller und macht weniger Fehler. Ein Notfalltraining ist deshalb keine lästige Pflicht, sondern ein Stück Sicherheit für eure Patienten und für euch selbst.

Frau WeberJetzt spielen wir das Gelernte einmal an einem Beispiel durch. Stellt euch vor: Es ist Frühdienst auf einer internistischen Station. Ihr betretet das Zimmer von Herrn Berger, einem zweiundsiebzigjährigen Patienten, der wegen einer Lungenentzündung da ist. Er liegt still im Bett und reagiert nicht, als ihr ihn begrüßt.

Frau WeberWas tut ihr zuerst? Ihr sprecht ihn laut an und schüttelt ihn vorsichtig an den Schultern: „Herr Berger, hören Sie mich?“ Keine Reaktion. Ihr ruft laut: „Hilfe, ich brauche Hilfe in Zimmer zwölf!“ Dann macht ihr die Atemwege frei, also Kopf nach hinten neigen und Kinn anheben, und prüft höchstens zehn Sekunden lang die Atmung. Ihr seht nur zwei langsame, schnappende Atemzüge. Das ist Schnappatmung. Also: Kreislaufstillstand.

Frau WeberIst euch keine Festlegung gegen eine Wiederbelebung bekannt, beginnt ihr sofort. Im Zweifel gilt immer: Wiederbeleben. Ihr stellt das Bett flach, legt das Reanimationsbrett unter und beginnt mit der Herzdruckmassage. Eure Kollegin Anna kommt ins Zimmer.

Frau WeberJetzt übernehmt ihr kurz die Leitung und verteilt die Aufgaben: „Anna, bitte ruf das Reanimationsteam über die Notrufnummer und bring den Notfallwagen mit dem Defibrillator!“ Anna antwortet: „Ich rufe das Team und hole den Notfallwagen.“ Ein Pfleger aus dem Nachbarzimmer kommt dazu. Ihr sagt: „Tom, bitte übernimm die Beatmung mit dem Beutel, sobald der Wagen da ist, und dann lösen wir uns bei der Herzdruckmassage alle zwei Minuten ab.“

Frau WeberAnna kommt mit dem Notfallwagen und schaltet den Defibrillator ein. Während ihr weiterdrückt, klebt sie die Elektroden auf: eine rechts unter das Schlüsselbein, eine links seitlich unter die Achsel. Das Gerät sagt: „Herzrhythmus wird analysiert, Patient nicht berühren.“ Alle nehmen die Hände weg. Dann: „Schock empfohlen.“ Tom nimmt den Beutel mit der Maske vom Gesicht und hält ihn mindestens einen Meter vom Brustkorb entfernt. Anna sagt laut: „Alle weg vom Patienten!“, schaut, dass niemand das Bett berührt, und drückt den Schockknopf. Sofort danach macht ihr mit der Herzdruckmassage weiter.

Frau WeberEine Schülerin, die ebenfalls ins Zimmer gekommen ist, übernimmt eine wichtige Aufgabe: Sie notiert die Zeiten. Wann wurde Herr Berger gefunden? Wann begann die Herzdruckmassage? Wann war der Schock? Außerdem bringt sie die Patientenakte ins Zimmer und kümmert sich um den Mitpatienten, der erschrocken im anderen Bett sitzt.

Frau WeberNach wenigen Minuten ist das Reanimationsteam da. Ihr übergebt kurz und klar: „Herr Berger, zweiundsiebzig Jahre, hier wegen Lungenentzündung. Um acht Uhr zehn nicht ansprechbar mit Schnappatmung gefunden. Herzdruckmassage seit acht Uhr zehn, Beutelbeatmung seit acht Uhr dreizehn, ein Schock mit dem Defibrillator um acht Uhr vierzehn. Keine Festlegung gegen eine Wiederbelebung bekannt. Die Akte liegt hier.“ Das Team übernimmt die erweiterten Maßnahmen. Ihr bleibt in der Nähe und helft auf Anweisung weiter, zum Beispiel bei der Herzdruckmassage.

Frau WeberWas sehen wir an diesem Beispiel? Erstens: Das Erkennen und der Beginn der Herzdruckmassage gehen ganz schnell. Zweitens: Die Aufgaben werden klar verteilt und bestätigt. Drittens: Der Defibrillator wird eingesetzt, sobald er da ist, und nach dem Schock geht es sofort weiter. Und viertens: Eine gute Dokumentation der Zeiten und eine klare Übergabe helfen dem Team, ohne Zeitverlust weiterzumachen.

Frau WeberUnd noch etwas gehört dazu: Nach so einem Einsatz ist es wichtig, im Team kurz darüber zu sprechen. Was lief gut? Was können wir beim nächsten Mal besser machen? Und wie geht es jedem Einzelnen? Ein Notfall kann sehr belastend sein, auch für erfahrene Pflegende. Der Notfallwagen wird danach sofort wieder aufgefüllt und geprüft.

Frau WeberBevor wir zusammenfassen, macht bitte einen kleinen Selbsttest. Ich stelle euch eine Frage, ihr überlegt kurz, und dann sage ich euch die Antwort. Frage eins: Welche zwei Herzrhythmen werden mit einem Stromstoß behandelt? … Die Antwort: Kammerflimmern und die pulslose Kammertachykardie.

Frau WeberFrage zwei: Wird eine Asystolie geschockt? … Nein. Eine Asystolie ist eine Nulllinie ohne elektrische Aktivität. Hier helfen Herzdruckmassage, Beatmung und die Medikamente, die der Arzt gibt.

Frau WeberFrage drei: Was macht ihr direkt nach einem Schock mit dem A E D? … Sofort weiter mit der Herzdruckmassage, dreißig zu zwei, für etwa zwei Minuten bis zur nächsten Analyse.

Frau WeberFrage vier: Wo klebt man die Elektroden des A E D? … Eine rechts oben unterhalb des Schlüsselbeins, die andere links seitlich unterhalb der Achsel.

Frau WeberFrage fünf: Welche vier Punkte gehören heute zum Notruf? … Wo ist es passiert, was ist passiert, gibt es Besonderheiten, und Rückfragen abwarten.

Frau WeberFrage sechs: Dürft ihr im Notfall eigenständig Medikamente geben? … Nein, Medikamente gibt es nur nach ärztlicher Anordnung oder nach einem schriftlichen Notfallstandard eures Hauses, der ärztlich festgelegt wurde.

Frau WeberFrage sieben: Warum sind Pflichtfortbildungen zum Notfallmanagement so wichtig? … Weil Notfälle selten sind und man das Vorgehen sonst schnell vergisst. Regelmäßiges Üben macht euch im Ernstfall sicherer und schneller. Und sie sind ein Nachweis für die Qualität des Hauses.

Frau WeberWie viele Fragen konntet ihr beantworten? Wenn es noch nicht alle waren, hört euch die entsprechenden Teile gern noch einmal an.

Frau WeberWir sind am Ende der Stunde. Hier die wichtigsten Punkte noch einmal zusammengefasst. Es gibt vier Herzrhythmen beim Kreislaufstillstand: Kammerflimmern, pulslose Kammertachykardie, Asystolie und pulslose elektrische Aktivität. Geschockt werden nur Kammerflimmern und die pulslose Kammertachykardie. Asystolie und P E A werden nicht geschockt. Hier helfen Herzdruckmassage, Beatmung und die Medikamente, die der Arzt gibt.

Frau WeberDer A E D analysiert den Rhythmus selbst und gibt nur einen Schock ab, wenn es nötig ist. Ihr schaltet ihn ein und folgt den Anweisungen. Während der Analyse und beim Schock berührt niemand den Patienten. Nach dem Schock geht es sofort mit der Herzdruckmassage weiter.

Frau WeberIm Notfall braucht es eine klare Leitung und klare Aufgaben. Beim Notruf gilt: Wo, was, Besonderheiten, Rückfragen abwarten. Die Basismaßnahmen und der A E D sind eure Pflicht. Weitere Maßnahmen übernehmt ihr nur, wenn ihr dafür geschult seid und euer Haus es so regelt. Medikamente gibt es nur nach ärztlicher Anordnung.

Frau WeberUnd zum Schluss: Übt regelmäßig, geht zu euren Pflichtfortbildungen und schaut euch an, wo in eurer Umgebung ein A E D hängt. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal!

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